Treffurt, Hermann von
geboren
vor 6.2.1329 gestorben
13.7.1376 Beruf
Ritter, Landvogt, Amtmann, Schiedsmann, RatWirken
Funktion
- Eschwege, Amtmann, 1334
Lebensorte
Eschwege
Familie
Partner
Solms, Margarethe von
Verwandte
- Treffurt, Friedrich von <Bruder>, Landkomthur der Deutschordensballei Thüringen
- Treffurt, Hermann von <Bruder>
Leben
Aus der Biografie
Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Ritter1, Vogt des Landgrafen von Hessen2 1329 Februar 63, 1334 Mai Amtmann zu Eschwege [und Landvogt an der Werra]4, Herr von Schloß und Stadt Spangenberg, das er 1350 Mai 22 für 8000 Mark Silber an die Landgrafen Heinrich II. und Otto I. verkauft5, die es ihm und seinem Bruder Friedrich, Landkomthur der Deutschordensballei Thüringen, und dem Deutschen Orden am gleichen Tage für 4600 Mark Silber verpfänden6. Am gleichen Tage wird Hermann von den Landgrafen Heinrich und Otto mit dem Haus Bilstein samt Zubehör (Kloster Germerode und dem Meißner) belehnt, das die Landgrafen nach Hermanns Tod mit 2000 Mark Silber wieder einlösen können7. 1353 September 21 erkennen die genannten Landgrafen für die Erwerbung von Spangenberg gegenüber Hermann und seinem Bruder Friedrich eine Schuld von 1950 Mark Silber an, für die sie ihm ihre Stadt Witzenhausen8 und von 1600 Mark, für die sie ihm ihre Stadt Felsberg und das Kloster Eppenberg mit allen geistlichen und weltlichen Lehen verpfänden9. Heimlicher Landgraf Heinrichs II. 1355 Oktober 410, 1360 Februar 2611, 1368 November 2712 und 1370 November 1913, 1359 [April 25] ist er hessischer Schiedsmann in Hofgeismar betreffenden Streitigkeiten zwischen Mainz und Hessen14. 1359 Mai 16 bekundet Hermann, Herr zu Bilstein, daß ihm die Landgrafen Heinrich und Otto Haus und Stadt Melsungen verpfändet haben15. 1364 Juni 15 löst er als Herr zu Bilstein und Frauenberg [bei Marburg] das bisher an Ritter Johann von Dernbach verpfändete Amt Wittelsberg mit Zustimmung Landgraf Heinrichs für 204 ½ Pfd. Hr. ein16. 1370 März 24 ernennt er Johann von der Hohenminne zu seinem Amtmann auf dem Frauenberg und im Gericht Wittelsberg17. 1372 Juni 20 bekunden Hermann und seine Frau Margarethe [von Solms]18, daß ihnen die Landgrafen Heinrich und Hermann Burg und Stadt Frankenberg und das halbe Gericht Geismar auf Lebenszeit übertragen haben19. 1373 Juni 24 nennt sich Hermann Erbburggraf zu Hersfeld20, desgleichen 1374 September 1521. Er hielt enge Beziehungen zum Fritzlarer Stift, das sich anläßlich seiner großen Seelenmessenstiftung von 1372 Juli 5 verpflichtete, ihm bei Anwesenheit in Fritzlar wie jedem ihrer Mitkanoniker Wein und Brot zu reichen22. Er starb 1376 Juli 1323 als einer der reichsten und mächtigsten Adligen seiner Zeit, der infolgedessen – trotz der ihm übertragenen hohen Ämter – gegenüber den hessischen Landgrafen eine weitgehende Unabhängigkeit und Selbständigkeit wahrte.
Ritter1, Vogt des Landgrafen von Hessen2 1329 Februar 63, 1334 Mai Amtmann zu Eschwege [und Landvogt an der Werra]4, Herr von Schloß und Stadt Spangenberg, das er 1350 Mai 22 für 8000 Mark Silber an die Landgrafen Heinrich II. und Otto I. verkauft5, die es ihm und seinem Bruder Friedrich, Landkomthur der Deutschordensballei Thüringen, und dem Deutschen Orden am gleichen Tage für 4600 Mark Silber verpfänden6. Am gleichen Tage wird Hermann von den Landgrafen Heinrich und Otto mit dem Haus Bilstein samt Zubehör (Kloster Germerode und dem Meißner) belehnt, das die Landgrafen nach Hermanns Tod mit 2000 Mark Silber wieder einlösen können7. 1353 September 21 erkennen die genannten Landgrafen für die Erwerbung von Spangenberg gegenüber Hermann und seinem Bruder Friedrich eine Schuld von 1950 Mark Silber an, für die sie ihm ihre Stadt Witzenhausen8 und von 1600 Mark, für die sie ihm ihre Stadt Felsberg und das Kloster Eppenberg mit allen geistlichen und weltlichen Lehen verpfänden9. Heimlicher Landgraf Heinrichs II. 1355 Oktober 410, 1360 Februar 2611, 1368 November 2712 und 1370 November 1913, 1359 [April 25] ist er hessischer Schiedsmann in Hofgeismar betreffenden Streitigkeiten zwischen Mainz und Hessen14. 1359 Mai 16 bekundet Hermann, Herr zu Bilstein, daß ihm die Landgrafen Heinrich und Otto Haus und Stadt Melsungen verpfändet haben15. 1364 Juni 15 löst er als Herr zu Bilstein und Frauenberg [bei Marburg] das bisher an Ritter Johann von Dernbach verpfändete Amt Wittelsberg mit Zustimmung Landgraf Heinrichs für 204 ½ Pfd. Hr. ein16. 1370 März 24 ernennt er Johann von der Hohenminne zu seinem Amtmann auf dem Frauenberg und im Gericht Wittelsberg17. 1372 Juni 20 bekunden Hermann und seine Frau Margarethe [von Solms]18, daß ihnen die Landgrafen Heinrich und Hermann Burg und Stadt Frankenberg und das halbe Gericht Geismar auf Lebenszeit übertragen haben19. 1373 Juni 24 nennt sich Hermann Erbburggraf zu Hersfeld20, desgleichen 1374 September 1521. Er hielt enge Beziehungen zum Fritzlarer Stift, das sich anläßlich seiner großen Seelenmessenstiftung von 1372 Juli 5 verpflichtete, ihm bei Anwesenheit in Fritzlar wie jedem ihrer Mitkanoniker Wein und Brot zu reichen22. Er starb 1376 Juli 1323 als einer der reichsten und mächtigsten Adligen seiner Zeit, der infolgedessen – trotz der ihm übertragenen hohen Ämter – gegenüber den hessischen Landgrafen eine weitgehende Unabhängigkeit und Selbständigkeit wahrte.
Nachweise
Fußnoten
- Da er neben dem Ritter- immer wieder auch den dominus-Titel führt, will er damit offenbar seine ständische Qualität als Edelfreier betonen. 1372 Juli 5 wird er demgemäß der edil man her Hermann von Driforte genannt (siehe Anm. 22). Hierfür spricht auch seine Ehe mit einer Solmser Gräfin (siehe Anm. 18), doch war diese ständische Qualität seiner Familie offenbar nicht unbestritten (vgl. Grotefend-Rosenfeld LR Nr. 116, wo die Brüder Friedrich der Ältere und der Jüngere nach den Edlen genannt werden). – Vgl. auch unter Friedrich von Treffurt Anm. 1. ↑
- Er heißt: advocatus domini lantgravii terre Hassie, was seine Stellung als Landvogt klar kennzeichnet (vgl. Demandt, Amtmannschaft HJL 4, 1954). Es ist nicht klar, warum Gundlach III S. 270 dieses Amt dem gleichnamigen Bruder Hermanns, der vor 1344 starb (vgl. Anm. 22), zuweist, das Eschweger Amt des Landvogtes an der Werra aber nicht. Es ist bisher nicht sicher zu entscheiden, welcher Hermann welches Amt innehatte, so daß sowohl der Gundlachsche wie der obige Vorschlag berechtigt sind, ja es ist auch möglich, daß der frühverstorbene und nicht der obige Hermann beide Ämter innehatte. ↑
- Franz, Haina II Nr. 418. Die Urkunde ist in Gudensberg ausgestellt. Die Annahme, daß Hermann damals Amtmann in Kassel war (Eisenträger-Krug, Kasseler Landschaft S. 272) ist unberechtigt. Kasseler Amtmann war damals Eckebrecht von Grifte (s.d). ↑
- Eckhardt, Eschweger Gesch. S. 279. ↑
- Kopiar 1 Nr. 75. ↑
- Urkk., Gen.-Rep. Spangenberg. – Kopiar 1 Nr. 76. – Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte III UB S. 278. ↑
- Kopiar 1 Nr. 77. – 1350 Mai 22 erklären die Landgrafen Heinrich und Otto, daß Hermann ihr Pfand, das Haus Bilstein, veräußern darf, wenn er in Geldnot ist, jedoch nicht an Mainz, Fulda, Meißen oder Braunschweig (Otto, Mainzer Regg. Nr. 5842). – Am gleichen Tage gestehen die Landgrafen ihm dieses Recht mit der gen. Einschränkung auch für das Pfand Haus und Stadt Spangenberg zu (ebd. Nr. 5843). – Vgl. dazu auch Wenck a. a. O. II UB S. 374 und III UB S. 275 f. ↑
- Urkk., Gen-Rep. Witzenhausen. – Kopiar 1 Nr. 110 mit derselben Vorbehaltsklausel wie bei Bilstein und Spangenberg (jedoch nicht bei Otto, Mainzer Regg.). – 1358 Juli 22 ist Hermann noch im Besitz der Stadt (Urkk., Gen.-Rep. Witzenhausen). ↑
- Kopiar 1 Nr. 111. Danach Kurzregest bei Otto, Mainzer Regg. Nr. 5996 mit Rücksicht auf die gleiche Vorbehaltsklausel bei etwaiger Weiterpfändung wie bei Bilstein, Spangenberg und Witzenhausen. – Schon 1354 Juni erklären jedoch die Brüder Dietrich, Johann und Dietmar von Hardenberg, daß sie Landgraf Heinrich 800 Mark Silber auf Felsberg geliehen haben, das Hermann von Treffurt vom Landgrafen innegehabt hat, dessen (Hermanns) Frau ein Leibgedinge auf Felsberg verschrieben war (Urkk., Gen-Rep. Felsberg). ↑
- Urkk., Lehensreverse: von Treffurt. ↑
- Huyskens, Werraklöster Nr. 1104. Hier heißt er secretus(?) vel obligatus bei Gundlach aber: noster secretarius vel obligatus. ↑
- Huyskens, Werraklöster Nr. 1154. ↑
- Ebd. Nr. 1178. ↑
- Vigener, Mainzer Regg. Nr. 1150. ↑
- Urkk., Gen.-Rep. Bilstein und Melsungen. ↑
- Urkk., Gen.-Rep. Wittelsberg. ↑
- Urkk., Gen.-Rep. Frauenberg, Johann soll das Haus baulich unterhalten, soweit die Kosten 1 Pfd. Hlr. nicht übersteigen. Wenn er jährlich 40 fl. erlegt, ist er der jährlichen Abrechnung enthoben. Eventuelle Rechnungen soll er Wiegand v. Hachen vorlegen. ↑
- So in einer Urkunde von 1366 Juli 25 (Gen.-Rep. Melsungen), in der sie bekundet, daß ihr die Landgrafen Heinrich und Otto zur Verbesserung ihres Leibgedinges 20 Mark auf das Schloß Melsungen verschrieben haben. ↑
- Wenck, Hessische Geschichte II UB 415. ↑
- Schminckes Diplomatarium Bd. 7 Blatt 70 (Gundlach). ↑
- Urkk., Gen-Rep. Cassel. Er übte damals in seinem Kasseler Hause eine schiedsgerichtliche Funktion in einem Streit zwischen einem Kasseler und einem Frankenberger Bürger aus. ↑
- Bereits 1344 Januar 9 hatte Hermann für seinen verstorbenen gleichnamigen Bruder eine Seelenmesse beim Fritzlarer Stift errichtet (Urkunde Fritzlar, Stiftsarchiv). Mit diesem Bruder Hermann urkundet er noch 1331 April 8 zusammen, wobei auch sein (ihr?) Schreiber Konrad Holzapfel genannt wird (Urkk., Kloster Heydau). – 1372 Juli 5 machte er dann die größte Messestiftung, die das Fritzlarer St. Petersstift im Mittelalter erhalten hat, dotiert mit 500 Mark von der Stadt Alsfeld, die dafür jährlich eine Gülte von 20 Mark bezahlte, mit einer Gülte von der Stadt Rotenburg in Höhe von 10 Mark und außerdem noch 200 Mark, die der bekannte landgräfliche Rat Stephan von Schartenberg und andere Diener des Landgrafen entrichteten [die also offenbar bei Hermann verschuldet waren]. Dafür verpflichtete er das Stift zu großen, gesungenen Seelenmessen mit Vigilien (zu neun Lektionen) unter Versammlung aller Altaristen bei brennenden Kerzen im teppichbelegten Chor der Stiftskirche: 1. für sich selbst, 2. für seinen Vater am Tage nach Peter und Paul, 3. für seine Mutter am Sonntag Reminiscere, 4. für den in Rom verstorbenen Herrn von Treffurt am Tage nach Petri Kettenfeier und 5. für Friedrich von Spangenberg d. Ä. am Tage nach Jacobi. ↑
- Kopiar 218 Bl. 16. Die hessischen Congeries (ZHG 7,1858) berichten, daß er in der Kasseler Brüderkirche unter dem Taufstein begraben liege. ↑
Quellen
Literatur
- Demandt, Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter. Ein „Staatshandbuch“ Hessens vom Ende des 12. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts, Teil 2, Marburg 1981, S. 863f., Nr. 3047
- Gundlach, Die hessischen Zentralbehörden von 1247 bis 1604, Bd. 3: Dienerbuch, Marburg 1930, S. 270
- Grotefend/Rosenfeld, Regesten der Landgrafen von Hessen, Bd. 1: 1247–1328, Marburg 1929
- Eisenträger/Krug, Territorialgeschichte der Kasseler Landschaft, Marburg 1935
- Huyskens, Die Klöster der Landschaft an der Werra, Marburg 1916
- Franz (Bearb.), Kloster Haina. Regesten und Urkunden, Bd. 2: 1300–1560 (1648), Marburg 1970
- Karl August Eckhardt, Eschwege als Brennpunkt thüringisch-hessischer Geschichte, Marburg 1964
- Nebelthau, Die hessische Congeries, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 7 (1858), S. 309-384
Weblinks
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„Treffurt, Hermann von“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/22866_treffurt-hermann-von> (aufgerufen am 14.04.2026)
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