Wallenstein, Konrad von

 
gestorben
9.5.1521
Beruf
Jurist, Diplomat, Landhofmeister
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138873902X

Andere Namen

Weitere Namen

Waldenstein, Konrad%von

Wirken

Werdegang

  • 1474/75 Teilnehmer am Neußer Zug
  • 1480 Diener Landgraf Heinrichs III.
  • 1483 Begleiter Landgraf Wilhelms l. bei der Huldigung in Wolfhagen
  • 1484 und noch 1493 Amtmann in Wolfhagen
  • 1487 Schiedsmann bei der Landesteilung zwischen den Landgrafen Wilhelm I. und Wilhelm II.
  • im Dienst Landgraf Wilhelms II., 1487 Rat, noch 1493
  • mit dem Landgrafen 1490 auf dem Ungarnzug König Maximilians, vom König zum Ritter geschlagen
  • 1496-1521 Landvogt an der Werra und Amtmann in Eschwege
  • zugleich zeitweilig (1498, 1505-1508) Hofmeister Landgraf Wilhelms II.
  • mehrfach Schiedsmann und Unterhändler des Landgrafen
  • ab 1503 Statthalter in Kassel, 1506 als Testamentsvollstrecker und Vormund bestellt, 1508 wieder ausgeschlossen
  • zunächst Gegner der Landgräfin Anna, doch bereits 1514 Landhofmeister und mitverordneter Rat des ständischen Ausschusses
  • blieb Landhofmeister unter Landgraf Philipp, verteidigte Rüsselsheim gegen Franz von Sickingen und beteiligt sich am Darmstädter Vertrag mit Sickingen
  • kurz vor seinem Tode Begleiter des Landgrafen auf dem Reichstag in Worms.
  • nach Demandt (Personenstaat, S. 921) war Wallenstein einer „der maßgebenden Persönlichkeiten in Politik und Verwaltung Hessens an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit“.

Familie

Vater

Wallenstein, Simon von, † 1483, Marschall, Rat und Heimlicher

Mutter

Dalwigh, Margarethe von

Partner

Boyneburg, Anna von, (⚭ 1500) Tochter des Reinhard von Boyneburg, Landvogt

Verwandte

  • Reckerode, Anna von <Schwester>, verheiratet mit Heinrich v. Reckerode
  • Bülzingslöwen, Margarethe von <Schwester>, war verheiratet mit I. Balthasar Diede und II. Siegfried von Bülzingslöwen

Leben

Aus der Biografie

Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Wallenstein, Konrad von1, Ritter, Sohn des Marschalls Simon von Wallenstein2, nimmt am Neußer Zug 1474/75 teil3 und dient Landgraf Heinrich III. 1480 Mai 274. Begleitet Anfang 1483 Landgraf Wilhelm I. zum Empfang der Huldigung nach Wolfhagen5. Im Dienst Landgraf Wilhelms I. 1483 Dezember6. Amtmann zu Wolfhagen 14847. Seine neue Bestallung in dieser Stelle durch Landgraf Wilhelm II. von 1493 November 11 bestimmt ihm jährlich 50 Vt. Korn, 110 Vt. Hafer, 24 Vt. Gerste, 20 Vt. Hopfen, 3 Scheffel Erbsen, 2 Vt. Mohn, 6 Kühe, 6 gemästete Schweine, 10 Hämmel, je 60 Michaelis- und Fastenhühner, 2 Vt. Salz, 8 fl. für Fastenspeise, 4 fl. für Beschlag und 12 Fd. Heu; dazu Streu, Häcksel (kabe) und Stroh nach Bedarf sowie 40 Käse8. Wallenstein ist einer der Schiedsleute bei der Landesteilung zwischen den Landgrafen Wilhelm I. und II. auf Seiten Landgraf Wilhelms II. 1487 Mai 169 und 1487 Juni 1610. 1489 Dezember 11 sichert ihm Landgraf Wilhelm II. in Ansehung seiner Dienste die Lehen zu, die von heimfallen werden11. Rat Landgraf Wilhelms II. 1487 Oktober 9 und 1493 September 512; nimmt mit dem Landgrafen 1490 am Zuge König Maximilians nach Ungarn teil und wird hier vom König zum Ritter geschlagen13. 1496 Oktober 31 ist Wallenstein einer der hessischen Unterhändler, die den Ehevertrag zwischen Landgraf Wilhelm II. und der Herzogin Jolanthe von Lothringen schließen14, Landvogt an der Werra und Amtmann zu Eschwege 1496 Februar 1415 bis zu seinem Tode 1521. Zugleich war er eine Zeit lang Hofmeister Landgraf Wilhelms II., zuerst genannt 1497 Juli 2116, dann 1505 Mai 1717, zieht ab von diesem Amt 1508 Februar 918. 1498 gehört er zu den Schiedsleuten Landgraf Wilhelms II. in dessen Streitigkeiten mit Graf Wilhelm von Henneberg über Schmalkalden19. 1503 Juni 5 ist er Statthalter zu Kassel und wird Juni 22 Statthalter widden im fürstenthumb zu Hessen genannt20. 1506 August 11 setzt ihn Landgraf Wilhelm II. als einen der Testamentsvollstrecker und Vormünder ein. Er soll beim Todesfall im Kasseler Schloß Wohnung nehmen, wenn er noch Hofmeister ist, sonst in Eschwege21. Obwohl er im landgräflichen Testament als bevollmächtigter Statthalter Landgraf Wilhelms II. an die Spitze der dort bestimmten Regentschaft gestellt wird, beklagt sich Landgraf Wilhelm II. 1508 bitter über die ihm während seiner Krankheit von Wallenstein widerfahrene üble Behandlung22 und schließt ihn im zweiten Testament von 1508 Januar 29 von der Vormund- und Regentschaft aus; oberster Vormund wird nunmehr Landgraf Wilhelms Gemahlin Anna23. Wallenstein gehört infolgedessen zunächst zu deren Gegnern24, nimmt aber dann ihre Partei und wird beim Sturz Ludwigs von Boyneburg als Landhofmeister durch die Landgräfin Anna von dieser als Landhofmeister (Hofmeister zu Hessen) und mitverordneter Rat des ständischen Ausschusses bestellt 1514 März 125, bleibt Landhofmeister bis 151826, führt aber den Titel auch unter Landgraf Philipp noch gewohnheitsmäßig weiter27. Im Jahr 1518 verteidigt er Rüsselsheim gegen Franz von Sickingen und beteiligt sich nicht am Darmstädter Vertrag mit Sickingen28. Noch kurz vor seinem Tode begleitete er Landgraf Philipp auf dem Reichstag zu Worms29. – Er war seit 1500 verheiratet mit Anna, Tochter des Landvogtes Reinhard von Boyneburg30, errichtete 1518 September 12 sein Testament31 und starb 1521 Mai 9 kinderlos32. Er war eine der maßgebenden Persönlichkeiten in Politik und Verwaltung Hessens an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit.

Nachweise

Fußnoten

  1. S. Landau, Ritterburgen II S. 401 ff.
  2. Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (12/2 Bel. zu 1480 Juni 8) und Lennep, Codex probationum Bd. 2 nach S. 354.
  3. Rechn. I, Marburg Kammerschreiber (3/7 Bel. zu 1477 Juni 2).
  4. Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (12/2 Bel.). Wallenstein wird hier: landgräflicher Hofdiener genannt.
  5. Rechn. I, Wolfhagen (115/16 Bl. 26).
  6. Rechn. I, Eschwege (44/15 Bl. 12): Uf montag nach Lucie [Dezember 15] waren zu Eschwege myn herre der doctor [Johann Schickeberg] und jungber Curd von Wallenstein mit VII pberden und wulden ryden in Myssen. Von dort kehrten sie am 27. Dezember zurück (ebd. Bl. 12v.).
  7. Gundlach III S. 285.
  8. Urkk., Gen-Rep. Wolfhagen.
  9. Best. 2 II Landesherrschaft Landgrafen Wilhelm I, II.
  10. Erbeinung von Oberkaufungen (Samtarchiv 76 Nr. 42).
  11. Kopiar L 5 Bl. 70.
  12. ZHG Mitt. 1885 S. XLVIII.
  13. Lehnbuch Landgraf Wilhelms II. und Kopiar 11 Nr. 61.
  14. Landau, Ritterburgen II S. 402 f.
  15. Huyskens, Werraklöster Nr. 1314.
  16. Rechn. I, Felsberg (46/20 Bl. 48v.). 1500 Februar 9 werden jedoch Konrad von Wallenstein und der Hofmeister [Ludwig von Boyneburg] in einer Futterliste nebeneinander genannt (Rechn. I, Melsungen 83/9 Bl. 21, 21v.).
  17. Gundlach S. 285 Anm. 9 zitiert: „Von seiner Unterschrift in unverzeichneten Akten. Bei magister curie principalis ist principalis nicht Nominativ, sondern Genitiv, darf also nicht übersetzt werden mit Obersthofmeister (Werraklöster Nr. 754)“ Hofmeister auch 1505 September 10/11 als in Spangenberg der frimde Konig von Affrica auf Einladung Landgraf Wilhelms II. zur Brunft war (Rechn. I, Spangenberg 103/1 Bl. 32); Hofmeister auch 1505 Oktober 23 als er selbsechse gein Hersfeld der reformation halben riithen wolt (Rechn. I, Ziegenhain 121/2 Bl. 54).
  18. Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (16/14 Bl. 1).
  19. Kopiar 9 Nr. 3.
  20. Rechn. I, Witzenhausen (114/44); desgl. 1503 August 1 (Rechn. I, Gudensberg 62/10 Bel.). – Kopiar L 5 Bl. 72.
  21. Urkk., Landgräfliche Testamente. – 1506 Februar 21 wird des Hofmeisters Diener Heinz Bauer erwähnt (Rechn. I, Ziegenhain 121/3 Bl. 90v.).
  22. Glagau, Landtagsakten Nr. 2.
  23. Ebd. Nr. 1.
  24. Landau, Ritterburgen II S. 405.
  25. Glagau, Landtagsakten S. 223, 346. Ebd. S. 349 findet sich die Neuregelung seiner Besoldung, Er erhält als Landhofmeister nunmehr zu den Eschweger Amtsgefällen (als Landvogt an der Werra) noch 200 fl. Sold, 6 gerüstete Pferde und 1 Troßpferd mit Futter und Beschlag sowie Kleidung, Schlaftrunk und freie Behausung für Knechte und Knaben.
  26. Siehe Anm. 7.
  27. Glagau, Landtagsakten S. 52.
  28. Ebd. S. 538.
  29. So nach der Wormser Präsenzliste (vgl. dazu Gundlach III S. XVI) und Hans Wilhelm Kirchhof im Wendunmuth 1602 S. 65.
  30. Sie war die Schwester des „kleinen Hessen“ Konrad von Bemmelberg (Lennep a. a. O.).
  31. Urkk., von Wallenstein: 1518 September 15 um sieben Uhr vormittags erschien in der Buttelei des Marburger Schlosses vor dem kaiserlichen Notar Bernhard Hußlin von Neuffen, Konstanzer Bistums, und den nachgenannten Zeugen Herr Konrad von Wallenstein, Landhofmeister, und übergab sein eigenhändig geschriebenes Testament. Zeugen sind: Herr Balthasar von Weitolshausen gen. Schrautenbach, Amtmann zu Gießen, Junker Johann von Linsingen, Junker Philipp Riedesel zu Josbach, Jost Lünker, Rentmeister zu Marburg, die Kanzleischreiber Johann Gagenhart und Wolf Horn und Jakob Heppenheimer, Schenk des Landgrafen. – Die testamentarischen Anordnungen bei Landau a. a. O. S. 406 f. Wallenstein bestimmt als seine Grablege das Stift Hersfeld neben seinen Eltern und bedenkt als Verwandten: seine Schwester Anna und ihre mit Heinrich von Reckerode erzeugten Söhne Wilhelm und Rabe von Reckerode, die er als seine nächsten Erben zugleich auch als Testamentsvollstrecker einsetzt; seine Schwester Margarethe, zweifache Witwe von Balthasar Diede und Siegfried von Bülzingslöwen und ihre beiden Töchter, Frauen von Dictrich von Schachten und Otto Hund.
  32. Landau, Ritterburgen III S. 427 (mit falschem Datum).

Quellen

Literatur

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

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„Wallenstein, Konrad von“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/21812_wallenstein-konrad-von> (aufgerufen am 22.04.2026)

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