Eigil
geboren
um 750 Aiglsdorf gestorben
15.6.822 Fulda Beruf
Mönch, Schriftsteller, Abt Konfession
katholisch GND-Explorer
118688359Andere Namen
Weitere Namen
Aegil
Aigil
Fulda, Eigil%von
Fulda, Abt Eigil%von
Wirken
Werdegang
- um 750 Geburt in adligem Hause in der oberbayerischen Gegend um Moosburg – nach lokaler Überlieferung in Aiglsdorf
- vor 759 in frühester Jugend Klosterschüler in der osthessischen Benediktinerabtei Fulda
- um 770 Eigil beendet seine Ausbildung und avanciert zum Fuldaer Mönch
- um 780 Priesterweihe durch den Mainzer (Erz-)Bischof Lullus
- 794-800: Durch die Abfassung der „Vita Sturmi“ wurde Eigil zum ersten bedeutenden Schriftsteller des Klosters und erlangte eine wichtige Stellung im Konvent.
- 812: Als Abt Ratger erneut zum harten Bauprogramm zurückkehrte, kam es zu einer offenen Revolte wohl unter Führung Eigils, der wegen Alter und Sturmiusverwandtschaft hohes Ansehen im Konvent besaß. So zog er an der Spitze von zwölf Brüdern zum Hof und legte dem Kaiser eine wohl selbst verfasste Beschwerdeschrift vor („Supplex libellus“). Danach erreichte eine nach Fulda entsandte Kommission hoher Geistlicher um den Mainzer Erzbischof vorübergehend einen Frieden, wofür Eigil einige Zeit ins Exil musste
- 817: Eigil führte erneut eine Abordnung von Fuldaer Mönchen zum neuen Kaiser Ludwig dem Frommen und legte ihm den „Supplex libellus“ in einer erweiterten Neuauflage vor, worauf der Kaiser den Fuldaer Abt vor dem 26. Juli absetzte und verbannte
- Mitte 818: Der Kaiser gestattete den Mönchen die Wahl eines neuen Abtes, wobei man nach hitzigen Debatten als Kompromiss den schon alten und kranken, aber ausgleichenden Eigil kürte, zumal er ja mit Sturmius verwandt war und die Opposition angeführt hatte. Bald nach der Wahl reiste Eigil mit einigen seiner Mönche nach Aachen, um die Kür von Ludwig dem Frommen per Investitur bestätigen zu lassen
- ab 818: Nun musste Eigil den inneren Frieden wiederherstellen, wobei ihn etwa der Fuldaer Schulmeister Hrabanus Maurus unterstützte. Hierzu erreichte der Abt spätestens 822 beim Kaiser sogar die Entlassung seines alten Widersachers Ratger aus dem Exil.
- 818-819: Nachdem Abt Ratger seinen Kirchbau trotz aller Proteste noch fast fertiggestellt hatte, ließ ihn nun Eigil nach einer reformbedingten Baupause durch den Architekten Rachulf mit dem Einbau von zwei Krypten in die Ost- und Westapsis vollenden.
- 1.11.819: An Allerheiligen feierte man die Weihe der „Ratger-Basilika“ durch Erzbischof Haistulph von Mainz in Verbindung mit der Translation der Bonifatiusgebeine von der alten in die neue Kirche, wobei Abt Eigil zum 6-köpfigen Trägerkreis gehörte.
- Ab 820: Nach Fertigstellung der Klosterkirche errichtete Architektenmönch Rachulf für den Abt die nahe nördliche Michaelskapelle nach Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche
- 820-822: Abt Eigil begann aufgrund der gestiegenen Mönchszahl einen Neubau der Klostergebäude, die er vom Süden an das neue Westquerhaus verlegen wollte.
- Frühjahr 822: Der Mainzer Erzbischof Haistulph weihte in Großenlüder eine von Abt Eigil erbaute Kapelle. Gleiches tat er in dieser Zeit auch mit der Michaelskapelle in Fulda
- Spätestens Juni 822: Als die Mauern der neuen Klausur bereits aus dem Boden ragten, wurde der Abt krank, ließ in Erwartung seines baldigen Todes einen Sarkophag anfertigen und hob in der Michaelskapelle als erster die Erde an seiner gewünschten Grabstelle aus.
- 15.6.822: Abt Eigil starb nach rund vierjähriger Regierung
- daraufhin wurde er am vorbestimmten Platz in der Krypta der Michaelskapelle bestattet
Funktion
- Fulda, Abt, 0818-0822
Werke
- Vita Sturmi (800)
- Supplex libellus (817)
Lebensorte
Aiglsdorf; Fulda; Michaelsberg bei Fulda
Familie
Verwandte
- Sturmius, Hl. <naher Verwandter>, * um 709, † 17.12.779, Fuldaer Gründerabt 744/54-779
- Angildruth <wohl Verwandte>, Nonne, vielleicht Benediktinerin in Kitzingen am Main, bat Eigil vor 800 um Abfassung der „Vita Sturmi“
Nachweise
Quellen
- Brun Candidus: Vita Aegil abbatis Fuldensis; hier: lib. I, cap. 15; in: Monumenta Germaniae Historica; Scriptores; Band 15 S. 230 u. lib. II, 94 ff., in: Monumenta Germaniae Historica; Poetae Latini medii aevi 2: Poetae Latini aevi Carolini (II); hrsg. von Ernst Dümmler; Berlin 1884, S. 111
- Catalogus Abbatum Fuldensium: edidit Georg Waitz; in: Monumenta Germaniae Historica; Scriptores; Band 13, Hannover 1881, S. 272-274, hier S. 272 f.
- Die Vita Sturmi des Eigil von Fulda: Literarkritisch-historische Untersuchung und Edition von Pius Engelbert O. S. B.; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck; Band 29; Marburg 1969, Untersuchung S. 1-128 und Edition S. 129-163
- Hrabani Mauri Carmina: XLI [Tituli der 14 Altäre der Fuldaer Klosterkirche]; in: Monumenta Germaniae Historica; Poetae Latini medii aevi 2: Poetae Latini aevi Carolini (II); hrsg. von Ernst Dümmler; Berlin 1884, S. 205-208
- Lampert von Hersfeld: Das Leben des heiligen Lullus; eingeleitet, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Michael Fleck, Bad Hersfeld 1986 Neuauflage: hrsg., eingeleitet, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Michael Fleck; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen; Band 67,1, Marburg 2007, (hier II), speziell S. 87, Anm. Vita 25 u. II, S. 104, Anm. 41
Literatur
- Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 5, Leipzig 1877, S. 749 f. (Theodor Henner)
- Neue deutsche Biographie, Bd. 4, Berlin 1959, S. 391 (Wolfgang Heßler)
- Fulda – das Stadtlexikon, Fulda [2019], S. 112 (Marco Bonacker)
- Ulrich Hussong, Die Reichsabtei Fulda im frühen und hohen Mittelalter. Mit einem Ausblick auf das späte Mittelalter; in: Walter Heinemeyer/Berthold Jäger (Hrsg.), Fulda in seiner Geschichte. Landschaft, Reichsabtei, Stadt, Fulda 1995, S. 89-179, hier S. 109 f.
- Christoph Brower, Antiquitates Fuldenses, Antwerpen 1612, S. 276
- Dominikus Heller, Die Gräber der Fuldaer Aebte; in: Ders.: Neue Studien zur Grabeskirche des heiligen Bonifatius, Fulda 1946, S. 54-66, hier S. 62, 66, Anm. 6
- Josef Leinweber, Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Frankfurt am Main 1989, S. 13-24
- Struve, Tilman: Lampert von Hersfeld. Persönlichkeit und Weltbild eines Geschichtsschreibers am Beginn des Investiturstreits; in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte; Teil A: Band 19, Marburg 1969, S. 1-123; Teil B: Band 20, Marburg 1970, S. 32-142, hier Teil A, Anhang III, S. 119, Anm. 10
Siehe auch
Extern
Biografische Angebote
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Eigil“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/9879_eigil> (aufgerufen am 13.04.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/bio/9879