Gelnhäuser, Hindchen (1693) – Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof

Grab Nr. 26  
19378F4F-88AF-441E-BC79-64A0466C0DEA
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Äußere Merkmale

Material und Größe

Kalkstein · 62 x 108 x 9 cm

Platzierung

stehend

Beschreibung

Darstellung: unter einem Kranz zwei aufgerichtete Löwen, die zwei Blüten halten.

Inschrift

Sprache der Vorderseite

hebräisch

Text


ותצא מן המקום יציאת
עשת רושם פנה זיוה והו
דה כאחלמה ולשם דקד
קה במצות בשורשם כפי'
פרשה לעני יאהלו שם
היקרה מ' הינדכין בת כ'
הר"ר משה סג"להייזר ז"ל
נעדרת במש"ק ונקברת
יום א' י"ב אלול תג"ן לפ"ק
ת' נ' צ' ב' ה'

Vorderseite

(Übersetzung der hebräischen Inschrift:)

'Und sie ging aus von dem Ort'1
(und) er machte ein Kennzeichen; ihr Glanz und ihre Majestät, die
einem Amethyst glichen, wendeten sich. Und zu (Ehren) des Herrn war sie
sehr genau in der Ausübung der Gebote. Ihre Hände
reichte sie den Armen des jüdischen Volkes.
Die Geachtete, Frau Hindchen, Tochter des ehrwürdigen
Herrn Mosche Sg"L Heiser sel. A.
Sie entschwand am Ausgang des heiligen Schabbat und wurde begraben
am Sonntag, 12. Elul 453 n.d.k.Z. (= gest. 12.09.1693).
Ihre Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.
-----------
1Ruth 1,7

Verstorbene

  1. Gelnhäuser, Hindchen
    Sterbetag
    12.9.1693
    Geschlecht
    weiblich
    Familienstand
    unbekannt
    Herkunftsort
    Frankfurt am Main
    Wohnort
    Wetzlar

Nachweise

Anmerkungen

Laut Grabstein:
Hindchen, Tochter des Herrn Mosche Sg"L Heiser sel. A., gestorben am 12.09.1693.
----------------------------------
Weiterführende Angaben:
In der Grabsteininschrift liegt offenbar ein Fehler vor. Statt Sg“L Heiser müsste es korrekt Sg“L Gelheiser heißen. Nur dann lässt sich die Verstorbene identifizieren.
Es handelt sich um die 1684 bezeugte Hindge, Tochter des Moses Gel(n)häuser zu Frankfurt, die zuvor mit Moses von Wertheim einen Ehevertrag geschlossen hatte, der 1684 durch vier Rabbiner wieder aufgehoben wurde, nachdem Moses von Wertheim erfahren hatte, dass Moses Gelnhäuser in Mannheim mit Ruten ausgestrichen worden war, und auf Scheidung geklagt hatte.
Ob Hindchen anschließend einen Mann aus Wetzlar heiratete oder aufgrund anderer verwandtschaftlicher Verbindungen nach Wetzlar kam, ist ungewiss. Ihr Bruder Beifuß Moses bzw. Gelnhäuser lebte jedenfalls zeitweise in Wetzlar [vgl. Text zu Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof, Stein Nr. 3]. Ebenso dürfte sie sicherlich mit dem 1757 verstorbenen Samuel Gelnhäuser (Gelhäuser), [Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof, Stein Nr. 49] verwandt gewesen sein.
Ihr Vater Moses Gelnhäuser – mit Synagogalname: Mosche, Sohn des Schmuel ha-Levi – starb am 15.06.1692 in Frankfurt und wurde auf dem dortigen Friedhof an der heutigen Battonstraße beerdigt. Sein Grabstein ist erhalten; vgl. epidat. Er lebte im Haus zur Stege. Verheiratet war er mit Freidle, einer Tochter des Vorstehers Jechiel, die am 16.06.1695 in Frankfurt starb. Ihr Grabstein ist ebenfalls erhalten; vgl. epidat.


(Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Bestand H.15.07, Nr. 1017, Regest in Arcinsys; Shlomo Ettlinger: Ele Toldot, Blatt „15.VI.1692“, verwahrt im Leo Baeck Institute New York, Signatur AR 5241)

Bearbeitung

Christa Wiesner, 1993, und Andreas Schmidt (Wettenberg), 2026

Bildnachweise

Bildarchiv Foto Marburg, B 18308/12, 1991

Nachnutzung

Rechtehinweise

Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Gelnhäuser, Hindchen (1693) – Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof“, in: Jüdische Grabstätten <https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/19226_gelnhaeuser-hindchen-1693-wetzlar-alter-juedischer-friedhof> (aufgerufen am 07.07.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19226