Johannes III. Marschall von Waldeck 1364, Lorch

Johannes III. Marschall von Waldeck 1364, Lorch
Standort
Gebäude / Areal
Lorch, Katholische Pfarrkirche St. Martin
Angaben zum Standort
Heute aufrecht an der Ostwand des Presberger Schiffes.
Heutiger Aufbewahrungsort
Merkmale
Datierung
5. Juni 1364
Typ
Material
Erhaltung
erhalten
Größe
138 x 272 cm (B x H)
Größe der Buchstaben
7 (A), 2,5 (B) cm
Beschreibung
Grabplatte mit der figürlichen Darstellung des gerüsteten Ritters unter einem mit Fialen versehenen, krabbenbesetzten und in eine Kreuzblume auslaufenden Kielbogen. Die flachreliefierte Standfigur trägt einen engen Waffenrock; die Hände ruhen am Schwertknauf und auf dem Wappenschild, den Kopf bedeckt die offene Spitzhaube, der an einer Kette befestigte Helm liegt über der Schulter. Die Füße stehen auf einem nach oben blickenden Hund. In den oberen Zwickeln und unten auf den Ecken je ein Wappen, das Familienwappen auf dem Panzer. Auf dem Plattenrand umlaufende Grabinschrift (A), am linken oberen Plattenrand sind zweizeilig und gegenläufig sechs Wörter eingehauen (B). Das Denkmal ist bis auf leichte Beschädigungen im Fußbereich gut erhalten.
Das Denkmal war für Klingelschmitt eines der frühesten Beispiele für die rolandsmäßige Auffassung der Rittergestalten am Mittelrhein.6) Im Motiv des breitbeinigen Stehens des Ritters zeigt sich die Waldeck-Platte der 1352 errichteten Deckplatte des Gegenkönigs Günther von Schwarzburg im Frankfurter Dom verwandt.7)
6) Klingelschmitt, Gotische Grabmäler.
7) Schaum-Benedum 27; vgl. Jessica Jaeckel-Badouin, Die Grabplatte Günthers von Schwarzburg im Frankfurter Domchor. In: AmrhKG 48 (1996) 91-108.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Enthaltene Wappen
Marschall von Waldeck; Marschall von Waldeck, (Brömser von ?) Rüdesheim (silbernes Schildhaupt über Blau);
Marschall von Waldeck; Waldeck, Marschall von; Brömser von Rüdesheim; Rüdesheim, Brömser von; Steinkallenfels; Stump von Waldeck; Waldeck, Stump von
Dargestellte Personen
Ritter Johannes III. Marschall von Waldeck.
Der Verstorbene entstammte dem Zweig der auf der Burg Waldeck im Wispertal ansässigen Ganerbengemeinschaft. Die Familie gehörte zu den Eorcher Rittergeschlechtern, die als Mainzer Ministerialen aufgestiegen waren; seit dem Ende des 13. Jahrhunderts hatten die Waldeck von Lorch das Mainzer Marschallamt inne und sind im Rheingauer Vizedominat sowie im Lorcher Schultheißenamt belegt.2) Die Eltern des Verstorbenen waren Johannes II. Marschall (+ 1353), 1319-52 Schultheiß von Lorch, 1350-52 Viztum, und dessen erste Ehefrau, die aus dem Hause Steinkallenfels stammte.3) Johannes III., der wie sein Vater 1354 das Rheingauer Viztumamt innehatte,4) war verheiratet mit Grede, Tochter Hartmuts d.Ä. von Kronberg. Ihre einzige Tochter wurde 1372 Nonne. Die aufgeführten Wappen zeigen unten links dasjenige der Großmutter aus dem Hause (Brömser ?) von Rüdesheim, rechts oben das mütterliche Wappen Steinkallenfels und rechts unten ungewöhnlicherweise das Wappen des Stiefgroßvaters Emmerich bzw. das der Stiefmutter des Verstorbenen, Hebela aus der Linie der Wale von Waldeck. Der in Inschrift (B) genannte Johannes dürfte vielleicht der gleichnamige Sohn aus der zweiten Ehe des Johann II. Marschall mit dieser Hebela sein - und damit der Halbbruder des Verstorbenen -, nämlich Johann I. Sooneck von Waldeck gen. von Lorch (+ 1404). Dieser war 1368-1402 Schultheiß zu Lorch.5)
2)#Möller, Stammtafeln AF 1113; seine Genealogie wurde durch Neufunde modifiziert, vgl. Klötzer, Lehenverzeichnis 29 (Stammtafel).
3)#In zweiter Ehe heiratete dieser Johannes um 1340 Hebela, Tochter des Emmerich Wale von Waldeck, die ihm vier Kinder schenkte und 1401 im Kloster Disibodenberg an der Nahe bestattet wurde, vgl. zu ihrer erhaltenen Grabplatte DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 101.
4)#Vgl. Witte 229 Nr. 31.
5) Vgl. die Genealogie bei Klötzer, Lehenverzeichnis 29.
Inschrift
Umschrift
A + ANNO · D(OMI)NI · M · CCC · LXIIII / O(BIIT) · JOHANNES · MARSCHAL-C(VS) · MILES · DE · WALDECKE · IP(S)O / DIE · BO[NIF]ACII / E(PISCO)PI CVI(VS) A(N)I(M)A · REQ(VI)ESCAT · I(N) PACE · AMEN ·
B ioh(ann)es · nat(us) · sh(ul)ttis · iac(et) · h(ic) · / t[ . . . ] /
Schrift
Nachweise
Literatur
- Helwich, Syntagma 298
- Würdtweinsche Epitaphiensammlung H. 10 Bl. 6
- Zaun, Landkapitel 325 Nr. 12
- Roth, Geschichtsquellen III 303
- Kdm. 255 Nr. l mit Abb. 633
- Schaum-Benedum 189
- Struppmann, Chronik Lorch 96 mit Abb. 3.
Bearbeitung
Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees (Die Deutschen Inschriften 43), 1997, S. 91 f., Nr. 97.
Siehe auch
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Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Historisches Ortslexikon
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Johannes III. Marschall von Waldeck 1364, Lorch“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/1834_johannes-iii-marschall-von-waldeck-1364-lorch> (aufgerufen am 02.11.2026)
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