Johann Georg Arnold 1680, Allendorf

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Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Gebäude / Areal

Bad Sooden-Allendorf, Steintor, Friedhofshalle

Angaben zum Standort

Aufgestellt in der Friedhofshalle als erster Stein von links.

Merkmale

Datierung

1680

Typ

Erhaltung

erhalten

Größe

96 x 199 cm (B x H)

Größe der Buchstaben

(A) 2,5, (B) 4,5 cm

Beschreibung

Grabstein des Johann Georg Arnold. Hochrechteckiger Stein, im Mittelfeld Inschrift A in gestaffelten, größtenteils etwas nach links versetzten Zeilen, nach oben und unten durch Gesims abgeschlossen, rechts und links mit Ranken belegte Rahmenleisten; über dem Mittelfeld Rollwerkbekrönung, darin Vollwappen mit Beischrift B, von der Helmzier unterbrochen. Unter dem Mittelfeld schlichter quaderförmiger Sockel. Inschriften eingehauen.
Die Inschrift beginnt auf der unzugänglichen Seite des Steines. Doch können der Anfang und rechts unten abgewitterte Textteile aus der kopialen Überlieferung bei Strieder ergänzt bzw. überprüft werden. Strieder gibt den Text mit Groß- und Kleinschreibung und mit Zeichensetzung wieder, er benutzt Abkürzungen und schreibt et und ae mit Nexus litterarum. Hier wird der Text wiedergegeben gemäß der Praxis, die am erhaltenen Teil erkennbar ist: in Kapitalis, ohne Abkürzungen, ohne Zeichensetzung und ohne Nexus litterarum.

Geschlecht, Alter, Familienstand

Enthaltene Wappen

Arnold(?)1)#Wappen Arnold (Mann mit Hut, einen Blumenstrauß in der erhobenen Rechten haltend).

Dargestellte Personen

Strieder zitiert die Inschrift in dem Kapitel über Moritz Christian Arnold, der als Jurist hervorgetreten ist.2) Er nennt Johann Georgs Eltern und erwähnt eine zweite Ehe des Lehnsekretärs Heinrich Arnold, die er 1627 mit Anna Margarethe Bernhard schloss. Bei Heinrich Arnolds Todesdatum muss er sich geirrt haben.3)
Johann Georg Arnold, der nach dieser Inschrift am 11. Mai 1609 geboren wurde, war im Jahr 1641 zusammen mit dem fürstlich hessischen Rat Johann Heinrich Hund in einer Kontributionssache für einige Tage in Allendorf.4) Das war wohl zu der Zeit, ehe er Isenburgischer Rat war.
Johann Georg Arnold war mit Amelia Christina Biermann verheiratet.5) Diese starb 1703 in Allendorf.6) Ihr Vater, den die Grabinschrift erwähnt, ist zwar bekannt als Bürgermeister von Kassel, nicht aber als Rat und Kanzleidirektor. Hat man die Angabe Strieders oder die des Historikers Hans Heinrich Arnold – sie wird bei Gundlach zitiert – übersehen oder ihr keinen Glauben geschenkt? Sie wird aber durch die Inschrift und einige Urkunden bestätigt.7)
Den Kirchenbucheinträgen entnimmt man, dass Arnold und/oder seine Frau von vor 1680 bis mindestens 1703 in Weiden gewohnt haben. Dann werden sie auch die Besitzer des Hofes gewesen sein. Das war anscheinend bisher nicht bekannt. Belegt ist, dass der Hof 1598 im Besitz der Gauler und Arnold war.8) Damit können nur Heinrich Arnold und Dorothea Gauler gemeint sein, denn die Inschrift bezeichnet Weiden als Johann Georg Arnolds väterliches Gut. Der Hof blieb aber nicht ununterbrochen im Besitz der Arnold, sondern befand sich eine Weile – für 1671 ist das belegt – im Besitz des Hauptmanns Eckardt.9) Der Grund dafür ist nicht bekannt, er könnte in Verbindung mit Johann Georgs auswärtiger Tätigkeit stehen oder schon aus Heinrich Arnolds Tätigkeit und Dorothea Gaulers Tod resultieren. Bald nach 1671, so ist zu vermuten, ging dann der Hof wieder in den Besitz der Arnold über.10) Dass 1671 das Jahr war, in dem Arnold nach Weiden zurückkehrte – diese Annahme liegt nahe, ist aber wohl nicht beweisbar.
Am 28. Mai 1680 verzeichnet das Kirchenbuch Allendorf die Bestattung des Johann Georg Arnold.11)

Inschrift

Umschrift

A [IOHANNES GEORGIUS ARNOLD CASSELLIS ANNO 1609 DIE 11
MAII HENRICO ARNOLD SERENISSIMA⌣E DOMUS HASSO-
CASSELLANA⌣E QUONDAM SECRETARIO FEUDALI ET DORO-
THEA11 GAULERIN CONIUGALI AMORE FOEDERATIS NATUS
POSTQUAM PERACTO IN VARIIS GERMANIA⌣E ET GALLIA⌣E ACA-
DEMIIS STUDIORUM CURSU PERAGRATIS SIMUL PER MULTOS
ANNOS BELGII GALLIA⌣E ET ANGLIA⌣E ORIS CELEBREM VARIA-
RUM LINGUARUM ET IURIS COGNITIONEM SIBI ACQUISIVIS
SET AB ILLUSTRISSIMO COMITE IN WIED ET YSENBURG DOMI-
NO RONCALIA⌣E ETC(ETERA) UT SIBI SUISQUE TERRIS A CONSI-
LIIS ESSET ET SECRETIS ACCERSITUS IUSTITIA⌣E ET POLITIA⌣E
PER MULTORUM ANNORUM SPATIUM PRAEFUIT INTERIM VE-
RO MORTUIS ILLUSTRISSIMIS COMITIBUS DOMINO MAURITIO
CHRISTIANO ET DOMINO IOHANNE ERNESTO FRATRIBUS
GERMANIS TOT PEREGRINATIONIBUS ET AULICIS NEGOTIIS
TENACI DENIQUE MORBORUM GENERE LABEFACTUS PATRIAM
REPETERE ET IN PRA⌣EDIO PATERNO WEIDEN RELIQUAM VITA⌣E
SUA⌣E QUIETEM QUA⌣ERERE CONSTITUIT] // QUAM SOEPIUS
QUA⌣ESITAM TANDEM IBI12 INVENIT / DUM ANNO 1680 21 MAII. /
DIRIS PER MULTOS ANNOS ARTICULORUM DOLOR[IBU]S / AC
VARIIS QUIBUS CIRCUMSEPTA VITA A⌣ERUMNIS / VITAM SUAM
SATIS EXERCITATAM / ET PENITUS QUASSATAM / CUM PLACIDA
ET QUIETA MORTE / IN CHRISTO IESU SALVATORE SUO / COM-
MUTAVIT / ET / EX AMELIA CHRIS[TINA] CONIUGE / IOANNIS
BIERMANNI / I(URIS) C(ONSUL)TI QUONDAM ET [TRIUM
CELS]ISSIMORUM / HASSIA⌣E PRINCIPUM C[ONSILIAR(II)] ET
CAN[CELLARIA⌣E] / DIRECTORIS FILIA / TRIBUS POST SE RELIC-
TIS FILIIS / FILIA VERO [UNI]CA / MORTALITATIS [EXUVIAS] /
SUB HOC SAXO / DEPOSUIT / CUM IN AERUMNOSO HUIUS
[VI]TA⌣E [MOMEN]TO / TRANSEGISSET ANNOS LXXI D[IES] X
B A(MELIA) C(HRISTINA) // A(RNOLD)

Übersetzung

(A) Johann Georg Arnold, in Kassel im Jahr 1609, am 11. Mai geboren (als Sohn) des Heinrich Arnold, weiland Lehnsekretär des allerdurchlauchtigsten Hauses Hessen-Kassel, und der Dorothea Gauler, die einander in ehelicher Liebe verbunden waren, hatte an verschiedenen deutschen und französischen Universitäten die Studiengänge durchlaufen und war zugleich viele Jahre lang durch Gebiete Belgiens, Frankreichs und Englands gezogen. Nachdem er sich so eine rühmliche Kenntnis des Rechts und verschiedener Sprachen erworben hatte, holte ihn der durchlauchtigste Graf von Wied und Isenburg, Herr von Runkel usw. (an seinen Hof), damit er ihm und seinem Land als Rat und Sekretär diene; so war er für einen Zeitraum von vielen Jahren mit der Leitung von Rechts- und politischen Angelegenheiten betraut. Inzwischen aber, als die durchlauchtigsten Grafen, Herr Moritz Christian und Herr Johann Ernst, leibliche Brüder, gestorben waren, hatte ihn wegen zahlreicher Reisen und Hofgeschäfte schließlich eine hartnäckige Krankheit geschwächt, und er beschloss, seine Heimat aufzusuchen und die seinem Leben noch verbleibende Ruhe auf dem väterlichen Gut in Weiden zu suchen. Sie, die er öfter gesucht hatte, fand er dort endlich, bis er im Jahre 1680 am 21. Mai infolge jahrelanger furchtbarer Gliederschmerzen und vielfältiger Beschwerden, die sein Dasein umgaben, sein reichlich gepeinigtes und bis ins Innerste erschüttertes Leben mit einem sanften und friedlichen Tod in Jesus Christus, seinem Erlöser, vertauschte. Von seiner Frau Amelia Christina, Tochter des ehemaligen Rechtsgelehrten Johannes Biermann, Ratgeber dreier hervorragendster Fürsten Hessens und Kanzleidirektor, Kinder zurücklassend – drei Söhne, aber nur eine Tochter – legte er seine sterbliche Hülle unter diesem Steine ab, nachdem er im mühebeladenen Hin und Her dieses Lebens 71 Jahre 10 Tage vollendet hatte.

Kommentar

Ergänzt nach Strieder.

Schrift

Nachweise

Fußnoten

  1. s. Strieder 4, 503 f. ↑
  2. Nach Strieder 4, 503 f. (s. auch Reccius 126) starb Heinrich Arnold, Lehnssekretarius zu Kassel, im Jahr 1626. Das kann nicht richtig sein, da Strieder gleichzeitig mitteilt, Arnold habe am 10. 12. 1627 als zweite Frau Anna Margarethe Bernhard geheiratet. Reccius 126 betrachtet 1626 als Sterbejahr der Dorothea Gauler. Sie war Tochter des Georg Gauler und der Margarethe Corper. ↑
  3. s. Franz 86. ↑
  4. s. Tennstedt 371 s. v. Arnold, Moritz Christian. ↑
  5. s. KB Allendorf, Βd. 2, S. 305 (1701): „den 22. Julii Frau Christina Amelia gebohrne Biermannin, Herrn Johann George Arnolds gewesenen Landgräflichen(?) allhier und Isenburgischen Raths in Weyden wohnhaft zu erden bestattet worden so alt gewesen 70 jahr 2 monath 25 tage“. Weiden liegt nahe bei Kleinvach und ist jetzt Ortsteil von Bad Sooden-Allendorf. ↑
  6. Gundlach 144 Anm. 414: „(Biermann starb) nach Arnold (Bl. 107) aber als Hessen-Rotenburgischer Kanzler 12. XI. 1650.“ Tennstedt 383 s. v. Biermann erwähnt Arnolds Hinweis nicht einmal. s. auch HStAM, 17 e, Kassel 492: Jean Honoré Feron, Bürger zu Kassel, gegen Johann Biermann, Hessen-Rotenburgischer Rat und Kanzleidirektor, wegen Neubau eines Hauses, besonders wegen der bei dem Bau zu errichtenden Mauern zwischen beiden Grundstücken, Laufzeit 1644–1647 (zitiert nach Arcinsys) sowie HStAM, 17 d, von Eschwege 17: Finanzielle Forderungen der Anna Margaretha, Witwe des Kanzleidirektors zu Rotenburg Johannes Biermann, in Kassel an die Erben des Obristen Hans Wilhelm v. Eschwege, Laufzeit 1651–1652 (zitiert nach Arcinsys). ↑
  7. Siehe „Weiden, Gemeinde Bad Sooden-Allendorf“, in: Historisches Ortslexikon (Stand: 12. 10. 2010). ↑
  8. Siehe „Weiden, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon (Stand: 4. 6. 2013). ↑
  9. Dafür sprechen die folgenden Archivalien: HStAM, 17 e. Allendorf Werra 241 berichtet von „Streit zwischen Johann Georg Arnold zu Allendorf / W. und der Familie v. Homberg zu Kleinvach wegen eines Weidengestrüpps“ im Jahr 1678 (zitiert nach Arcinsys). HStAM, 17 e, Allendorf Werra 254 hat zum Inhalt „Christian und Johann Georg Arnold gegen Anna, Ehefrau des Dr. Theodor Christopherus Godenius wegen Rückzahlung einer Geldsumme und Anteils an den Pfannen zu Sooden. Laufzeit 1667–1672.“ (zitiert nach Arcinsys). ↑
  10. KB Allendorf S. 605 (1680): „Herrn Johann Georg Arnhold auß der waydes gewesener Secretarius und Rat(?) (2 Wörter unleserlich) zu und von(?) Ysenburg alt 71 Jahre 11 tage“. ↑

Literatur

Bearbeitung

Indizes

Wappen

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Johann Georg Arnold 1680, Allendorf“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2370_johann-georg-arnold-1680-allendorf> (aufgerufen am 02.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/gdm/2370