Wilhelm Curtius (1621) / 1640, Bensheim

19378F4F-88AF-441E-BC79-64A0466C0DEA
Ortsname
Bensheim
Landkreis
Bergstraße
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Gebäude / Areal

Bensheim, Friedhofskirche

Angaben zum Standort

Die Grabplatte steht heute außen hinter dem Leichenhaus.

Heutiger Aufbewahrungsort

Merkmale

Datierung

(1621) / 1640

Typ

Material

Erhaltung

erhalten

Größe

98 x 196 cm (B x H)

Größe der Buchstaben

4 cm

Beschreibung

Geschlecht, Alter, Familienstand

Stand

Dargestellte Personen

Wilhelm Curtius.
Der Vater des Wilhelm Curtius, Michael, stammte aus der Gegend um Genf (ex Allobrogibus) und war mit Ursula Cruzia verheiratet, mit der er nach Bensheim zog.1) Wilhelm selbst war in Bensheim Wirt und Weinhändler2) und gehörte seit 1608 dem Rat der Stadt an.3) Er heiratete in zweiter Ehe Katherina Schuler.4)
Sein aus dieser Ehe stammender Sohn Wilhelm war nach dem Besuch verschiedener Universitäten etwa ab 1630 für die kurpfälzische Exilregierung in Den Haag und für den englischen Hof tätig.5) Er nahm zunächst als Sekretär und später als Stellvertreter des englischen Gesandten in Deutschland an den Verhandlungen zwischen England und Schweden während des Dreißigjährigen Krieges teil. Auch die kurpfälzische Exilregierung übertrug ihm diplomatische Aufgaben.6) Nachdem sich Curtius seit 1633 vorwiegend in London und Den Haag aufgehalten hatte,7) kehrte er 1649, immer noch in englischen Diensten stehend, endgültig nach Deutschland zurück. Gertrud Großkopf nimmt deshalb an, daß er in diesem Jahr auch die Grabplatte für seinen Vater herstellen ließ.8) Diese Annahme steht aber im Gegensatz zu der Inschrift, die das Jahr 1640 als Herstellungsjahr der Platte nennt. Tatsächlich hielt sich Curtius 1640 längere Zeit in Deutschland auf und weilte dabei unter anderem in Frankfurt.9) Bei dieser Gelegenheit sorgte er für eine angemessene Bestattung seines Vaters. Wenn es in dem Text heißt IN PATRIAM REDVX, so meint PATRIA hier die engere Heimat des Wilhelm Curtius, die Kurpfalz, denn 1638 weilte er in Norddeutschland.10)
1) Nach Großkopf, Curtius 62 (ohne Beleg) heiratete Michael Curtius erst in Bensheim in die Familie Gru-nauer ein. Nach dem Wortlaut der Inschrift scheint er aber mit seiner Frau aus der Schweiz gekommen zu sein.
2) Ebd.; zu ihm und seiner zweiten Frau Katherina vgl. auch Nr. 221
3) Henkelmann, Bensheim 185.
4) Zu ihr vgl. DI 29 (Worms) Nr. 693
. Vgl. auch Nr. 221.
5) Vgl. Großkopf, Curtius 63-65.
6) Dazu umfassend Großkopf, Curtius 64-89.
7) Vgl. Großkopf, Curtius 68-74.
8) Großkopf, Curtius 91.
9) Großkopf, Curtius 74.
10) Großkopf, Curtius 72.

Inschrift

Umschrift

A · D(EO) · O(PTIMO) · M(AXIMO) · E · T · MEMORIAE · S(ACRVM) / · WILHELMO CVRTIO QVI · MICHAELE / NOTAE PIETATIS · VIRO PATRE · ET · VRSVLA CRVZIA MATRE EX ALLOBR/OGIBVS · DE[...]ENTE · BENSHEIMIVM / TRANSGRE[SSIS N]ATVS EX ANNA / PRIMVM G[...] FILIAE VNICAE / DEIN EX CAT[HAR]INA SCHVLERIN / · X · LIBERO[S....]RENS OMNIBVS / CIVILIBIVS [... SINCERE FVNCTVS / VRBIS PAT[RIAE SE]NATOR INTEGER=/IMVS IN [...]A FATALI TELO / OCCVPAT[VS] [...] SVAE DIEM / OBIIT [ANNO] M D CXXI · / M[(ENSE).....]ARIO
B WILHE[LMVS C]VRTIVS FILIVS / A SEREN[ISSIMO] BRITANNIAE / REGE I[N GERMANIA PROLEGATVS / POST TOT [ANNOS I]N PATRIAM REDVX / CVM CAT[HARINA S]ORORE SOLVS / SVPERS[TES PIETA]TIS ERGO / [H(OC M(ONVMENTVM) F(IERI) C(VRAVIT / A[NNO M] D CXL
C Io[...] · 22 / Pro vale[.. .]um ita ut abeat / et mutans[.. .]ns dimittis / eum sia[.. Itilii sui ignorat / sin dimi[...] animadvertit

Übersetzung

Dem besten und größten Gott und dem Gedenken geweiht. Dem Wilhelm Curtius, der von dem Vater Michael, einem Mann von bekannter Frömmigkeit, und der Mutter Ursula Cruzia abstammt, die aus dem Gebiet der Allobroger ... nach Bensheim übersiedelten. Er (Wilhelm) zeugte zuerst mit Anna eine einzige Tochter und darauf mit Katherina Schuler zehn Kinder. Als überaus rechtschaffender Ratsherr erfüllte er aufrichtig alle bürgerlichen (Pflichten). Von einem todbringenden Geschoß getroffen, starb er im Jahr 1621 im Monat ...(A) Der Sohn Wilhelm Curtius, Stellvertreter des Gesandten des huldreichen Königs von England in Deutschland, ließ, nach so vielen Jahren ins Vaterland zurückgekehrt, zusammen mit seiner Schwester Katharina als einziger Überlebender aus liebevoller Kinderpflicht dieses Monument im Jahr 1640 setzen.(B)

Schrift

Nachweise

Bearbeitung

Die Inschriften des Landkreises Bergstraße, gesammelt und bearbeitet von Sebastian Scholz (Die Deutschen Inschriften 38), 1994, S. 173 f., Nr. 248.

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Wilhelm Curtius (1621) / 1640, Bensheim“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/537_wilhelm-curtius-1621-1640-bensheim> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/gdm/537