Unbekannter Ritter 2. Dekade 13. Jahrhundert, Philippsthal

Abb. 18a: Unbekannter Ritter 2. Dekade 13. Jahrhundert, Philippsthal – Nr. 26
Standort
Gebäude / Areal
Philippsthal, Evangelische Pfarrkirche.
Angaben zum Standort
Südseite der Kirche.
Heutiger Aufbewahrungsort
Angaben zum Aufbewahrungsort
An der Südwand des Chores.
Merkmale
Datierung
2. Dekade 13. Jahrhundert
Typ
Material
Erhaltung
erhalten
Größe
80 x 177 cm (B x H)
Größe der Buchstaben
4 cm
Beschreibung
Wappen: Unbekannt (Creutzburg?)1).
Grabplatte eines unbekannten Ritters. Die Platte aus gelbgrauem Sandstein steht heute an der Südwand des Chores, sie war in der Zeit des Schloßumbaus 1733 auf der Südseite der Kirche gefunden worden. Die Inschrift läuft auf dem Rand um. In dem eingetieften Feld steht die Figur eines Ritters. Sein Kopf wird von über die Ohren reichendem Haar bedeckt und ragt in die obere Leiste hinein; rechts davon beginnt die Inschrift. Über dem gegürteten Gewand, das am Hals mit einem schildförmigen Fürspan geschmückt ist, trägt er einen Schnurmantel. Mit der rechten Hand umfaßt er den Schwertgriff, und mit der linken hält er den Schild mit dem Wappen vor seinem linken Bein. Die untere Leiste fehlt, die obere und die rechte Leiste weisen starke Beschädigungen auf, und die linke Leiste ist so stark beschädigt, daß die Inschrift fast völlig ausgelöscht wurde. Als Worttrenner dienen halbkugelig vertiefte Punkte.
Ehemals vier Hexameter, leoninisch zweisilbig rein gereimt.
Der erste Vers ist ein leoninisch zweisilbig rein gereimter Hexameter, der zweite Vers ist unvollständig, dürfte aber ebenfalls einen Hexameter gebildet haben. Auf der abgetrennten unteren und der völlig abgearbeiteten linken Leiste hat sich mindestens ein weiterer Vers befunden.
Die Inschrift ist in einer noch nicht sehr entwickelten gotischen Majuskel geschrieben. Die Bogenschwellungen sind nur schwach ausgeprägt, und die Schäfte zeigen noch keine keilförmigen Verbreiterungen. Die Balken- und Schaftenden sind zum Teil mit kleinen dreieckigen Sporen versehen. C und E besitzen keine Abschlußstriche, und auch die übrigen Buchstaben lassen keine Abschließungstendenzen erkennen. Die Inschrift kennzeichnet ein Nebeneinander von unzialen, runden und kapitalen Formen. Das A erscheint sowohl in der pseudounzialen als auch in der kapitalen Form. Auch E, D, und T kommen in unzialer bzw. runder und kapitaler Form vor. N ist als runder und kapitaler Buchstabe vorhanden und unziales U wechselt mit V. Vergleichbare allgemeine Merkmale zeigt die Grabplatte für den 1279 verstorbenen Konrad Schenk von Erbach auf,2) die jedoch deutlich weniger unziale und runde Buchstaben aufweist. E. Wenzel ordnete 1918 die Ritterfigur in das 13. Jahrhundert ein. Aufgrund des Gewandes sah er eine Datierung ins frühe 13. Jahrhundert als möglich an. Doch aufgrund der Ähnlichkeit zu den Stifterfiguren im Naumburger Dom tendierte er vor allem wegen Details der Rüstung und der gesamten Ausführung der Figur zu einer Datierung in die Zeit zwischen 1260 und 1270.3) Für diesen Zeitraum sprach sich 1924 auch Gustav Andrè aus, der ebenfalls auf Vergleichsbeispiele im Naumburger und im Bamberger Dom hinwies.4) Zudem identifizierte er den Dargestellten mit dem Ritter Berthold von Creutzburg (Bertold de Cruceburch), dessen Siegel an einer Urkunde von 1267 das gleiche Steinbockshorn wie auf dem Wappen der Grabfigur zeigt.5) Durch die Zerstörung der linken Leiste ist es jedoch unmöglich, den Namen in der Inschrift zu rekonstruieren.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Inschrift
Umschrift
+ LEC[TO]R ◦ I[T/ER] TENDAS ◦ IV(L)II ◦ LUCENTE ◦ KALENDAS ◦
Q(UI)NTO MORS [IS]TV(M) ◦ STRAVIT P(RE)CE [.... / – – – / – – – /
– – – ] +
Übersetzung
Leser, lenke deinen Schritt hierhin. Am fünften Tag vor den Kalenden des Juli (27. Juni) streckte der Tod diesen nieder ...
Schrift
Nachweise
Fußnoten
Literatur
- Schößler, S., Das Kloster Kreuzberg, in: Mein Heimatland. Zeitschrift für Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Beilage der Hersfelder Zeitung 16 (1954/55), 11f., 111 (Abb.).
- Landeck, W. und A., Eine unbekannte Grabfigur aus dem 13. Jahrhundert in der Schloßkirche zu Philippsthal, in: Mein Heimatland. Zeitschrift für Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Beilage der Hersfelder Zeitung 38,8 (1998), S. 41–43, hier S. 42f. mit Abb.
- „Unbekannter Adliger 13. Jahrhundert, Philippsthal“, in: Grabdenkmäler (Stand: 3. 7. 2006, Bearb. Otto Volk, HLGL, u. Sebastian Scholz).
Bearbeitung
Siehe auch
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Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Historisches Ortslexikon
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Unbekannter Ritter 2. Dekade 13. Jahrhundert, Philippsthal“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2246_unbekannter-ritter-2-dekade-13-jahrhundert-philippsthal> (aufgerufen am 02.11.2026)
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