Nieder-Eschbach

Die Lage von Nieder-Eschbach im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
10 km nördlich von Frankfurt am Main
Lage und Verkehrslage
Geschlossene Siedlung westlich des Eschbachs mit Ortskirche in zentraler Lage. Moderne Siedlung im Südwesten.
Ersterwähnung
772
Siedlungsentwicklung
Römischer Gutshof nordwestlich der Autobahn A 5 am Rande der Gemarkung Nieder-Eschbach.
Historische Namensformen
- Aschebach
- Aschenbach
- Ascobach (772-855) [Kop. 2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2983, 3327-3360, 3660a]
- Askebach (1048) [MGH Diplomata Könige 5, Heinrich III. : Bresslau, Nr. 210, S. 279-280]. Vgl. Ober-Eschbach
- inferior Eschebach (1250/60) [Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 78, 108]
- Eschbach (1248/49) [Erhard, Heberolle, S. 13]
- Aschebach (1278) [Nassauisches Urkundenbuch 1,2, S. 558-559, Nr. 935]
- Eschebach inferior (1288) [Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt 1, Nr. 558, S. 269]
Bezeichnung der Siedlung
- villa (772-821) [Kop. 2. Hälfte XII Codex Laureshamensis III Nr. 3327-3360];
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3476702, 5562834
UTM: 32 U 476637 5561049
WGS84: 50.201164° N, 8.672631° O
Statistik
Ortskennziffer
412000450
Frühere Ortskennziffer
412000845
Flächennutzungsstatistik
- 1854 (Morgen): 3120, davon 2230 Acker, 207 Wiesen, 577 Wald
- 1961 (Hektar): 782, davon 149 Wald (= 19.05 %)
Einwohnerstatistik
- 1834: 627
- 1840: 626
- 1846: 650
- 1852: 707
- 1858: 706
- 1864: 590
- 1871: 608
- 1875: 626
- 1885: 661
- 1895: 684
- 1905: 775
- 1910: 819
- 1925: 1022
- 1939: 1376
- 1946: 1963
- 1950: 2117
- 1956: 2556
- 1961: 3123, davon 1708 evangelisch (= 54.69 %), 1279 katholisch (= 40.95 %)
- 1970: 6435
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 772-821: in pago Nitachgovve (Niddagau)
- 1048: in pago Vvedereibo (Wettereiba)
- 1378: Herrschaft Königstein
- 1419: Herrschaft Eppstein-Königstein
- 1433: Herrschaft Eppstein
- 1535: Grafen von Stolberg
- 1578: Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Rodheim
- 1736: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Rodheim
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Rodheim
- 1806/7-10: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Rodheim (Militärverwaltung)
- 1810: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Rodheim
- 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Vilbel
- 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vilbel
- 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg
- 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
- 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vilbel
- 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg
- 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Friedberg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Friedberg
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
Altkreis
Friedberg
Gemeindeentwicklung
Am 1.8.1972 Eingemeindung zur Stadt Frankfurt (Main).
Gericht
- 1433: Landgericht Eppstein, Grafschaft Ursel-Stulen (zu Königstein)
- 1535: Halsgericht Stulen
- 1821: Landgericht Groß-Karben
- 1853: Landgericht Vilbel
- 1879: Amtsgericht Vilbel
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- Zwischen 772 und 855 erhält Kloster Lorsch mehrere Privatschenkungen in Eschbach. 1048 schenkt Kaiser Heinrich III. seinem ritterlichen Ministerialen Swigger eine Besitzung in Erlenbach und Eschbach in der Wetterau mit allem Zubhör, aber mit Ausnahme von zwei Hörigen und deren Besitz.
- Im 13. Jahrhundert gehörte die villa Eschbach (gemeint ist vermutlich Nieder-Eschbach) nach der Mainzer Heberolle dem Mainzer Erzstift, von dem sie an die Herren von Eppstein gelangte. 1278 mußten diese alle Einkünfte, die Gerhard III. dort hatte, an Erzbischof Werner zurückgeben. 1378 gehörten Dienste und Rechte in Nieder-Eschbach zur Falkensteiner Burg Königstein. 1433 fiel Nieder-Eschbach an Eberhard von Eppstein, 1535 an die Grafen von Stolberg. 1578 Verpfändung durch Graf Christoph von Stolberg an die Grafen von Hanau-Münzenberg, die Niedereschbach wenig später endgültig erwerben. 1736 fällt Nieder-Eschbach an Hessen-Kassel.
- Grundherrlichen Besitz hatten in Nieder-Eschbach ferner der Deutsche Orden (nachweislich seit 1288), das Mainzer Domkapitel (im 15. Jahrhundert) und die Familie Glauburg.
Zehntverhältnisse
1206 besitzt die Familie des Eberhard Waro von Hagen ein Dritteil des Zehnten zu Eschbach (möglicherweise ist Ober-Eschbach gemeint)
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Nach Kleinfeldt, Kirchenorganisation, S. 68 Anm. 1, ist der Hinweis auf eine Lambertuskirche zum Jahr 774 in Aschenbach [Kop. 2. Hälfte XII Codex Laureshamensis III Nr. 3334] auf Eschborn zu beziehen.
- 1313: Pfarrei
- 1617/18: Kirchenneubau
Patronat
Der Erzbischof von Mainz verfügt 1364 über das Patronatsrecht, das zeitweise an die von Glimmental ausgetan ist. Um 1465 und in der Folge ist es wieder im Besitz der Erzbischöfe von Mainz.
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation: 1536 Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Johannes Ulmersbach 1591-1593 Reformierter Bekenntniswechsel: 1596 1659 Recht auf freie Religionsausübung für die lutherischen Bewohner, 1672 erster lutherischer Gottesdienst, seit 1704 von Rodheim versehen. Seit 1823 unierte Pfarrei.
Kirchliche Mittelbehörden
Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn
Kultur
Schulen
1596: Ersterwähnung einer Schule; 1910 Volksschule mit zwei Klassen, Schulsaal im Rathaus
Wirtschaft
Mühlen
Am Eschbach am Rande der alten Ortsgemarkung befanden sich zwei Mühlen (eine als Untermühle bezeichnet).
Nachweise
Literatur
- Bach, Siedlungsnamen, S. 43
- Kleinfeldt, Kirchenorganisation, S. 71
- Historisches Ortsverzeichnis Großherzogtum und Volksstaat Hessen, S. 153
- Stamm, Herrschaft Königstein, S. 53
- Löffler, Herren von Falkenstein, Bd. 1 S. 268, 374
- Keunecke, Münzenberger, S. 284
- Denkmaltopographie Stadt Frankfurt am Main, S. 640-643
- Rothammel, Nieder-Eschbach
- Schäfer, Herren von Eppstein, S. 414, 420-422, 425
- Cremer, Regierungsbezirk Darmstadt, S. 309
- Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die acquirierten Lande und die verlorenen Gebiete, S. 39, 49f.
- Krapp, Hessische Schulstatistik, S. 207
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Nieder-Eschbach, Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/11740_nieder-eschbach> (aufgerufen am 15.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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