Pfarrer Konrad Marsilius Wenck 1686, Usingen
Beschreibung
Grabstein für den Pfarrer Konrad Marsilius Wenck. Das Denkmal beschrieb der 1765–77 als Inhaber der zweiten Pfarrstelle und Leiter der Lateinschule in Usingen tätige Pädagoge und Geistliche Jakob Ludwig Schellenberg1) als „Grabschrift des Herrn Marsilii Wencken auf einen grauen Stein gehauen welcher in der hiesigen Kirchhoffs Mauer gegen Morgen [= Ostseite] zwischen den beyden Kirchhoffs–Thüren noch befindlich ist“. Danach überlieferte er die Inschriftentexte (A) und (B), wobei er die Verse von (B) mit „Rhythmi defuncti ipsius“ einleitete.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Dargestellte Personen
Die knappe, auf biographische Details konzentrierte Inschrift (A), die auf lobende Attribute und Einfügungen verzichtet, ist zwar ungewöhnlich, lässt sich aber doch in ihrer Form auch anderweitig in dieser Zeit belegen.2) Die knappe Aneinanderreihung von Fakten bei (A) unterstützt Schellenbergs Hinweis, der alte Pfarrer selbst habe sowohl die obige „nachstehende Grabschrifft“ (A) als auch „die dabey befindliche deutsche Verse“ (B) abgefasst. Auch Wencks Amtsnachfolger Johann Konrad Filgus († 1712) notierte, dass die Leichenpredigt auf Offb 2,11 Bezug nahm,3) was jedoch gleichfalls nicht als sicherer Hinweis auf eine inschriftliche Ausführung im Anschluss an Text (A) zu interpretieren ist; Schellenberg führte den Text demgemäß nicht weiter. Das vom Verstorbenen noch zu dessen Lebzeiten verfasste Grabgedicht (B), wie es sich in ähnlicher Form bereits auf seinem am Grabplatz „vorgesteckten“ Grabkreuz (vorherige Kat.-Nr.) befand, wurde im vorliegenden Fall in der zweiten Zeile leicht verändert; hingegen weichen die beiden letzten Zeilen von Wencks Urform erheblich ab. Hier ist anzunehmen, dass sein Amtsnachfolger Filgus für das Epitaph eine sprachlich und metrisch glättende Version verfasste. Bemerkenswert sind die Varianten der Senfftschen Überlieferung insofern, als demnach die dritte Zeile mit einer Fürbitte beginnt, die auf das frühchristliche VIVAT IN DEO rekurriert.
Inschrift
Umschrift
A Marsilius Wenceius pastor inspectorque ecclesiae patriae Usingensis. Natus
die 27. Januarii 1601 Giessae educatus. 1623 Rector Usingae. Anno 1624 die
22. Augusti coniux factus nupta Dorothea Naumanniana. Ex liberis huius ma-
trimonii solus superest Johannes Vincens. Anno 1635 mense novembris pastor.
Anno 1636 die 18 Augusti viduus factus. Anno 1639 die 12. Junii denuo nup-
sit Margarethae Zimmerin Schlitzensi ex qua liberi suscepti 5 supersunt excep-
to filiolo. Anno 1661 Inspector. Die 16 Martii anno 1683 altera vice viduus fac-
tus. Denatus 1686 d(ie) 2 Julii Annorum 85 et 5 mensium. Textus funebris
Apoc(alypsis) 2. 11.
B Rhythmi defuncti ipsius4
Hier liegt der alt Inspector Wenck
Wers sieht und liest das5 End bedenck
Er lebt6 in Gott. Und der Gemein
Will er vor7 Gott erwartend seyn.
Übersetzung
(A) Marsilius Wenck, Pfarrer und Inspektor der Kirche seiner Vaterstadt Usingen. Geboren am 27. Januar 1601, erzogen in Gießen, 1623 Rektor in Usingen. Im Jahre 1624 am 22. August nahm er Dorothea Naumann zur Frau. Von den Kindern aus dieser Ehe ist nur Johannes Vinzenz übrig. Im Jahre 1635, im Monat November, Pastor. Am 18. August 1636 verwitwet. Am 12. Juni 1639 erneut verheiratet mit Margareta Zimmer aus Schlitz, mit der er fünf Kinder hatte, die noch leben, außer einem Söhnchen. Im Jahre 1661 Inspektor. Am 16. März 1683 zum anderen Male verwitwet. Er starb am 2. Juli 1686, im Alter von 85 Jahren und fünf Monaten. Text der Leichpredigt: Offenbarung 2,11.
Kommentar
Nach Schellenberg (A, B).
Deutsche Reimverse (B).
Nachweise
Fußnoten
Literatur
- Schellenberg, Jakob Ludwig: Album scholae latinae Usingensis. 1773 (Hs. StaA Us, o. Sign), S. 6 (A, B).
- Senfft, (…) (Dekan): Evangelische Pfarrchronik [Usingen]. Hschr. vor 1845 (StaA Us, o. Sign.); Abdr. in: Taunusbote 26–44 (Juni–November 1845), 9 (B).
- Dienstbach, Fritz: Marsilius Wenck. Aus dem Leben eines Usinger Geistlichen und Schulmannes (1601–1686). In: Usinger Land Jg. 1968, H. 1 (März) Sp. 97–101, hier Sp. 99. (A, B).
- Kaethner, Martha/Kaethner, Rudi H.: Usingen. Menschen und Ereignisse aus der Geschichte der kleinen deutschen Stadt. Usingen 1981, S. 168; 237 Anm. 48 (B) (nach Schellenberg).
Bearbeitung
Siehe auch
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Pfarrer Konrad Marsilius Wenck 1686, Usingen“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2551_pfarrer-konrad-marsilius-wenck-1686-usingen> (aufgerufen am 02.11.2026)
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