Henneberg-Schleusingen, Johann III. Graf von

Henneberg-Schleusingen, Johann III. Graf von
Andere Namen
Weitere Namen
Ioannes
Iohannes
Fulda, Koadjutor Johann von Henneberg-Schleusingen
Buchen, Fürst Johann von Henneberg-Schleusingen in
Fulda, Abt Johann III. von Henneberg-Schleusingen
Wirken
Werdegang
- Geburt als ältestes überlebendes Kind Graf Wilhelms IV. von Henneberg-Schleusingen in der Residenz seiner fränkischen Familie zu Schleusingen (heute Südthüringen)
- bei der Taufe wenige Tage später war sein Großonkel Johann II. von Henneberg-Schleusingen Pate
- bis 1516 schon als Knabe Studium zunächst in Bamberg und dann an der Universität Mainz
- 1516 Johann wurde mit nur 13 Jahren zum Rektor der Universität Heidelberg am Neckar gewählt, was natürlich de facto eher eine gut dotierte Versorgungsstelle war
- 1516 Domherr in Straßburg
- 1517: Johann brachte es inzwischen auch zum Domherrn in Mainz
- 1518 nun avancierte er noch zum Domherrn in Köln und wenig später auch in Bamberg
- 1518: Johann setzte seine Studien in der französischen Hauptstadt Paris fort.
- 30.4.1521: Auf dem Wormser Reichstag erreichte Hartmann (II.) Burggraf von Kirchberg nur noch, dass ihm unter Verzicht auf jegliche Regierungsgewalt neben einer einmaligen Abfindung und jährlichen Pension der Titel eines Abtes von Fulda belassen wurde. Die Regierung aber übertrug Kaiser Karl V. Johann als Koadjutor
- 18.-22.4.1525 man nötigte ihn im Bauernkrieg, unter Verzicht auf seine geistliche Herrschaft den Titel eines „Fürsten in Buchen“ anzunehmen
- Sommer 1525: Der Einmarsch der fuldischen Bauernhaufen in Hersfeld bot dem Landgrafen aufgrund seiner Schirmvogtei über die Abtei Hersfeld eine gute Gelegenheit, auch gleich nach Fulda zu ziehen. Dort wollte er nicht nur die Rädelsführer bestrafen, sondern außerdem Abt und Stift nach Hersfelder Muster in seine Abhängigkeit bringen. Daher verlangte Philipp neben 19.000 Gulden Kriegskosten und der Erfüllung anderer Bedingungen auch die erbliche Dienstbarkeit gegenüber Hessen. Und tatsächlich besiegelte der Koadjutor den Vertrag.
- 1526: Landgraf Philipp bestand auf dem Vollzug seines Vertrages aus dem Vorjahr und besetzte zur Erreichung seines Ziels die in seiner Reichweite liegenden Städte Fulda und Hünfeld im fuldischen Norden.
- 1526: Daraufhin klagte der Koadjutor den Landgrafen auf dem Reichstag in Speyer an, den kaiserlichen Landfrieden gebrochen zu haben.
- 1529: Die Wiedertäuferbewegung machte sich auch in einigen Orten des Hochstifts Fulda bemerkbar, wogegen der Koadjutor Johann sofort selbst einschritt
- 20.1.1531 Das Kapitel des Stifts Fulda musste den Johann schließlich in einem Vertrag zwingen, am 24.2. Profess abzulegen und das Ordensgewand anzulegen. Andernfalls sollte das Kapitel das Recht haben, einen anderen zum Abt zu wählen.
- 24.2.1531: Daraufhin ließ sich Johann tatsächlich herbei, Profess abzulegen.
- 27.2.1531: Drei Tage später folgte seine Abtswahl (gezählt als Johann III.).
- 23.8.1532: Erst nach 1 ½ Jahren folgte die Bestätigung der Kür durch Papst Clemens VII.
- Herbst 1532: Johann III. empfing in Fulda seine Abtsweihe durch seinen Vetter mütterlicherseits, den Mainzer Erzbischof-Kardinal Albrecht von Brandenburg.
- 1535: Obwohl Johann III. aufgrund seines teils laschen Vorgehens gegen die religiöse Neuerung weiter Zweifel an seiner Treue zum Katholizismus hegte, ließ er nun als Beleg seiner altgläubigen Gesinnung nicht nur eine neue große Orgel für die Fuldaer Stiftskirche erbauen, sondern auch deren Hauptaltar über dem Bonifatiusgrab mit Edelsteinen und Brokat versehen sowie kostbare Gerätschaften für den Gottesdienst anschaffen
- 5.5.1541 Abt Johann III. starb mit nur 38 Jahren offenbar in Fulda selbst
- Daraufhin fand er seine letzte Ruhe in der Grablege der Fuldaer Äbte, die sich im östlichen Teil des Kreuzganges an der Westwand der Stiftskirche nahe beim Bonifatiusgrab befand.
Funktion
- Heidelberg, Universität, Rektor, 1516-
- Straßburg, Domherr, 1516-
- Mainz, Domherr, 1517-
- Köln, Domherr, 1518-
- Bamberg, Domherr, 1518-
- Fulda, Koadjutor, 1521-1529
- Buchen, Fürst in, 1525 (im Bauernkrieg)
- Fulda, Administrator, 1529-1531
- Fulda, Abt, 1531-1541 (als Johann III.)
Lebensorte
Schleusingen; Bamberg; Mainz; Köln; Paris; Fulda; Augsburg
Familie
Vater
Wilhelm IV., Henneberg-Schleusingen, Graf, GND, 1478–1559, Sohn des Grafen Wilhelm III. von Henneberg-Schleusingen, 1434-1480
Mutter
Anastasia, von Brandenburg, GND, * Ansbach 14.3.1478, † Ilmenau 4.7.1534
Verwandte
- Henneberg-Schleusingen, Johann II. Graf von <Großonkel>
- Henneberg-Schleusingen, Wilhelm III. Graf von <Großvater väterlicherseits>, * 12.3.1434, † 25./26.5.1480, Graf 1444-1480, Heirat 1469 Herzogin Margarethe von Braunschweig-Wolfenbüttel
- Braunschweig-Wolfenbüttel, Margarethe Herzogin von <Großmutter väterlicherseits>, * 1451, † 13.2.1509, Herzogin
- Henneberg-Schleusingen, Georg Ernst von <Bruder>, 1511–1583, mangels Kindern letzter Henneberger Fürstgraf 1559-1583
- Henneberg-Schleusingen, Poppo XII. von <Bruder>, 1513–1574
- Albrecht II., Mainz, Erzbischof, Kurfürst, Kardinal <Vetter mütterlicherseits>, GND, Erzbischof von Mainz 1514-1545, Kardinal
Nachweise
Literatur
- Fulda – das Stadtlexikon, Fulda [2019], S. 236 f. (Werner Kathrein)
- Dominikus Heller, Die Gräber der Fuldaer Aebte; in: Ders.: Neue Studien zur Grabeskirche des heiligen Bonifatius, Kapitel VI, Fulda 1946, S. 54-66, hier S. 57 f., 65, 66, Anm. 6
- Wolfgang Heß, 2000 Jahre Münzen und Geld in Hessen. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung zum 12. Hessentag 19.6.–7.7.1972 in der Stadtsparkasse Marburg, Marburg 1972, Abb. 14 f., S. 60 f.
- Leinweber, Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Frankfurt am Main 1989, S. 102-107
- Neuhaus, Wilhelm: Die Anfänge der Reformation in Hersfeld. Zur vierhunder[t]jährigen Wiederkehr der Ereignisse, in: Mein Heimatland. Zeitschrift für Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Monatliche Beilage zur Hersfelder Zeitung, Hersfeld, Band 6 (1923/24), S. 26 f., 30 f., 34 f. u. 38 f.; Korrigiert in: Ders.: Geschichten von Hersfeld. Gesammelte Aufsätze aus „Mein Heimatland“, Ausgewählt, bearbeitet und mit Anmerkungen versehen von Michael Fleck, Hersfelder Geschichtsblätter, hrsg. vom Hersfelder Geschichtsverein e.V., Band 3/2007, Bad Hersfeld 2007, S. 14-23 [+ 185 f.], hier S. 23
- Schannat, Johann Friedrich: Historia Fuldensis, Frankfurt [am Main] 1729, S. 255
Bildquelle
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildung: siehe Angaben unter Bildquelle
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Henneberg-Schleusingen, Johann III. Graf von“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/9977_henneberg-schleusingen-johann-iii-graf-von> (aufgerufen am 19.04.2026)
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