Säugling Leopold Georg, Herzog von Schleswig-Holstein 1660, Homburg

Säugling Leopold Georg, Herzog von Schleswig-Holstein 1660, Homburg – Nr. 299
Standort
Gebäude / Areal
Bad Homburg, Schlosskirche, Fürstengruft
Angaben zum Standort
Sein ursprünglicher Standort befand sich vermutlich an der Nordostwand der Gruft.
Heutiger Aufbewahrungsort
Angaben zum Aufbewahrungsort
Seit 1936/37 ist er im Wandregal, zweites Regal von unten, als erster Sarkophag von rechts aufgestellt.
Beschreibung
Sarkophag des Säuglings Leopold Georg, Herzog von Schleswig-Holstein.1) Kindersarkophag aus Zinn mit beschriftetem Deckel. Da der Sarkophag nicht von seinem Standort entfernt und untersucht werden konnte, war bedingt durch die Aufstellung und die Korrosion nur der Fußbereich und die rechte obere Längsseite des Deckels (gesehen vom Liegenden) für eine autopsierende Entzifferung erreichbar, weitere Inschriften konnten mit Hilfe von Fotos wenigstens teilweise entziffert werden. Auf dem Deckel sind die Umrisse eines Kolbenkreuzes erkennbar. Darüber befindet sich in sechs Zeilen die Grabinschrift (A), die wegen des Erhaltungszustandes und des schwierigen Zugangs nur in Teilen überprüft werden konnte; die Inschrift verläuft über den gesamten Deckel, reicht also auf die Längsseiten. Die sechszeilige, über den Füßen quer wie (A) über dem gesamten Deckel verlaufende Spruchinschrift (B) ist auf den Trost des Betrachters (hier auch der Eltern) ausgerichtet. Zwei untereinander angeordnete Bibelzitate sind auf die rechte Längsseite (C, D) geschrieben, eins (E) auf die linke. An den Schmalseiten des Sarkophages befinden sich jeweils zwei Kopfmedaillons, bei dem unteren ist ein Tragring eingehängt. Statt auf Löwenfüßen steht der Sarkophag auf gedrückten Kugeln. Schlechter Erhaltungszustand, die Oberfläche des Deckels ist erheblich korrodiert mit Textverlusten.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Dargestellte Personen
Leopold Georg war ein Sohn Herzog Philipp Ludwigs von Schleswig-Holstein-Sonderburg und der Tochter Landgraf Friedrichs I. von Hessen-Homburg Anna Margareta.10)
Sonstiges
Die ersten beiden Verse des Gedichtes (C) WER GOTT VERTRAVT HAT WOL GEBAVT sind 1525 in Johannes Agricolas Sprichwörtersammlung sowie als Anfang eines Liedes in den 1571/72 herausgegebenen „Tischgesängen“ des Joachim Magdeburg von Gardeleben enthalten und bei Haussprüchen sehr geläufig.3) In einem Kirchenlied Joachim Magdeburgs (1525–um 1587) folgen auch die übrigen Verse, die auf diesem Wege große Verbreitung fanden.9)
Nur die Bibelstelle in (C) ist auf einen nur für kurze Zeit lebensfähigen Säugling bzw. ein früh verstorbenes Kind ausgerichtet. Die anderen Texte konzentrieren sich wie sonst auch vielfach auf Gottvertrauen.
Inschrift
Umschrift
A [ANNO 1660] / DEN 28[TEN] MA[I STARB IM] HERN HOCHS(EELIG)
LEOPOLD / GEORGIVS HERT[ZOG ZV]E SCHLESWIG HOLSTEIN5 /
SE[IN]ES AL[TERS 3 MONA]TE 3 TAGE / DESSEN SEEL IN GOTTES
HAND SAP. 36 C. 12) / AMEN
B SIMBOLVM /
WER GOTT VERTRAVT
HAT WOL GEBAVT3) /
IM HIMMEL VND AVF ERDEN /
WER SICH VERLAST
AVF IESVM CHRIST /
DEN MVS DER HIMMEL WERDEN4) /
SYR 2 CAP5)
C 2 REG // 4 C V(ERS) 20 / VND SEINE MVT//TER SATZT IM AVF IHRE
SCHOS / BIS VMB DEN MITTAG DA STARB ER6) /
D DAT DEVS AC RECIPIT SA͜EPE QVOT12 IPSE [DEDIT]
IOB I137)
E PSALM 8 V(ERS) 3 / AVS DEM MVNDE DER JVNGEN KINDER // VND
SEVGLINGEN HAST TV DIR O GOTT EIN LOB ZVGERICHTET VMB
DEINR FEINDE WIL/LEN DAS DV VERTILGEST DEN FEIND VND
DEN RACHGIRIGEN8)
Übersetzung
(D) Gott gibt und nimmt oft wieder zurück, was [wie viel] er selbst gegeben hat.
Kommentar
Ergänzt mit Schasse (A), Abweichungen und Fehlendes nur ausnahmsweise vermerkt.
Ein Pentameter (D); Deutsche Reimverse, Paar- und Schweifreime (B).
Schrift
Nachweise
Fußnoten
- Hamel, Namens-Verzeichniß Nr. 35; Liste der Bestatteten nach Hamel Nr. 36. ↑
- Zu den Eltern vgl. Knetsch, Haus Brabant 380 XXIII 6; Europ. Stammtafeln NF I,3 Taf. 288. Bei Becker, Gang durch die Fürstengruft 16 Nr. 5 ohne Details, nur erwähnt. ↑
- Vgl. Sprichwörter-Lexikon II, Sp. 90, Nr. 2200; DI 49 (Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau) Nr. 280 mit weiteren Belegen; vgl. auch DI 61 (Stadt Helmstedt) Nr. 467. ↑
- Vgl. Anm. 6 und DI 83 (Holzminden) Nr. 189 von 1611; undatiert in Bad Salzuflen (Kreis Lippe), vgl. Schaefer, Hausinschriften 4 Anm. 2. Grundlage für die Verbreitung war wohl die Harmonia cantionum ecclesiasticarum des Calvisius (Seth Kalwitz, †1615), Leipzig 1597 u. ö. ↑
Literatur
- Schasse (Schlosskastellan): Beschreibung der in der Landgräflichen Familiengruft des Königlichen Schlosses zu Homburg v. d. H. befindlichen Särge (zu Bd. Ia S. 12. 9b) (Ms. in der Fachbibliothek des Schlosses in Bad Homburg v. d. Höhe, Fs HG 98); Übertragung von Barbara Dölemeyer (Typoskript, zur Verfügung gestellt Januar 2018), S. 17 Nr. 36 (A–E), Übertragung Dölemeyer Nr. 36 (A–E).
Bearbeitung
Siehe auch
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Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Säugling Leopold Georg, Herzog von Schleswig-Holstein 1660, Homburg“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2530_saeugling-leopold-georg-herzog-von-schleswig-holstein-1660-homburg> (aufgerufen am 02.11.2026)
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