Hanauer, Bartholomäus

 
belegt seit
1462
belegt bis
1508
Beruf
Trompeter, Knecht
GND-Explorer
1393919995

Wirken

Lebensorte

Marburg

Familie

Partner

Tippel, Guda

Leben

Aus der Biografie

Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Trompeter am Hofe Landgraf Ludwigs II. in Kassel 14621, 1463/642. Er muß dann Kassel verlassen haben3 und nach Marburg gegangen sein, denn 1467 März 18 wird Bartholomäus Hanauer von Landgraf Heinrich III. auf Lebenszeit zum Trompeter und Knecht bestellt4. Dafür erhält er jährlich 30 fl. aus dem Marburger Weinungeld, je zur Hälfte auf Ostern und Martini, dazu das landgräfliche Haus in der Marburger Judengasse, das Drugloiß innehatte, das er jedoch verkaufen kann, um ein besseres zu erwerben, dazu 4 MI. Korn, eine Kuh, zwei Läuferschweine (heil-) zu Martini und ein Fd. Bier5. Im Mai 1472 begleitet Hanauer mit einem Jungen (Gesellen) die Landgrafen Heinrich III. und Hermann auf den Tag nach Mühlhausen6. Im September 1472 ist er mit zwei seiner Trompetergesellen in Sachsen, um ihr Trinkgeld (trancgelt) zu holen7. 1477 März 3 befindet er sich auf dem Weg nach Nürnberg8. Am 25. Mai d. J. holt ihn ein Bote von Worms nach Wiesbaden zu Landgraf Heinrich ins Bad9. Welch weiten Ruf Hanauer hatte, kommt auch darin zum Ausdruck, daß er im Oktober 1478 mit seiner ganzen Truppe den Verweser des Kölner Erzstiftes, Landgraf Hermann, auf seiner Huldigungsfahrt durch das Herzogtum Westfalen10 und im August 1479 selbstverständlich Landgraf Heinrich bei der Einnahme der Grafschaft Katzenelnbogen begleitet11, Die Trompetergruppe Hanauers wird auch 1480 Juli 11 erwähnt, als sie sich auf den Rückweg von Kassel nach Marburg befindet12. 1480 Januar 4 gibt Hanauer das landgräfliche Haus in der Judengasse an den Landgrafen zurück und erhält dafür und zur Beisteuer zum Kauf eines anderen Hauses 46 fl., das Hanauer und seine Frau Guda13 unbeeinträchtigt von landgräflichen Forderungen besitzen sollen. Hanauer soll lebenslänglich Hofdiener sein und erhält erneut eine Verschreibung auf seine früheren (oben genannten) Bezüge14. 1482 Juni 23 werden die 30 fl. Dienstgeld auf die Rente zu Wetter gelegt und sind zu vier Fronfasten in Raten von 7 ½ fl. fällig15. 1490 Juli 2 gibt Hanauer, nunmehr Trompeter Landgraf Wilhelms III., diesem das Haus und Gut zu Ebsdorf zurück, mit dem er von Landgraf Heinrich belehnt worden war und erhält dafür mit seiner Frau Guda auf Lebenszeit eine Rente von 10 fl. aus Wetter16. 1491 Januar 12 macht ihm der Marburger Rat das übliche Neujahrsgeschenk von 16 Schill.17. In diesem Jahr zahlt er 28 alb. Martinszins von seinem Hause in der Wettergasse18. 1494 November 13 quittiert Hanauers Frau Guda dem Kammerschreiber über den Empfang der ihr (!) lebenslänglich verschriebenen Rente von 10 fl. aus Wetter19. Hanauer zahlt noch 1505 den Zins von seinem Hause in der Wettergasse20, ist also wohl auch identisch mit dem unter Landgraf Wilhelm II. 1508 bezeugten Trompeter Barthel21, der damals zu Markgraf Friedrich von Brandenburg geritten und drei Wochen unterwegs war22.

Nachweise

Fußnoten

  1. Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (11/3 Bl. 6v.).
  2. Ebd. 11/4 Bl. 10, 19. Er erhält 1464 März 17 vom Kasseler Kammerschreiber 11 fl., um davon auf der Frankfurter Fastenmesse Trompeten zu kaufen.
  3. Demgemäß erscheint Bartholomäus nicht mehr in der Liste der Kasseler Trompeter, die der Kammerschreiber 1470 besoldet.
  4. Urkk., Bestallungen. – Vgl. hierzu auch H. J. von Brockhusen, Des Landgrafen Hoftrompeter (Hessenland 6, 1959 Nr. 10).
  5. Das ist eine ganz ungewöhnlich hohe Dotierung, der spätere weitere Zuwendungen, speziell auch für seine Frau (siehe unten) folgen. Bei dieser Sachlage fällt die Annahme schwer, daß diese Sonderstellung Hanauers nur auf seinen musikalischen Leistungen beruht hat, so ausgezeichnet sie offenbar auch gewesen sind.
  6. Rechn. I, Eschwege 44/10 Bl. 22.
  7. Rechn. I, Lichtenau (71/6 Bl. 33).
  8. Rechn. I, Vacha (111/21 Bl. 7).
  9. Rechn. I, Marburg Kammerschreiber (2/1 Bl. 78).
  10. Rechn. I, Driedorf (39/11 Bl. 19). Das Datum dieser Fahrt ist deswegen bemerkenswert, weil Landgraf Hermann, seit 1473 Schirmherr und Verweser des Erzstiftes, erst 1480 zum Erzbischof gewählt wurde.
  11. Demandt, Katz. Regg. Nr. 6282/16, 23, 23. Dort im Register fälschlich auf Bartholomäus von Eten bezogen.
  12. Rechn. I, Borken (34/9 Bl. 12): Der Rentmeister verköstigt 4 Trompeter, nämlich Bartholomäus mit seiner Gesellschaft. Im März 1480 sind in der Begleitung Landgraf Heinrichs in St. Goar die Trompeter Bartholomäus, sein Knabe und sein Schwager (Rechn. I, Marburg Kammerschreiber 5/18 Bl. 1v.). Diesen Schwager benennt die Driedorfer Kellereirechnung von 1477 mit Gerbrecht, Trompeter (39/9 Bl. 13, 18v.).
  13. v. Brockhusen a.a.O. vermutet, daß Guda eine geb. Tippel aus Kassel gewesen sei. Angesichts der sehr reichen Dotierung Hanauers (siehe Anm. 5) und speziell der Zuwendung an Guda (siehe Anm. 19) halte ich es für möglich, ja wahrscheinlich, daß Guda eine der landgräflichen Beischläferinnen war, die nach ihrer Schwängerung an einen Hofdiener verheiratet wurde. – Die Existenz solcher „Schlafweiber“ ist ja auch für König Maximilian bezeugt.
  14. Urkk., Bestallungen. – Kopiar 17 Nr. 51.
  15. Urkk., Bestallungen.
  16. Ebd.
  17. Küch, Marburger Rechtsquellen II S. 346.
  18. Rechn. I, Marburg Rentmeister (71/1 Bl. 9v.).
  19. Rechn. I, Marburg Kammerschreiber (4/11 Bel.). Demnach dürfte auch das Ebsdorfer Gut ursprünglich ihr übertragen worden sein, denn Guda quittiert nicht als Witwe, da Hanauer noch lebt und Guda auch ausdrücklich als seine Frau bezeichnet wird. Charakteristisch für die besondere Stellung Gudas ist auch die Tatsache, daß diese Quittung von ihrem Schwiegersohn Georg Juppe besiegelt wird, denn dieser war ein angesehener Marburger Goldschmied und Schöffe, der später landgräflicher Münzkämmerer und Rentmeister in Blankenstein wurde und ein Bruder des Bildhauers Ludwig Juppe war.
  20. Rechn. I, Marburg Rentmeister (78/2 Bl. 10v.).
  21. So vermutet auch von Brockhusen a.a.O.
  22. Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (12a/9 Nr. 8 Bel.).

Quellen

Literatur

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Hanauer, Bartholomäus“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/20446_hanauer-bartholomaeus> (aufgerufen am 14.04.2026)

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