Johann Coburger 1661, Rodheim-Bieber

19378F4F-88AF-441E-BC79-64A0466C0DEA
Ortsname
Rodheim-Bieber
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Heutiger Aufbewahrungsort

Angaben zum Aufbewahrungsort

In die innere Südwand des Chores eingelassen. Früher bis 1958 an der äußeren Westwand des Schiffes rechts des Eingangs.

Merkmale

Datierung

27. Dezember 1661

Typ

Material

Erhaltung

erhalten

Größe

96 x 180 cm (B x H)

Beschreibung

Es ist nicht sicher zu entscheiden, ob es sich bei dem vorliegenden Stein um eine ehemals im Boden der Kirche liegende Grabplatte oder um ein von Beginn an für die Aufstellung an einer Wand konzipiertes Epitaph handelt. Im oberen Drittel unter zwei Bögen sind der Verstorbene und seine Ehefrau, jeweils bis zu ihren Hüften, figürlich wiedergegeben und mit ihren Namen bezeichnet (A). Der bärtige Pfarrer trägt Talar und Halskrause und hält eine mit den Buchstaben S S beschriftete Bibel vor sich aufgeschlagen in beiden Händen. Seine Ehefrau ist mit Haube und Witwenschleier dargestellt, überlebte also ihren Mann. Oberhalb der beiden Bildnisse befindet sich ein einzeiliges Bibelzitat (B).
Im mittleren Teil des Steines sind sämtliche Kinder des Paares, lebende wie bereits verstorbene, zur Mitte hin kniend wiedergegeben und mit ihren Vornamen bezeichnet (C) – links die acht Söhne und rechts die beiden Töchter. Im großen Schriftfeld darunter, beiderseits durch Rollwerk gerahmt, befindet sich die eigentliche Grabschrift für Johann Coburger, gefolgt von seinem Leichentext (D).

Darstellung

figürlich

Geschlecht, Alter, Familienstand

Stand

Dargestellte Personen

Johann Coburger wurde nach der Inschrift am 25. November (Katharinentag) 1598 zu Friedberg geboren und am 10. Dezember daselbst getauft. Seine Eltern Valentin Coburger (auch Koburger), Sohn des Pfarrers Johannes Coburger zu Schlitz, und Christina, Tochter des Prokurators Lucas Moser zu Friedberg, hatten dort am 28. Februar 1598 die Ehe geschlossen. Seit 1611 studierte Johann Coburger an der Universität Gießen und war dann von 1624 bis zu seinem Tod Pfarrer in Rodheim. Zu unbekannter Zeit heiratete er seine Ehefrau Anna Maria, die eine geborene Kemmerer (Kämmerer/Caemmerer) aus Gießen gewesen sein könnte. Vielleicht ist sie mit der am 16. August 1604 in Gießen getauften Tochter Anna Maria des Johannes Kemmerer und der Barbara geborene Schupp identisch. Johann Coburger starb am 27. Dezember 1661 und wurde am 31. Dezember in Rodheim begraben. Seine Frau folgte ihm am 25. Mai 1679 und wurde am 29. Mai bestattet. Aus der Ehe gingen, wie das Grabmal zeigt, die folgenden 8 Söhne und 2 Töchter hervor: Georg Adolph (als Wickelkind dargestellt, demnach als Säugling verstorben), Christophel, Ludwig, Johann Eberhard, Johann Friedrich, Georg Ludwig, Johann Valentin, Johann Lucas, Anna Catharina (ebenfalls als Wickelkind dargestellt) und Margaretha Elisabetha. Der Sohn Johann Valentin lebte 1652 in Greifenstein und starb 1657 als Zentgraf zu Butzbach, Johann Eberhard heiratete 1656 in Darmstadt und starb dort 1702, ein weiterer Sohn Johann Friedrich lebte 1661 in Stuttgart (Stuggardt). Die Tochter Margaretha Elisabetha schließlich heiratete Johann Burkhard Zimmermann aus Leeheim, der zunächst Adjunkt und dann ab 1662 Nachfolger des Schwiegervaters als Pfarrer zu Rodheim war.

Inschrift

Umschrift

A: (Namensbeischriften zu den Figuren der Eheleute Coburger)
IOHANN COBVRGER
ANNA MARIA
B:
2. T.(IMOTHEUS) 4. C.(APITEL) V.(ERS) 18. DER HERR ABER WIRD MICH ERLÖSEN ·
C: (Namensbeischriften zu den 10 Kindern)
(Söhne von rechts nach links, vermutlich dem Alter nach:)
G(EORG) · ADOLPH
CHRISTOPHEL
LVDWIG
I(OHANN) · EB(ERHARD) ·
I(OHANN) · FRID(RICH) ·
G(EORG) LVD(WIG) ·
I(OHANN) · VAL(ENTIN) ·
I(OHANN) · LVC(AS) ·
(Töchter von links nach rechts, vermutlich dem Alter nach:)
ANNA CATA(RINA) ·
M(ARGARETHA) · ELISABET
D:
A(nn)o 1598 · UF CATHA,, /
RINA t(ag) ABENDS UMB 7 · IST DER /
EHRWIRDIGE U(ND) · WOHLGELARTE HERR /
IOHAN COBURGER GWESNER PFARHERr U(ND) SEL /
SORGER ALHIE ZU RODHEIM ZU FRIDBERG IN /
DISE WELT GEBOREN, VND A(nn)o · 1661 · DEN /
27. t. XBRIS NACHMI(TTAGS) UMB 3 · UHR IN DEM HER /
REN SEELIG ENTSCHLAFFEN, SEINES ALTERS /
63. IAHR 1: MON:(AT) GOTT VERLEIHE IHME EINE /
FRÖLICHE AUFFERSTEUNG AMEN · /
2. TIM:(OTHEUS) 4. V.(ERSE) 7 U.(ND) 8. /
ICH HAB EINEN GUTEN KAMPF GEKÄMPET (!) /
ICH HAB MEINEN LAUF UOLLENDET, ICH HAB /
GLAUBEN GEHALTEN, HINFORT IST MIR BEY /
GELEGT DIE KRON DER GERECHTIGKEIT, /
WELCHE MIR DER GERECHTE RICHTER GEBE(N)

Kommentar

Aus nicht ersichtlichem Grund fehlt in Inschrift D das letzte Wort WIRD, obwohl noch genügend Raum vorhanden gewesen wäre.

Schrift

Nachweise

Literatur

  • Schmidt, Andreas: Die Grabdenkmäler der Renaissance und des Barock in der Kirche und auf dem Friedhof in Rodheim an der Bieber, Biebertal 2008, S. 11-13 (mit den entsprechenden Quellen- und Literaturangaben)

Bearbeitung

Andreas Schmidt, ehemals HLGL

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Johann Coburger 1661, Rodheim-Bieber“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/884_johann-coburger-1661-rodheim-bieber> (aufgerufen am 02.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/gdm/884

Johann Coburger 1661, Rodheim-BieberJohann Coburger 1661, Rodheim-BieberJohann Coburger 1661, Rodheim-Bieber / Die personenbezogene Inschrift