Kunigunde von Oberstein und Melchior von Hirschhorn 1457, Hirschhorn

Kunigunde von Oberstein und Melchior von Hirschhorn 1457, Hirschhorn
Standort
Gebäude / Areal
Hirschhorn, Karmeliterkirche
Angaben zum Standort
Das Grabmal aus grauem Sandstein steht heute an der Nordwand des Langhauses.
Heutiger Aufbewahrungsort
Merkmale
Datierung
1457
Typ
Material
Erhaltung
erhalten
Größe
150 x 262 cm (B x H)
Größe der Buchstaben
6,5-7 cm
Beschreibung
Von Fialenarchitektur gerahmt sind im Feld jeweils unter einem Kielbogen die beiden Verstorbenen in Relief dargestellt. Links steht Melchior in voller Rüstung mit gefalteten Händen auf einem Löwen und rechts seine Frau auf einem Hund. Ihre Hände sind ebenfalls gefaltet, der Kopf ist auf ein Kissen gebettet, und an ihrem Gürtel hängt ein Rosenkranz. Über den Köpfen beider befindet sich an der Außenseite jeweils ein von Engeln gehaltenes Wappen und auf der Innenseite die dazu gehörende Helmzier. Im Feld sind noch Reste einer roten Bemalung zu erkennen. Die Inschrift ist auf dem nach außen abgeschrägten Rand angebracht. Sie beginnt auf der oberen Leiste links und rechts der Mitte, die durch ein eingetieftes Wappen gekennzeichnet ist, und endet auf der unteren Leiste, die in der Mitte ebenfalls durch ein Wappen bezeichnet ist. Die Inschrift für Melchior befindet sich auf der linken Seite, die für Kunigunde auf der rechten Seite. Die untere Leiste weist kleinere Beschädigungen auf.
An der Schrift fällt auf, daß außer bei nobilista (A) und cvivs (B) alle Anfangsbuchstaben in gotischer Majuskel geschrieben sind. Die Inschrift für Kunigunde ist in Spiegelschrift ausgeführt, was vermutlich auf einen Steinmetzfehler zurückzuführen ist. Eine ähnliche Schriftgestaltung ist auf der Tumbenplatte (?) für Margretha Kämmerer von Worms (+ 1458) und Johannes III. von Sickin-gen (+ 1469) in St. Gallus in Ladenburg zu beobachten. Dort sind ebenfalls alle Anfangsbuchstaben der gotischen Majuskel entnommen. Die ersten Wörter der Inschrift für Johannes sind ganz und die folgenden teilweise in Spiegelschrift geschrieben.
In der künstlerischen Gestaltung der beiden Denkmäler sind jedoch erhebliche Unterschiede feststellbar. Bei dem Hirschhorner Grabmal ist die Architektur reicher ausgeführt, in Ladenburg fehlen die Fialen auf den Außenseiten sowie die Mittelstütze. Hand- und Kniehaltung sind jeweils anders gestaltet, und der Faltenwurf bei der Figur der Margretha ist sehr viel schematischer als bei Kunigunde. Die beiden Denkmäler scheinen also nicht aus derselben Werkstatt zu kommen, doch sollte man angesichts der großen Ähnlichkeit der Schrift überlegen, ob nicht diese von demselben Steinmetzen ausgeführt wurde oder ob man hier die gleiche Vorlage benutzte.
In seiner Gesamtkonzeption - Inschrift auf den abgeschrägten Leisten, die nur beim Umschreiten der Platte zu lesen ist - zeigt das Hirschhorner Grabmal große Ähnlichkeit mit einer Tumbenplatte. Trotzdem ist es offenbar von Anfang an als stehendes Denkmal konzipiert gewesen. Milendunck hat es an der Wand stehen sehen, und er sah zugleich vor einem Altar an der Nordwand auch die Grabplatte Kunigundes und Melchiors, auf der das Todesjahr Melchiors so abgetreten war, daß Milendunck es nicht mehr lesen konnte.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Enthaltene Wappen
Hirschhorn; Oberstein;
Hirschhorn; Oberstein.
Dargestellte Personen
Kunigunde von Oberstein und ihr Mann Melchior von Hirschhorn
Melchior war einer der drei Söhne Philipps I. von Hirschhorn und Irmgards von Winnenburg und Beilstein.
Inschrift
Umschrift
A An(n)o · D(omi)ni · M · Cccc° · l · <... / ...> Obyt · Melchior · De · Hirshorn · Armiger · nobilista · Cvivs / Anima · Req(vi)escat · I(n) · P(ace)
B An(n)o · D(omi)ni · M · Cccc° · lvi/i · ii° · Die · Mensis · Mai · Obyt · Kvngvndis · De · Oberstein · Vxor Ei(vs) · cvivs · A(n)i(m)a · Re[q/(vi)es]cat · In · Pace
Übersetzung
Im Jahre des Herrn 14.. starb Melchior von Hirschhorn, Knappe und Edelmann, dessen Seele in Frieden ruhen
möge.
Im Jahre des Herrn 1457, am zweiten Tag des Monats Mai, starb Kunigunde von Oberstein, seine Ehefrau, deren Seele in Frieden ruhen möge.
Schrift
Nachweise
Literatur
- Ritsert, Hirschhorn 154
- Klump, Hauptmomente 38
- Schweitzer, Grabmäler 49
- Schnellbach, Plastik 151
- Siebeck, Inschriften 30
- Schaum-Benedum, Figürliche Grabsteine 181
- Lohmann, Hirschhorn 520, Anm.10.
Bearbeitung
Die Inschriften des Landkreises Bergstraße, gesammelt und bearbeitet von Sebastian Scholz (Die Deutschen Inschriften 38), 1994, S. 45 f., Nr. 56.
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS (Standort)
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Jüdische Friedhöfe
- Historisches Ortslexikon
- Synagogen in Hessen
- Topografische Karten
- Urkataster+
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Kunigunde von Oberstein und Melchior von Hirschhorn 1457, Hirschhorn“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/448_kunigunde-von-oberstein-und-melchior-von-hirschhorn-1457-hirschhorn> (aufgerufen am 02.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/gdm/448
