Philippsthal (Werra)

Dorf · 240 m über NN  
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

21 km südöstlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage

Durch die Werra geteilter Siedlungskomplex mit regelhaften Grundrissmerkmalen unmittelbar an der heutigen, im Süden und Osten verlaufenden Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Die unterschiedlichen Siedlungsbereiche sind durch eine Brücke über die Werra kurz vor dem Zufluss der Ulster verbundenen. Im Norden befindet sich der ältere Teil mit Kirche (ehemalige Klosterkirche St. Jakob Benediktinerinnenkloster Kreuzberg), Schloss Philippsthal und Park östlich entlang der ursprünglichen Hauptachse (Mühlstraße) mit Marktplatz am Nordöstlichen Ende. Jüngere Siedlungsentwicklung im Nordwesten und nach Südosten. Komplex südlich der Werra 1926-1928 symmetrisch als Arbeiterkolonie mit 92 Wohneinheiten für die Werksangehörigen des Kaliwerks Hattdorf angelegt, 1954-1966 umgebaut. Pfarrkirche 1958 errichtet. Durch diesen Bereich führt die B 62 über Vacha Richtung Thüringen. Bahnhof der Eisenbahnlinie Gerstungen – Vacha ("Werratalbahn I") (Inbetriebnahme der Strecke 2.10.1905) bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1986.

Siedlungsentwicklung

Ursprünglich hieß das Dorf Kreuzberg. Als Landgraf Karl 1686 die Vogtei Kreuzberg seinem Bruder Philipp abgetreten hatte, baute dieser das Kloster zu einem Schlosse um und nannte es Philippsthal.
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Heringen.

Vorbemerkung Historische Namensformen

Bis zur Umbenennung in Schloss Philippsthal beziehen sich die Belege auf das Benediktinerinnenkloster Kreuzberg

Historische Namensformen

Bezeichnung der Siedlung

  • monasterium (1191)
  • ecclesia (1194)
  • Dorf, Dorfschaft (1773)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung

Burgen und Befestigungen

Älteste Gemarkungskarte

1720

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3570832, 5634547
UTM: 32 U 570730 5632733
WGS84: 50.841972° N, 10.004582° O

Statistik

Ortskennziffer

632016040

Flächennutzungsstatistik

  • 1885 (Hektar): 596, davon 350 Acker (= 58.72 %), 109 Wiesen (= 18.29 %), 50 Holzungen (= 8.39 %)
  • 1961 (Hektar): 1060, davon 511 Wald (= 48.21 %)

Einwohnerstatistik

  • um 1610: 25 Hausgesesse
  • 1628: 25 Hausgesesse
  • 1673: 18 Hausgesesse
  • 1747: 60 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • um 1760: 40 Häuser
  • 1773: 81 steuerpflichtige Häuser mit 436 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Bäcker, 1 Müller, 4 Leinweber, 3 Schmiede, 1 Schreiner, 1 Metzger, 4 Maurer, 4 Schneider, 1 Zimmermann, 2 Schlosser, 2 Schuhmacher, 1 Weißbinder, 1 Weinwirt, 1 Pächter der herrschaftlichen Bier- und Brandweinschenke, 26 Tagelöhner und Tagelöhnerinnen, so zugleich Wolle spinnen,
  • 1885: 639, davon 635 evangelisch (= 99.37 %), 3 katholisch (= 0.47 %), 1 andere Christen (= 0.16 %)
  • 1961: 3311, davon 2805 evangelisch (= 84.72 %), 442 katholisch (= 13.35 %)
  • 1970: 5816
  • 1981: 4999 (mit Ortsteilen)
  • 2003: 4556 (mit Ortsteilen)

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • nach 1191: Reichsabtei Hersfeld, Propstei Creuzberg
  • um 1450: Fürstentum Hersfeld, Propstei bwz. Vogtei Creuzberg
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Vogtei Creuzberg
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Vogtei Creuzberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Vogtei Creuzberg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Vogtei Creuzberg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Heringen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Vogtei Creuzberg (zuletzt Amt Friedewald)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis

Hersfeld

Gemeindeentwicklung

Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden als Ortsteil zur neu gebildeten Gemeinde Philippsthal, später Philippsthal (Werra) zusammengeschlossen. Zu deren Entwicklung s. Philippsthal (Werra), Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Philippsthal (Werra).

Gericht

  • Amtsgericht Schenklengsfeld (Stand Reimer)
  • vor 1822: Amt Landeck
  • 1822: Justizamt Friedewald
  • 1832: Justizamt Friedewald
  • 1833: Justizamt Schenklengsfeld
  • 1867: Amtsgericht Schenklengsfeld
  • 1879: Amtsgericht Schenklengsfeld
  • vor 1945: Amtsgericht Schenklengsfeld
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft

  • Das Kloster Kreuzberg war seit seiner Gründung Ende des 12. Jahrhunderts rechtlich der Abtei Hersfeld unterstellt, entwickelte sich aber im Spätmittelalter zum Kristallisationspunkt der hersfeldischen Vogtei Kreuzberg. Das Kloster übte in den zur Vogtei gehörigen Orten die niedere Gerichtsbarkeit aus. 1651 ist die gesamte Vogtei in hessischem Besitz. 1685 überlässt Landgraf Karl seinem Bruder Philipp das Kloster Kreuzberg, das als Sitz der fürstlichen Linie den Namen Philippsthal erhält. Landgraf Philipp erhält zunächst nur in der sogenannten Herrengasse in Kreuzberg die niedere Gerichtsbarkeit. Erst 1733 werden die Kompetenzen der Hessen-Philippsthaler Linien auf die Vogtei Kreuzberg ausgeweitet. Im 18./19. Jahrhundert werden die Vogtei Kreuzberg und das Amt Vacha zeitweise vereinigt.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer

  • Später: Kloster Kreuzberg als Tochterkloster der Reichsabtei Hersfeld.

Ortsadel

Hessen-Philippsthal

Kirche und Religion

Ortskirchen

  • Kirche aus der 1191 errichteten Klosterkirche hervorgegangen, 1675 umgebaut, 1733 erweitert, 1900/1966 erneut umgebaut
  • Katholische Pfarrkirche St. Maria an der Philippsthaler Südstraße 1958 geweiht, 2023 geschlossen

Patrozinien

  • Jakobus (1191)
  • Maria (1958)

Pfarrzugehörigkeit

Vor der Reformation gehörte die Kirche dem dortigen Kloster Creuzberg, dann war sie abteiliche Pfarrei. 1773 sind die Dorfschaft Oberzella, die Höfe Thahlhausen, Schwenge, Niederndorf und Heiligenroda eingepfarrt, die Orte jedoch 1872 zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörig. 1872: Protestantische Kirche der Inspektur Hersfeld, wozu einige weimarische Orte eingepfarrt waren. Filial ist Heimboldshausen, das 1958 als selbständige Pfarrstelle ausgegeliedert wird. 1994 ist Philippsthal ohne Filialgemeinde.

Patronat

Hessen (1648-1733), seitdem Hessen-Philippsthal

Klöster

Diakonische Einrichtungen

1837 Gründung des Viktoria-Heims durch Landgräfin Caroline zu Hessen-Philippsthal für arme Frauen und Kinder; 13.10.1911 eine Gemeindeschwester, Umzug ins Viktorienheim mit Kleinkinderschule (eigene Diakonisse), Krankenpflege, Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S.325-326; bis 1972 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel

Erster evangelischer Pfarrer: Georg Wolfart 1539-1545, bereits 1530 wird Caspar Mosebach, Pfarrer zu Heringen, als Vikar von Kreuzberg genannt

Kirchliche Mittelbehörden

Inspektur Hersfeld (1872)

Kultur

Schulen

1773 wird das Schulhaus vom Schulhalter bewohnt
1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion

Die Vogtei Kreuzberg umfasste 1647 die Dörfer *Kreuzberg, *Hillartshausen und Oberzell sowie die Höfe Badelachen, *Harnrode, Heedersberg, Heiligenrode, Niederndorf, Nippe, *Röhrig, Schwenge, Springen, Thalhausen, *Unterneurode und Unterzelle (Rentkammerprotokoll über die hersfeld. Reise). * Die besternten Orte gehörten gemäß Reimer zu Kurhessen.

Mühlen

1773 wird die Werramühle am rechten Ufer über ein unterschlächtiges Wasserrad mit 2 Mahlgängen sowie 1 Schlag- und 1 Schneidegang betrieben. Seit 1897/98 Pappenfabrik, 1908 Austausch des Wasserrades gegen Turbine und Übergang in den Besitz des Kaliwerkes Hattdorf.

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Philippsthal (Werra), Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3271_philippsthal-werra> (aufgerufen am 24.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/3271