Pfarrer Philipp Kaspar Bechtold 1696, Wallau

Pfarrer Philipp Kaspar Bechtold 1696, Wallau – Nr. 424
Standort
Gebäude / Areal
Wallau (Hofheim), Evangelische Pfarrkirche
Angaben zum Standort
Lag ursprünglich im Kirchenraum im Fußboden vor dem Chor neben dem von Bechtolds vorverstorbener Ehefrau.
Heutiger Aufbewahrungsort
Angaben zum Aufbewahrungsort
Befindet sich seit 1964 hoch (untere Kante 180 cm über Boden) an der südlichen Außenwand der Kirche.
Beschreibung
Epitaph des Pfarrers Philipp Kaspar Bechtold. Denkmal aus hellgrauem Marmor. Hochrechteckige Platte. Sie trägt im Feld den dreizeiligen Bibelspruch (A) und die ausführliche, 18 Zeilen umfassende Grabinschrift (B); im Anschluss daran steht das gereimte vierzeilige Gebet (C) und der abschließende fünfzeilige lateinische Spruch (D). Alle Inschriften sind größtenteils in zentriert gestaffelten Zeilen ausgeführt. Vom Unterhang ragt das Vanitassymbol eines Stundenglases über Totenschädel mit gekreuztem Gebein in die letzten drei Schriftzeilen (D) diese unterbrechend hinein. Der rundbogige Giebel zeigt das Vollwappen des Verstorbenen. Als Trenner, nur teilweise im Sinne von Interpunktion, dienen unregelmäßig gesetzte Dreiecke auf der Grundlinie und auf Zeilenmitte, einzeln und als Doppelpunkt auch zur Kürzung.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Enthaltene Wappen
Bechtold
Dargestellte Personen
Bechtold war 1647–50 Seelsorger in Niederweidbach (Bischoffen, Lahn-Dill-Kreis), wechselte dann nach Dausenau (Bad Ems, Rhein-Lahn-Kreis) und 1652 nach Delkenheim (Wiesbaden), wo er bis 1656 im dortigen Schulhaus wohnte; ab 1665 wirkte er in Wallau. Seine Ehefrau Anna Ursula Crato war eine Urenkelin des in Marburg wirkenden landgräflich-hessischen Hofpredigers, Superintendenten und Visitators Adam Krafft († 1558)4); sie war bereits 1666 im Alter von 44 Jahren verstorben.5)
Sonstiges
In zeittypischer Weise sind vor allem die Personennamen, aber auch einzelne Textstellen, die der Auftraggeber als wichtig betont haben wollte, durch großformatige Buchstaben hervorgehoben. Die Verwendung von U statt V, das im deutschsprachigen Teil nur ein einziges Mal orthographisch und lautlich falsch benutzt wurde (U falsch in UIHLEN), der leicht geschwungene Schrägschaft des N und die stark geschwungene Cauda des R sind einige äußere Merkmale für die späte Entstehung der Inschriften an der Wende zum 18. Jahrhundert, jedoch nicht kennzeichnend für den Hersteller. Das Grabdenkmal wurde offenbar von Bechtolds Amtsnachfolger Eberhard Zeller3) in Auftrag gegeben, der durch die Verwendung des Pronomens UNS/UNSER die Gemeinde in das Totengedenken für den Verstorbenen einbezog.
Inschrift
Umschrift
A PSALM CXXXII. 14. / ZION IST MEINE RUHE EWIGLICH, HIE WILL
/ ICH WOHNEN. DENN ES GEFA͜ELLT MIHR WOHL.1)
B IN DIESEM S(EINEM) GEDA͜ECHTNUSS RUHET / UND RUFFET
UNS ZU DER STILLE ZU ZION / GOTT IN DER GANZEN GEMEINE
TREÜLICH ZU DIENEN / IM H(EILIGEN) GLAUBEN U(ND) UIHLEN
TRÜBSAALEN IN CH(RIST)O I(ST) / MIT STILLEM GUHTEN U(ND)
REINEM HERZEN / ALS ER UNS AUCH GELEHRET. HAT. / UNSER
HOCHW(ÜRDIGER) HERR METROPOLITANUS / DER HERR-
SCHAFFT EPPSTEIN. / WEIL(AND) M(AGISTER) PHILIPP. CASPAR
BECHTOLD / ZU ERST IN NIDERWEIDBACH, DAUSENAU UND /
DELKENHEIM / UND DENN XXXII. IAHR EVANG(ELISCHER) PFAR-
RER / ZU WALLAU. / GEBOHR(EN) IN GIESSEN IM IAHR 1616 .
I. MAII . / ZUR E(WIGEN) RUHE GELANGT IM I(AH)R . 1696 .
II . OCTOB(RIS) / IST BEGRABE(N) GEGENÜBER FUR DEM CHOR /
NEBEN SEINER SEEL(IGEN) FRAUEN . / ANNA URSULA . GEB(ORNE)
CRATONIN .
C HERR! LASSE SEINEN LOHN UND UNSER / HERZ UND SINN /
IN DIR BEYSAMMEN SEYN! / DIE ZEIT LAUFFT SCHNELL · DAHINN!
D HIC PASTOR UIUIT CUM // CHRISTO IN CULMINE / REGIS
CANTICA // PULCHRA CANIT / DULICIA5 UERBA // SONANT
Übersetzung
(D) Es lebt dieser Pfarrer mit Christus im Himmel. Er singt die schönen Lieder des Königs. Lieblich klingen die Worte.
Kommentar
Buchstabenhöhe nicht zu ermitteln.
Deutsche Reimverse (C); ein elegisches Distichon (D).
Schrift
Nachweise
Fußnoten
- Vgl. zu ihm Schilling, Adam Krafft 87ff.; Zeller, Adam Krafft 646f. ↑
- Vgl. Frank Rudolph, Die evangelischen Pfarrer in Niederweidbach seit 1553. In: http://www.f-rudolph.info/downloads/rudolphpfarrerniederweidbachseit1533.pdf (Stand: 26.2.2015), leicht abweichende Daten in Pfarrerund Schulmeisterbuch 158. Eine Grabplatte hat sich nicht erhalten. ↑
- Vgl. Metzler 39, 46, Todesjahr 1705. ↑
Literatur
Bearbeitung
Indizes
Wappen
Siehe auch
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Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Pfarrer Philipp Kaspar Bechtold 1696, Wallau“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2567_pfarrer-philipp-kaspar-bechtold-1696-wallau> (aufgerufen am 02.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/gdm/2567


