Villinger, Werner
Wirken
Werdegang
- bis 1906 Besuch der Lateinschule Besigheim sowie des Gymnasiums Ludwigsburg, dort Abitur, anschließend Studienaufenthalt in England sowie Militärdienst in Stuttgart
- 1909-1914 Studium der Medizin an den Universitäten München, Kiel und Straßburg
- 12.1914 Approbation zum Arzt in Straßburg
- 1914-1918 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, unter anderem im Sanitätsdienst
- Tätigkeit als Assistenzarzt an der Medizinischen Universitätsklinik Marburg, der Universitäts-Kinderklinik München, der Universitäts-Nervenklinik Tübingen sowie der Psychiatrischen Klinik Hamburg
- 1920 Promotion zum Dr. med. an der Universität Tübingen, anschließend Tätigkeit als Leiter der Tübinger Nervenklinik
- ab 1.1.1926 Leitender Oberarzt beim Landesjugendamt Hamburg, später gleichzeitig bei der Gesundheits- und Wohlfahrtsbehörde Hamburg
- 1927 Venia Legendi im Fach Psychiatrie und Neurologie an der Universität Hamburg
- 1.1.1932 Ernennung zum Professor
- Mitglied des Stahlhelm, ausgetreten im Zusammenhang der Überführung des Stahlhelm in die SA 1933
- ab 1.1.1934 Chefarzt bei den von Bodelschwingh'schen Anstalten Bethel bei Bielefeld
- 1.5.1937 Eintritt in die NSDAP
- 1937 Beisitzer am Erbgesundheitsobergericht in Hamm
- 25.7.1940-1945 beratender Psychiater und Neurologe im Rang eines Oberstarztes beim Wehrkreis VIII in Breslau
- 1941/42 Beisitzer am Erbgesundheitsobergericht in Breslau
- 1.1.1940-1.1945 Direktor der Universitäts-Nervenklinik Breslau und ordentlicher Professor für Psychiatrie und Neurologie
- 28.3.1941 namentlich auf einer Liste der Gutachter für die „Aktion T4“ geführt
- ab 20.2.1945 Stellvertretender Direktor der Universitäts-Nervenklinik Tübingen
- 1.4.1946 Beauftragung mit der vertretungsweisen Wahrnehmung des Ordinariats und der Direktorialgeschäfte der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Marburg
- 25.7.1946 Ernennung zum ordentlichen Professor für Psychiatrie und Neurologie sowie zum Direktor der Universitätsklinik Marburg
- bis 3.1947 Mitglied des Senats der Universität Marburg
- 15.11.1948 bis zum Beginn der Weihnachtsferien Beurlaubung für eine Studienreise nach England
- 17.5.-15.6.1950 Beurlaubung für die Teilnahme an einem Kongress des Komitees für Demokratischen Aufbau in Schweden
- 1951-1953 Präsident der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater und der Deutschen Vereinigung für Jugendpsychiatrie
- 27.11.1952 Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
- 1.4.1956 Emeritierung
- 1957 Vorsitzender einer von der Deutschen Zentrale für Volksgesundheitspflege eingesetzten Kommission, die einen Entwurf zu einem neuen Sterilisierungsgesetz vorlegte
- 1958 Gründungsmitglied der Bundesvereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind und Erster Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats
- 1958 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung
- 1959 Verleihung des Titels Dr. jur. h.c. der Universität Hamburg
- bis 1.1959 Beauftragung mit der Verwaltung des Lehrstuhls und der Direktion der Klinik
- 1961 plädierte er im Ausschuss des Deutschen Bundestages für Wiedergutmachung gegen eine Entschädigung von Sterilisierungsopfern
- 26.7.1961 Einvernahme vor dem Amtsgericht Marburg zu seiner Tätigkeit als Gutachter der „Aktion T4“
- 9.8.1961 Tod unter ungeklärten Umständen nach Sturz auf einer Bergtour nahe Innsbruck (möglicherweise Suizid)
Funktion
- Marburg, Universität, Medizinische Fakultät, Dekan, 1949-1951
- Marburg, Universität, Rektor, 1955-1956
Studium
1909-1914 Studium der Medizin an den Universitäten München, Kiel und Straßburg
Akademische Qualifikation
- 1920 Promotion zum Dr. med. an der Universität Tübingen
- 1927 Habilitation im Fach Psychiatrie und Neurologie an der Universität Hamburg
Akademische Vita
- Hamburg, Universität / Medizinische Fakultät / Psychiatrie und Neurologie / Privatdozent / 1927-1932
- Hamburg, Universität / Medizinische Fakultät / Psychiatrie und Neurologie / Professor / 1932-1934
- Breslau, Universität / Medizinische Fakultät / Psychiatrie und Neurologie / ordentlicher Professor / 1940-1945
- Marburg, Universität / Medizinische Fakultät / Psychiatrie und Neurologie / Vertretungsprofessor / 1946
- Marburg, Universität / Medizinische Fakultät / Psychiatrie und Neurologie / ordentlicher Professor / 1946-1956
- Marburg, Universität / Medizinische Fakultät / Psychiatrie und Neurologie / Vertretungsprofessor / 1956-1959
Akademische Ämter
1949-1951 Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg
1955-1956 Rektor der Universität Marburg
Mitgliedschaften
1951-1953 Präsident der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater und der Deutschen Vereinigung für Jugendpsychiatrie
ab 1958 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung
1958 Gründungsmitglied der Bundesvereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind und Erster Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats
Werke
Lebensorte
Besigheim; Ludwigsburg; Stuttgart; München; Kiel; Straßburg; Hamburg; Tübingen; Hamburg; Bielefeld; Breslau; Marburg
Statusgruppe
Wissenschaftler/in
Familie
Vater
Villinger, N.N., Arzt
Nachweise
Literatur
- Louisa Marie Günther, Psychiatrische Alltagsforschung an der Marburger Philipps-Universität in der NS- und Nachkriegszeit. Analyse der Dissertationen unter Prof. E. Kretschmer und Prof. W. Villinger im Zeitraum von 1926 bis 1959, Gießen 2021
- Helmut Remschmidt, Kontinuität und Innovation. Die Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Philipps-Universität Marburg, Göttingen 2019
- Heiner Fangerau/Sascha Topp/Klaus Schepker (Hrsg.), Kinder- und Jugendpsychiatrie im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit, Berlin 2017
- Hans-Walter Schmuhl, Zwischen vorauseilendem Gehorsam und halbherziger Verweigerung. Werner Villinger und die nationalsozialistischen Medizinverbrechen, in: Der Nervenarzt, Band 73,11, S. 1058-1063 (2002)
- Holtkamp, Martin, Werner Villinger (1887–1961). Die Kontinuität des Minderwertigkeitsgedankens in der Jugend- und Sozialpsychiatrie, Husum 2002
- Gerhard Aumüller u. a. (Hrsg.), Die Marburger Medizinische Fakultät im „Dritten Reich“, München 2001
- Auerbach, Catalogus professorum academiae Marburgensis 2, Von 1911 bis 1971, Marburg 1979, S. 407 f.
- Schnack, Marburger Gelehrte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Marburg 1977, S. 586-590 (Helmut E. Ehrhardt)
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Villinger, Werner“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/17050_villinger-werner> (aufgerufen am 13.04.2026)
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