Friedewald

Die Lage von Friedewald im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
11 km ostnordöstlich von Bad Hersfeld
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundissmerkmalen im Grenzbereich zwischen der Kuppenrhön und Seulingswald, nördlich unterhalb des Dreienbergs. Kern der Siedlung sind die Burg Friedewald und eine dicht daran angrenzende Kirche am Südrand. Hauptachse ist die den Ort im Zuge der alten Handelsroute ursprünglich durchziehende Landstraße von Hersfeld über Vacha nach Thüringen (B 62, heute Umgehungsstraße). Nördlich der Ortslage verläuft die Bundesautobahn A4 mit Anschlußstelle Friedewald. Außerdem ist Friedewald über die Landesstraßen L3069 und L3255 und die Kreisstraßen K12 und K13 an das Straßenverkehrsnetz angeschlossen. Jüngere regelhafte Siedlungsausdehnung nach Nordosten in Richtung Gewerbegebiet
Ersterwähnung
1312
Siedlungsentwicklung
Im Bereich der Gemarkung von Friedewald befanden sich Wüstungen, denen bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten.
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen der aufgelösten Gutsbezirke Forst Friedewald und Forst Hersfeld-Meckbach.
Vorbemerkung Historische Namensformen
Die frühen Belege beziehen sich auf die Burg Friedewald bzw. das Amt
Historische Namensformen
- Fridewald (1312) [Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 148]
- Vridewalt (1317) [Schreibweise nach Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 148; HStAM Best. Urk. 13 Nr. 5790]
- Friedewald (1323) [HStAM Best. Urk. 13 Nr. 1768]
- Friedewalt, zu (1429) [Schellhase, Territorialgeschichte, S. 89 mit Anm. 41)
- Frydewalt (1464/65) [F.J. Bendel, Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter, 2 H. 2, 1934, S. I-XXX, 1-46, hier S. 17 (Digitalisat]
- Friddewalt (1476) [Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 25]
- Fridtwaldt; Friddwaldt (1553) [HStAM S Nr. 318 (Friedewalder Salbuch), Bl. 49]
- Friedewaldt (1585) [Der ökonomische Staat, S. 80]
- Friedewalt (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Friedewald (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
- Friedewald (1771) [HStAM Best. 49 d Hersfeld Nr. 65]
Bezeichnung der Siedlung
- Burg (1312)
- Dorf (1429, 1553)
- Marktflecken und Amtsort (1771)
- Flecken (1807)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Dreienburg
- Einsiedel
- Friedewald, Burg
- Hamundeseiche
- Heiligenmühle
- Hermannshof (Rote Mühle)
- Hirschstall
- Kodenbach
- Lingenbach
- Lucharterode
- Luteruns
- Lütters
- Nadelöhr
- Riffelrode
- Russenrodt
- Sankt Anna
- Tiefe Hohle
- Weißenborn
- Wolfsthal
- Wundorf
- Dreienburg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Friedewald, Burg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Umlegung der Flur
1894, 1947-49, 1968
Älteste Gemarkungskarte
1710
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3560506, 5639003
UTM: 32 U 560408 5637187
WGS84: 50.883193° N, 9.858734° O
Statistik
Ortskennziffer
632006010
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 864, davon 584 Acker (= 67.59 %), 191 Wiesen (= 22.11 %), 5 Holzungen (= 0.58 %)
- 1961 (Hektar): 2825, davon 1933 Wald (= 68.42 %)
Einwohnerstatistik
- 1585: 51 Haushaltungen (Der ökonomische Staat, S. 80)
- 1747: 96 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1771: 118 steuerpflichtige Häuser mit 696 Menschen; Gewerbetreibende: 3 Wirte, 3 Krämer, 1 Schlosser, 4 Schmiede, 1 Schnallenmacher, 3 Zimmerleute, 4 Schreiner, 1 Orgelmacher, 2 Wagner, 1 Faßbinder, 1 Fenstermacher, 2 Knopfdreher, 2 Schuhmacher, 7 Schneider, 5 Leinweber, 2 Maurer, 1 Bäcker, 15 Tagelöhner, 3 Kalkbrenner, 20 Tagelöhnerinnen, 12 Invaliden, 1 Feldscherer, 3 Müller
- 1885: 1130, davon 1119 evangelisch (= 99.03 %), 9 katholisch (= 0.80 %), 2 Juden (= 0.18 %)
- 1961: 1581, davon 1325 evangelisch (= 83.81 %), 225 katholisch (= 14.23 %)
- 1970: 1786
- 1981: 2465 (mit Ortsteilen)
- 2003: 2447 (mit Ortsteilen)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1345/1372: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
- 1401: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
- 1553: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Friedewald, Gerichtsstuhl Friedewald
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Friedewald
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hersfeld
Gemeindeentwicklung
Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinden Friedewald, Hillartshausen und Lautenhausen in die neue Gemeinde Friedewald. Zu deren Entwicklung s. Friedewald, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Friedewald.
Gericht
- 1734: Richtstätte des Amtes Friedewald ca. 1,5 km westlich von Friedewald im Bereich der Fluren Galgenfeld, Bei der Galgenpforte [HStAM Bestand Karten Nr. P II 21]
- Friedewald (s. u. Verwaltungsbezirk)
- 1822: Justizamt Friedewald
- 1867: Amtsgericht Friedewald
- 1879: Amtsgericht Friedewald
- vor 1945: Amtsgericht Friedewald
- 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld
Herrschaft
- Die Herrschaft des Dorfes ist durch die unmittelbare Zugehörigkeit zur Burg und zum Amt Friedewald gekennzeichnet. Die Landgrafen von Hessen versuchen seit dem 15. Jahrhundert von hier aus, ihre Herrschaft im Grenzraum gegen die Abtei Hersfeld auszudehnen. 1553 ist das Dorf Friedewald mit aller Obrigkeit, Gericht, Gebott und Verpott, Dienst und Schaaffdrifft landgräflich, 1771 ebenso.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1312 wurde zuerst die Burg Friedewald genannt, die landgräfliches Lehen vom Kloster Hersfeld war. (Schellhase, Territorialgeschichte, S. 86).
- Sie war mehrfach verpfändet, aber 1361 wieder in hessischem Besitz.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Kirche 1634 niedergebrannt, 1654-56 wiedererrichtet, 1746 als barocker Saalbau errichtet, 1865 nach Brand repariert 1957 renoviert
Pfarrzugehörigkeit
1771 Mutterkirche, in die eingepfarrt sind Herfa und Lautenhausen sowie die dazu gehörigen Höfe Lo ches, Weissenborg neben der Heiligen und der Rothen Mühle. 1994 Mutterkirche mit Lautenhausen, Hillartshausen und Motzfeld sind Filialgemeinden
Patronat
1553 und 1585 landgräflich
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Adolarius Dörrbecker ca. 1530-1541, war auch als Schreiber für Landgraf Philipp tätig
Kirchliche Mittelbehörden
1464/65: Bistum Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa
Kultur
Schulen
1771 sind Schulhaus und -diener vorhanden
1910 Volksschule mit drei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mittelpunktfunktion
Zum Amt Friedewald gehörten 1401 die Dörfer Ausbach und Herfa sowie die Wüstungen Richolferode, Weißenborn und Wundorf. 1431 wurde das Dorf Friedewald an Stelle Herfas genannt (GR Friedewald). 1585 gehörten zum Gericht Friedewald die Dörfer und Höfe Friedewald, Ausbach, Herfa, Lautenhausen, Neuenrode und Weißenborn. Sie bildeten das Oberamt, während das Gericht Heringen das Unteramt genannt wurde (Reimer).
Mühlen
1771 werden die Heilige, die Rothe und die Ziehbachsmühle genannt
Zoll
Zoll wird 1553 erwähnt
Nachweise
Literatur
- Helmut Derr, Die ehemalige Hinrichtungsstätte des Amtes Friedewald, Mein Heimatland, Band 47 (2008), S. 11-12
- Schellhase, Territorialgeschichte
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 313 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 148 (Flecken und Amt)
- Fundberichte aus Hessen, 26. Jahrgang, 1986, S. 520 (Klaus Sippel), 31. Jahrgang, 1991 (2), S. 433-436 (Klaus Sippel), 36. Jahrgang, 1996 (2), S. 404 (Klaus Sippel)
- Knappe, Burgen in Hessen, S. 181
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 233-260 (Ortsteil S. 235-248)
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 61, 497
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Friedewald, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3010_friedewald> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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