Leonhard Dietrich 1621, Kronberg

Leonhard Dietrich 1621, Kronberg – Nr. 218
Standort
Gebäude / Areal
Kronberg, Evangelische Pfarrkirche St. Johannes Baptista
Angaben zum Standort
Ist unter der Empore an der Nordwand des Langhauses angebracht.
Beschreibung
Epitaph des Leonhard Dietrich. Hölzerner, bemalter Hängeepitaph. Die Ädikula zeigt in der nahezu quadratischen, von zwei vollplastischen Säulen flankierten Nische das Gemälde mit der Darstellung der Darbietung Jesu im Tempel und den beiden Alten, Simeon und Hannah. Die Sockelzone wird von der querovalen Schrifttafel eingenommen, die mit fünf Zeilen beschriftet ist (A); im Architrav befindet sich eine weitere querovale Inschrifttafel mit einem in drei Zeilen ausgeführten Bibelzitat (B). Der Unterhang des Epitaphs wird in der Mitte von einem Medaillon dominiert, das rechts den Tod als Skelett und links einen liegenden (sterbenden?) Menschen zeigt, aus dessen Leib eine rote Rose hervorwächst. Links und rechts neben dem Medaillon ist die Stifterinschrift (C) in drei Zeilen aufgemalt, zwei kleine tingierte Wappenschilde befinden sich unter dem Medaillon. Im gesprengten Giebel sind drei weitere persönliche Wappen aufgemalt. Die Buchstaben von (A) und (B) sind in goldener Farbe auf schwarzem Grund, die von (C) in schwarzer Schrift auf weißem Untergrund gemalt.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Enthaltene Wappen
unbekannt
Dietrich
unbekannt
Eisenbach (?)
Dietrich
Dargestellte Personen
Sowohl in der vom Auftraggeber getroffenen Wahl des Hauptbildes als auch in den beiden Inschriften (A) und (B) ist das Grabdenkmal auf das Leben des verstorbenen Leonhard Dietrich abgestimmt, der offenbar ebenso fromm und gottesfürchtig war wie der alte Simeon, auf den sich in der Sterbenachricht (A) der Hinweis auf diesen und in (B) die Angabe von Lk 2, 25–35 beziehen. Simeon wartet auf den Trost Israels und, da er die Prophezeiung erhalten hat, erst dann zu sterben, wenn er den Herrn erblickt hätte, erklimmt er täglich den Tempelberg. Als er dort Jesus und dessen Eltern begegnet und ehrfürchtig das Kind in den Armen hält, spricht der Greis die oben in Inschrift (B) zitierten Worte.
Leonhard Dietrich, mehrfach als Baumeister und Schultheiß von Kronberg nachgewiesen,6) erlangte lokale Berühmtheit, als er die Machenschaften Hermanns von Kronberg, der den Tod des letzten Mitglieds des Flügelstammes, des Friedberger Burggrafen Johann Eberhard, am 8./18. Oktober 1617 eigennützig verschwiegen und sich als dessen angeblicher Vertreter in der Herrschaft Handgelöbnisse hatte geben lassen, bei dem Mainzer Kurfürsten Johann Schweickard von Kronberg anzeigte.7) Dietrich erklärte im Auftrag des Kurfürsten unverzüglich alle Handlungen des Kronbergers für nichtig, und unter Sperrung von Lebensmitteln wurde Hermann gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Anna Sidonia (Kat.-Nr. 206), gezwungen, die Stadt zu verlassen, worüber Leonhard Dietrich persönlich zu wachen hatte.8)
Ein Kronberger Keller Johannes Eisenbach wird erst 1671 genannt.9) Die Verwandtschaft ist nicht bestimmbar: Der Stifter von 1624 war entweder der Ehemann von Leonhards Tochter oder der Bruder seiner Frau; davon ist nichts bekannt. Mit Blick auf den Kronberger Altar von 1618 (Kat.Nr. 199) und unter der Voraussetzung, dass dessen Stifter Johannes Dietrich der Bruder Leonhards war und Johannes Eisenbach der Bruder von Johannes Dietrichs Ehefrau Margarethe Eisenbach, müsste man den Stifter des Epitaphs als Schwippschwager bezeichnen.
Inschrift
Umschrift
A Nach dem der Ehrnvest vnd Wohlgelärt herr M(agister) Leonhardt Dit=/terich
den Schuldienst alhie in die 4 Jar, das vnderbaumeister vnd Schulthesen=/ampt
aber 49 Jar trewlich versehen, entschlief er selig mit dem altten Simeon im hern
freitags den 20. FEB(RVAR) abents kurtz nach 5 vhrn A(nn)o5 1624. seines /
alters 79 Jahr 4 wochen vndt 3 tag. Dem Gott gnadt
B Herr nun lesestu6 deinen diener im Friede fahren, wie du gesagt hast, denn mei-
ne augen haben deinen Heÿ=/land gesehen, welchen du bereitet hast allen Völ-
ckern7, ein Licht zu erleuchten die Heÿden vnd zum preisz deines Volcks / Isra-
els LVCA͜E 2 CAP1)
C IN HONOREM PIE DEFUN//CTI IO(ANN)ES EISENBACH NOT(ARI)-
(US) / GEN͜ER IPSIUS TRISTIS//SIM(US) FIERI CURAVIT / 1//6//2//4
Übersetzung
(C) Zu Ehren des fromm Verstorbenen hat sein tiefbetrübter Schwiegersohn/Schwager/Schwippschwager, der Notar Johannes Eisenbach, (dieses Denkmal) machen lassen. 1624.
Schrift
Nachweise
Fußnoten
- In der Rückrechnung aus der Grabinschrift ergibt sich das Jahr 1575; sichere Belege ab 1580 bei Ronner, Herren von Kronberg Nr. 4016; Nrr. 2225, 4078 zu 1582; Nr. 3757 zu 1585; Nr. 4018 zu 1590; Nr. 4020 zu 1595; Nr. 3759 zu 1596; Nr. 2299 zu 1604; Nr. 4122 zu 1609; Nr. 4033 zu 1614; Nr. 572 zu 1615. ↑
- Ebd. Nr. 892. ↑
- Ebd. Nr. 895; vgl. zur Regelung dieser Erbstreitigkeiten ebd. Nrr. 909–920. ↑
- Ebd. Nr. 940. ↑
Literatur
- Waldschmidt, Johann Martin: Epitaphien und Wappenschilde aus Frankfurter Kirchen, vom St. Peterskirchhof und aus der Kronberger Kirche. StaA Frankfurt a. M. (Institut für Stadtgeschichte), Epitaphienbücher Nrr. 1–12 Konzepte; Nr. 12, Fascz. 16: [Epitaphien] zu Cronberg in der Kirche, descripta den 6. Juli 1707, fol. 79–86, hier fol. 80.
- Doerr, Wilhelm/Aßmann, Helmut: Cronberger evangelisch-christliche Pfarr=Chronik. Typoskript (um 1936): PfarrA Ev. Kirchengemeinde Kronberg (TurmArchiv) Nr. 81.3 (Fotokopie), S. 37; 24 (B, tw.).
Bearbeitung
Indizes
Siehe auch
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Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Leonhard Dietrich 1621, Kronberg“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2497_leonhard-dietrich-1621-kronberg> (aufgerufen am 01.11.2026)
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