Kleinensee

Dorf · 237 m über NN  
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

19 km südöstlich von Rotenburg an der Fulda

Lage und Verkehrslage

Kleines geschlossenes Dorf mit regelhaftem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung am Fuß eines östlichen Ausläufers des Seulingswaldes, bis auf den Südwesten der Gemarkung vollständig von der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen umgeben. Kirche und ehemaliger Gutshof „Am Hopfenberg“ in zentraler Lage. Durch den Ort verläuft als abknickende Hauptachse die Thüringer Straße (L 3255). Jüngere regelhafte Siedlungsausdehnung nach Norden, Südosten und Südwesten.

Ersterwähnung

1437

Siedlungsentwicklung

Rund 0,9 km südlich der Ortsmitte von Kleinensee fanden sich im Quellgebiet eines kleinen, nach Nordnordosten zur Suhl fließenden Baches, Hinweise auf eine Wüstung in der Gemarkung, der bislang kein Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnte.
Ausgangspunkt der Siedlung ist das Gut "Am Hopfenberg" neben der Kirche.
Kleinensee lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze, abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.

Historische Namensformen

Bezeichnung der Siedlung

  • Dorf (1537, 1556)
  • Dorf, Dorfschaft

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung

Umlegung der Flur

1874-75

Älteste Gemarkungskarte

1737

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3568762, 5644172
UTM: 32 U 568660 5642354
WGS84: 50.928728° N, 9.977007° O

Statistik

Ortskennziffer

632009040

Flächennutzungsstatistik

  • 1885 (Hektar): 347, davon 187 Acker (= 53.89 %), 42 Wiesen (= 12.10 %), 74 Holzungen (= 21.33 %)
  • 1961 (Hektar): 346, davon 66 Wald (= 19.08 %)

Einwohnerstatistik

  • 1706: 27 Untertanen
  • 1747: 43 Haushaltungen (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
  • 1770: 45 steuerpflichtige Häuser mit 197 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Wagner und Tagelöhner, 1 Schmied, 1 Schmied und Tagelöhner, 2 Drechsler, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Absatzmacher, 1 Strumpfstricker, 9 Leinweber, 8 Tagelöhner, 1 Kohlenbrenner, 5 Spinnerinnen und ernähren sich mehrenteils von ihrem Ackerbau
  • 1885: 347, davon 346 evangelisch (= 99.71 %), 1 katholisch (= 0.29 %)
  • 1961: 826, davon 751 evangelisch (= 90.92 %), 67 katholisch (= 8.11 %)
  • 1970: 795

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • 1480-1733: Herzogtum Sachsen-Eisenach, Amt Gerstungen
  • 1733: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald, Unteramt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Friedewald
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis

Hersfeld

Gemeindeentwicklung

Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Heringen (Werra) eingegliedert.

Gericht

  • 1822: Justizamt Friedewald
  • 1867: Amtsgericht Friedewald
  • 1879: Amtsgericht Friedewald
  • vor 1945: Amtsgericht Friedewald
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft

  • 1437 überträgt Margarete von Heringen, Witwe des seligen Kurt von Heringen ihrem Schwager Kurt von Romrod dem Älteren, wohnhaft zu Wenigentaft, ihr ererbtes Gut daselbst, der Hopfenberg genannt, mit allem Zubehör samt dem Anteil der Äbtissin und des Konvents zu Kreuzberg. Zuvor sei dieses Gut schon an die Romerod von Wildecke teilweise versetzt gewesen.
  • Kleinensee lag an der Grenze zwischen dem hessichen Amt Friedwald und dem sächsischen Amt Gerstungen und war im 16. Jahrhundert Gegenstand längerer Verhandlungen. 1562 wurde eine Regelung getroffen, die rund 170 Jahre Bestand haben sollte und das Dorf Kleinensee Sachsen zuschlug. Den Landgrafen verblieb nur die Gerichtsbarkeit über den See und zwei Fischerhäuser am Kleinen See. 1733 wird Kleinensee Hessen von Sachsen-Eisenach im Austausch überlassen.
  • 1733 wird Kleinensee Hessen von Sachsen-Eisenach im Austausch überlassen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer

  • Ab 1590 ist das Fischergut zu Kleinensee hessisches Lehen der v. Boyneburg. Es gelangt im 17. Jahrhundert an den Hessischen Vizekanzler Hermann von Vultee und gibt es im 18. Jahrhundert Anlass zu Streitigkeiten.

Kirche und Religion

Ortskirchen

  • 1556 ist bereits eine Kirche in einer Architekturzeichnung zu erkennen, ebenso 1737 in der Spezifikation aller zum kgl. fürstl. hessischen Fischergut zu Kleinensee gehörigen Stücke.
  • Die heutige Kirche wird als schlichter klassizistischer Salbau mit Giebeldachreiter 1839/40 errichtet und 1925 renoviert.

Pfarrzugehörigkeit

Bis 1604 nach Dankmarshausen eingepfarrt, in der Folge, noch 1770 und 1872, Filial davon, später bis 1958 zu Obersuhl, in diesem Jahr dann Errichtung einer eigenen Pfarrstelle Widdershausen mit den Fililagemeinden Kleinensee und Leimbach.

Patronat

1770 Herzogin von Sachsen-Eisenach

Bekenntniswechsel

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kultur

Schulen

1770 ist ein Schulhaus vorhanden
1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Kleinensee, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3250_kleinensee> (aufgerufen am 01.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/3250