Zur weißen Rose, Mamel, geborene NN (1722) – Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof

Grab Nr. 3  
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Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Äußere Merkmale

Material und Größe

Kalkstein · 55 x 98 x 10 cm

Platzierung

stehend

Inschrift

Sprache der Vorderseite

hebräisch

Text


פ"ט
האשה ישרה והגונה גומלת חסד
לכל ועוזרת לעניים ודלים מהונה
השכימה והעריבה לבה''כ1 ל
להתפלל וכל דרכיה היה באמונה
אשה צנועה מאמלה בת
ברוך הכהן זצ"ל נפטרת ונקברת
ביום ה' ערב שבועות תפ"ב לפ"ק
ת' נ' צ' ב' ה' ע"נ שצ''ו2 שבגן עדן
אמן
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1 לבית הכנסת
2 עם נשמת שאר צדיקים וצדקניות

Vorderseite

(Übersetzung der hebräischen Inschrift:)

Hier ruht
die rechtschaffene und brave Frau, Nächstenliebe (übte sie)
bei allen. Mit ihrem Vermögen unterstützte sie die Armen und Bedürftigen.
Frühmorgens und abends ging sie ins Bethaus,
um zu beten, und alle ihre Pfade waren in Redlichkeit.
Eine bescheidene Frau: Mamle, Tochter des
Baruch ha-Kohen, das Andenken des Gerechten zum Segen. Sie starb und wurde begraben
am Donnerstag, Rüsttag von Schawuoth, 482 n.d.k.Z. (= 21.05.1722).
Ihre Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens mit den Seelen der anderen gerechten Frauen und Männern, die im Garten Eden (sind),
Amen

Verstorbene

  1. Zur weißen Rose, Mamel, geborene NN
    Sterbetag
    21.5.1722
    Geschlecht
    weiblich
    Familienstand
    verwitwet
    Herkunftsort
    Mainz
    Wohnort
    Wetzlar
    Sterbeort
    Wetzlar

Nachweise

Anmerkungen

Laut Grabstein:
Mamle, Tochter des Baruch ha-Kohen sel. A., gestorben am 21.05.1722.
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Weiterführende Angaben:
Bei der Verstorbenen handelt es sich um die 1701 genannte Witwe Mamel des Meyer zur weißen Rose (=Hausname) aus Frankfurt. Sie lebte 1701/02 in Braunfels, dann in Wetzlar. 1703 unterschrieb sie in Hebräisch Mamlen, Tochter des Boruch ha-Kohen sel. A., Menz, stammte also wohl aus Mainz. Das von ihr benutzte Siegel zeigte 1703 zwei gekreuzte Schlüssel im Schild und die Initialen I R, deren Bedeutung unklar sind.
Ihr Ehemann wird auch als Meyer Deutz genannt. Er war ein Sohn des Vorstehers David Deutz im Frankfurter Haus zum Kranich (Krannich). 1679 musste er in Frankfurt bankrott anmelden und lebte später seit 1693 in Wetzlar. 1694 verurteilte ihn die Stadt Frankfurt als Münzverbrecher und kündigte ihm und seiner Familie die Stättigkeit. Sein Hab und Gut wurde konfisziert und ihm angedroht, er werde der Halsgerichtsordnung überantwortet, sobald man seiner habhaft werde.
Sein Siegel zeigte 1687 einen aufgerichteten Löwen mit einer Rose in den Pranken und die Initialen M Z W R (=Meyer zur weißen Rose). Er lebte im Juli 1700 noch in Braunfels, muss aber bald darauf verstorben sein.
Vor Mamel war er mit einer Frau namens Hündgen (=Hindchen) verheiratet, die 1679, 1686 und 1687 als Ehefrau erwähnt wird und kurz vor dem 12.11.1693 starb.


In Wetzlar lebte zeitweise auch Mamels Stiefschwiegersohn (der Schwiegersohn ihres verstorbenen Mannes), nämlich Beifuß Moses, auch Feybus Moyses und Beifuß Gel(n)häuser genannt. 1698 schwor er – gebürtig aus Frankfurt, damals 34 Jahre alt und seit 2 Jahren in Wetzlar wohnhaft – den in der Wetzlarer Judenstättigkeit von 1626 enthaltenen Eid. Er unterschrieb 1701 in Hebräisch mit Uri Feibesch Gelheiser und hatte in Wetzlar Schutz. 1703 siegelte er mit einer (Leviten-)Kanne im Schild und den Initialen B M (=Beifuß Moses). An seiner Stelle wurde 1705 ein anderer Jude in den Schutz nach Wetzlar aufgenommen. Danach findet sich Beifuß Moses/Gelnhäuser als Einwohner von Leutesdorf am Rhein. Nach seinem Grabstein, der sich auf dem jüdischen Friedhof im Wald bei Hammerstein erhalten hat, hieß er mit vollständigem Synagogalnamen Uri Aharon Jehonathan, Sohn des Mosche ha-Levi, und starb am 26.06.1713. Die Inschrift rühmt ihn als vornehmen Thoragelehrten.
Er war ein Bruder der Hindchen Gelnhäuser [Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof, Stein Nr. 26].


(Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 1, Nrn. 3082, 3085 und 3104; ebenda, Abteilung 126, Nr. 537; Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Bestand H.15.06, Nr. 50; Kasper-Holtkotte, Cilli: Die Jüdische Gemeinde Frankfurt/Main in der frühen Neuzeit, S. 81, 307 und 563; Shlomo Ettlinger: Ele Toldot, Blatt „um 1713“, verwahrt im Leo Baeck Institute New York, Signatur AR 5241)

Bearbeitung

Christa Wiesner, 1993, und Andreas Schmidt (Wettenberg), 2026

Nachnutzung

Rechtehinweise

Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Zur weißen Rose, Mamel, geborene NN (1722) – Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof“, in: Jüdische Grabstätten <https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/19205_zur-weissen-rose-mamel-geborene-nn-1722-wetzlar-alter-juedischer-friedhof> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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