Elisabeth Behn 1581, Witzenhausen

Abb. 44: Witzenhausen, Liebfrauenkirche, Epitaph Behn (1581) – Nr. 71
Standort
Gebäude / Areal
Witzenhausen, Liebfrauenkirche
Angaben zum Standort
An der Innenseite der Nordwand.
Merkmale
Datierung
1581
Typ
Erhaltung
erhalten
Größe
90 x 125 cm (B x H)
Größe der Buchstaben
(A, B, E) 3, (C) 2, (D) 4 cm
Beschreibung
Epitaph für Elisabeth Behn. Hochrechteckige Platte. Über einem schlichten Sockel mit neunzeiliger Inschrift E erhebt sich eine Bildnische in vertieftem Feld, dessen Rand die Inschrift A dreiseitig umläuft und auf der Bodenplatte des Bildes endet, am Beginn die Buchstaben etwas kleiner, um dem herüberschwingenden Kleid auszuweichen; links oben im Bildfeld unter dem Gebälk Bibelspruch (Inschrift B). Ein Giebel wahrscheinlich verloren. Das Bild zeigt in Flachreliefdarstellung links im Vordergrund eine Frauengestalt und rechts daneben ihre sechs Kinder (vier Knaben, zwei Mädchen), die Personen knien oder stehen vor einem Kruzifix mit Titulus (Inschrift C); unter den Füßen des Gekreuzigten Künstlersignatur D. Alle Inschriften eingehauen, als Worttrenner Quadrangel, teils auf der Grundlinie, als Kürzungen oft Doppelpunkte aus Quadrangeln, die aber gleichzeitig die Worttrennung markieren.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Dargestellte Personen
Aus den schriftlichen Quellen weiß man, dass eine Tochter des Pfarrers Justus Behn (zu diesem s. o. Kat.-Nr. 59) mit dem Stadtschreiber Joel Frank verheiratet war. Weiter ist bekannt, dass Frank aus Süddeutschland stammte, am 3. Dezember 1572 das Witzenhäuser Bürgerrecht erlangte und danach von 1573 bis 1591 Stadtschreiber in Witzenhausen war, wo er den größten Teil des Witzenhäuser Stadtbuches geschrieben hat.3) Doch erst diese Inschrift verrät, dass die mit Frank verheiratete Pfarrerstochter den Vornamen Elisabeth trug.4) Sie starb möglicherweise bei der Geburt von Zwillingen, wie aus dem Plural NATIS zu folgern ist; an Drillinge oder noch mehr Kinder wird man nicht denken wollen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass der Plural in der Verstechnik begründet ist. Der ungewöhnliche Ausdruck FAECVNDI PARTVS lässt sich ohne Mühe als Hinweis auf eine Mehrlingsgeburt auffassen; das Adjektiv ist dann nicht nur ein schmückendes Beiwort.
Sonstiges
Nicht zu verifizieren war die Angabe, dass auf diesem Stein die Worte Cir. Geil zu finden seien.5) Sie ist ja auch wenig plausibel, denn sie wirft die Frage auf, was der Name eines städtischen Bauaufsichtsbeamten auf einem Grabstein zu suchen hat. Übrigens schreibt Hütteroth6) zu Katharina (Behn), „ihr Grabstein, bearbeitet von Ciriacus Geilfuß, findet sich in der Pfarrkirche zu Witzenhausen“. Ein Grabstein der Katharina Behn ist aber dort nicht vorhanden; mir scheint Hütteroth Eckhardts Angabe fehlerhaft wiedergegeben zu haben.
Der Künstler Andreas Herber7) signierte mit den Buchstaben AB in Nexus. Die Schriftformen entsprechen seinem Repertoire, wie der Schriftvergleich zum Berlepsch-Epitaph (Kat.Nr. 73) zeigt. Hier bezog der Meister dekorative Sonderformen mit ein, nämlich M mehrfach mit schrägen Außenschäften, N einmal(!) (MATRONAE) mit geschwungenem Schrägschaft.
Inschrift
Umschrift
A A(NN)O SAL(VTIS) HVM(ANAE)6 1 · OCT(OBRIS) ENTSCH⌣LIF7
GOTSELIG / IN CH⌣R(IST)O DIE · ERENTVGE(N)T(REICHE) · ELI-
SABET BEHNIN JOELIS FRA(N)CK] · STADS(CHREIBERS) / ELICH⌣E
HAVSFRAW · WIRT · MIT · DE(N) GLEVBIGE(N) · IM · H⌣ERN / FRO-
LICH · AVFERSTHEN
B PHILIP(PER) · AM · 1· CAP(ITEL) / CHRISTVS · IST · MEIN · LE=/BEN
VND · STERBEN / MEIN GEWIN1) ·
C I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDAEORVM)2)
D A⌣(⌣N⌣D⌣R⌣E⌣A⌣S⌣)⌣ ⌣B(ILDHAVWER)10
E EPITAPHIVM MATRONA⌣E PVDICISSIMA⌣E ELISABETA⌣E /
BENENIA⌣E · VXORIS JOELIS FRANCI HVI(VS) OPPIDI / SCRIBA⌣E ·
PVB(LICI) PRID(IE) CALEND(AS) OCTOB(RIS) PLACIDE · E · / VITA
· IN · CELESTEM · PATRIAM COMMIGRANTIS · A(NN)O CH⌣R(IST)I
/ MDLXXXI11
HOC · LACRŸMIS QVICVNQ(VE) VIDES · ORNATO · SEPVLCRVM /
QVO PIA CVM NATIS · ELISABETA · IACET · /
HA⌣EC · VBI · FA⌣ECVNDI · PARTVS · EST · SA⌣EPE · POTITA · /
OCCVBVIT · TANDEM [·] SALVA · PVERPERIO · /
Übersetzung
(E) Epitaph der höchst sittsamen Elisabeth Behn, der Ehefrau des Stadtschreibers Joel Franck, die am Tag vor den Kalenden des Oktober (30. September) sanft aus dem Leben in die himmlische Heimat wanderte im Jahre Christi 1581.
Schmücke, wer immer du es siehst, mit Tränen dieses Grab, in dem die fromme Elisabeth mit ihren Kindern liegt. Nachdem sie oftmals Kinder geboren hatte, starb sie schließlich (von Sünden) erlöst im Kindbett.
Kommentar
Zwei Elegische Distichen (E).
Schrift
Nachweise
Fußnoten
- s. Stadtbuch 150 Nr. 483 und S. 306 in Verbindung mit S. 228 Nr. 896. ↑
- Darauf hat schon Reyer, Benenius 119 aufmerksam gemacht, der Elisabeths Epitaph würdigt und abbildet und daraus den Beginn des lateinischen Teils zitiert. ↑
- Eckhardt, Bürgerbauten 23. ↑
- Hütteroth 21 s. v. Bene, Justus. ↑
- Zu Andreas Herber (ca. 1530–1614) s. Einleitung Kap. 4.6.1. ↑
Bearbeitung
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Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Elisabeth Behn 1581, Witzenhausen“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2322_elisabeth-behn-1581-witzenhausen> (aufgerufen am 02.11.2026)
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