Koler, Jakob

 
belegt seit
1460
gestorben
14.4.1498
Beruf
Probst, Jurist, Licentiat, Kanzler, Kanoniker
Titel
Dr. jur. utr.

Andere Namen

Weitere Namen

Coler, Jacob

Wirken

Lebensorte

Leipzig

Leben

Aus der Biografie

Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Wird als Propst von St. Thomas in Leipzig, artium et decretorum doctor, im Wintersemester 1460 in Leipzig immatrikuliert1. Seit Anfang 1485 ist er im Dienst Landgraf Wilhelms III. nachweisbar2, für den 1486/87 zusammen mit dem Frankfurter Rechtsgelehrten Dr. Ludwig zum Paradies tätig ist3. Er lehrt inzwischen als Professor der Rechte an der Universität Mainz4 und ist Rechtsbeistand Landgraf Wilhelms III., der ihm – nachweisbar ab 14915 – ein Dienstgeld von 50 fl. zahlt. Im Juni 1491 ist er hessischer Unterhändler in der Hatzfeldischen Sache6, im September d. J. begleitet er den Landgrafen (zusammen mit Weihbischof, Kanzler und Marschall) nach Siegen7. 1492 März 1 ist er als Rechtsbeistand des Landgrafen mit den Rodensteinschen Händeln befaßt8 und nimmt 1492 Mai 7 an einem Rechtstag mit den sächsischen Räten in der Marburger Kanzlei teil9. Er verfaßt 1494 zusammen mit Dr. Ludwig vom Paradies in Frankfurt die neue hessische Gerichtsordnung10. Als Kanzler Landgraf Wilhelms III. kommt er nachweislich zuerst 1495 zwischen September 1 und Oktober 18 vor11 und zuletzt 1497 März 1712 und wohl auch noch April 1313. 1497 Februar 1 wird er als Kanzler Landgraf Wilhelms III. als egregius et prestantissimus vir14 und Februar 5 als egregius et eximius vir, doctor utriusque iuris15 bezeichnet. Er war Kanoniker von St. Peter und Viktor zu Mainz16, Inhaber der Pfarrei Bornich auf Grund der Präsentation von Landgraf Wilhelm III.17 und von anderen Pfründen und wird in seinen Grabinschriften als Gelehrter von höchsten Graden geehrt. Er starb 1498 April 1418.

Nachweise

Fußnoten

  1. Gundlach III S. 135. Er führt dort zwei weitere Jakob Koler an, von denen der eine (aus Bruwerderade) Ostern 1470 in Erfurt, der andere (de Nurnberga) im Sommersemester 1491 in Leipzig immatrikuliert wurde. – Unser Jakob Koler wird in der Literatur häufiger, aber meist nur beiläufig, besprochen. Vgl. außer H. Coing, Die Rezeption des Römischen Rechts in Frankfurt a. M. 1939 S. 167 die im folgenden genannten Hinweise.
  2. Er erhält vom Marburger Kammerschreiber 6 fl. 18 alb. 6 hlr. für Bücher, die er für den Landgrafen auf der Frankfurter Fastenmesse eingekauft hatte.
  3. Vgl. Fr. Herrmann, Der Mainzer Jurist Dr. Jakob Koler in landgräflich hessischen Diensten (AHG NF 14, 1925 S. 675).
  4. Vgl. F. W. E. Roth, Zur Geschichte der Juristenfacultät zu Mainz im 15/16. Jh. (ZRG Germ. Abt. 22, 1901) S. 359 ff. – Desgl. Hessische Chronik 4, 1915 (gekürzt).
  5. Zu 1491 wie Anm. 3, zu 1493 Dezember 3 Rechn. I, Darmstadt Landschreiber (37a/5 Bel.), zu 1494 Oktober 20 Gundlach a. a. O. Anm. 6.
  6. Rechn. I, Driedorf (39/21 Bl. 19v.).
  7. Rechn. I, Marburg Kammerschreiber (5/26 Bl. 1v.). Es muß sich um einen Weiheakt gehandelt haben, an dem der Landgraf teilnahm, wahrscheinlich im damals neu erbauten Siegener Observantenkloster, zu dem Landgraf Wilhelm eine erhebliche Beisteuer leistete, für die ihn jedoch die Witwe Graf Philipps von Katzenelnbogen schadlos hielt (vgl. Demandt, Katz. Regg. Nr. 6055).
  8. Rechn. I, Darmstadt Landschreiber (37a/3 Bel. zu 1492 März 1212).
  9. Best. 2 IV Auswärtige Beziehungen: Sachsen, Gesamthaus.
  10. Rechn. I, Darmstadt Kellerei (37/9 Bel. zu [1494]: Auslagen des Amtmanns Gottfried von Cleen für einen Boten, druge den begriffe der gerichtsordenung, so doctor Ludwig [zum Paradies] und doctor Jacob Koler begriffen haben von Frankfurt über Ockstadt nach Marburg. – Fr. Herrmann, Der Mainzer Jurist Dr. Jakob Koler (wie Anm. 3) weist aber bereits für 1491 auf eine Zehrungsquittung des Darmstädter Landschreibers über 4 fl. 2½ alb. hin: hant die landscheffen vortzert, als man ein gantz landrecht machen wolt. Im übrigen ist zu dieser Frage zu vergleichen: A. Schmidt, Gerichtsordnungen und Reformationen der Landgrafen Wilhelm III. und Wilhelm II. (AHG NF 7, 1910); Ders., Die Verfasser der hessischen Gerichtsordnung von 1497 (AHG NF 8, 1912) und Fr. Küch, Visitation (AHG NF 9, 1913).
  11. Küch, Marburger Rechtsquellen II S. 388.
  12. Best. 2 IV Auswärtige Beziehungen: Kurköln.
  13. Küch, Marburger Rechtsquellen II S. 394 (ohne Namennennung, aber von Küch mit Recht auf Koler bezogen). – Über ihn vgl. auch v. Roques, Kaufunger UB II Nr. 576.
  14. Eckhardt, Oberhessische Klöster III Nr. 687.
  15. Ebd. Nr. 688.
  16. Siehe Anm. 14.
  17. Gundlach a.a.O. Anm. 8.
  18. A. Schmidt, Die Verfasser (wie Anm. 10) bezieht sich auf F. W. E. Roth, Aus dem Leben einiger Mainzer Professoren des Kirchenrechts im XV. und XVI. Jh. (Archiv für kathol. Kirchenrecht 1899) und sagt: „Sie (die Nachrichten) beruhen zum größten Teile auf seinem Grabstein in der St. Peterskirche zu Mainz, deren Kanonikus und zeitweiliger Dekan er war. Die Inschrift lautet: Anno domini 1498 XVIII kal. maii venerabilis dominus Jacobus Koler artium et legum doctor clarissimus, almi studii Moguntini in iure lector ordinarius, huius ecclesiae canonicus obdormivit. Ein steinernes Denkmal in der Kirche rühmt noch von ihm: legum, quas ordinarie profitebatur, consultissimus vir, ingenio, memoria, facundia ac eruditione non vulgari.“

Quellen

Literatur

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Koler, Jakob“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/21228_koler-jakob> (aufgerufen am 19.04.2026)

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