Hartmud der Junge von Königstein 1337, Königstein
Standort
Gebäude / Areal
Königstein, Katholische Pfarrkirche St. Marien
Angaben zum Standort
Der ursprüngliche Bestattungsort in der Kirche ist unbekannt.
Heutiger Aufbewahrungsort
Angaben zum Aufbewahrungsort
Ist seit 1875 in der Turmhalle links vom Eingang als erster Stein aufgerichtet.
Merkmale
Datierung
1337
Typ
Material
Erhaltung
erhalten
Größe
85 x 182 cm (B x H)
Größe der Buchstaben
6 cm
Beschreibung
Grabplatte eines Hartmut. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein. Sie ist verkehrt herum, also kopfunter, angebracht, so dass der Beginn der zwischen Linien in einer Zeile umlaufenden Inschrift heute als Fußzeile erscheint. Im Feld ist oben an die innere Linie anstoßend ein großes Wiederkreuz eingeritzt. Die quer gebrochene Platte ist heute ausgebessert und mit roter Steinfarbe gestrichen; unten links (= eigentlich rechts oben) weist sie Textverlust durch Abspitzen auf. Als Worttrenner dienen halbkugelig vertiefte Punkte.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Dargestellte Personen
Hartmud von Königstein, Pfarrer, gestorben 1337.
Obwohl die Majuskeln der Inschrift zeitkonforme Bildung zeigen, offenbaren irreguläre Schreibweisen die Unsicherheit des Herstellers bei der Umsetzung des Textes. Dieser ist gestört beim Heiligennamen der Datierung und nach dem Vornamen des Verstorbenen. Der auf den Vornamen folgende Textbestandteil ist offenbar verballhornt; die schlichte Lesart als PUER würde in der Wortbedeutung „Knappe“ keinen Sinn machen, da danach der Ortsname angeschlossen ist. So ist vielmehr davon auszugehen, dass dadurch die Zugehörigkeit des Verstorbenen zu einer Personengruppe bzw. seine Funktionsausübung innerhalb des Ortes angezeigt wird. Es dürfte sich bei dem verderbten Wort um den gescheiterten Versuch handeln, den deutschsprachigen Titel „Pfarrherr“ in die Inschrift einzubringen. Frühe volkssprachige Inschriften oder in lateinische Inschriften eingestreute Wörter weisen oft irreguläre und damit das Verständnis hemmende Schreibungen auf.2) Die Pfarrei Königstein wird erstmals im Jahre 1275 genannt, 1277 ein „Godescalcus plebanus“.3) Nach einer Urkunde von 1332 heißt der Pfarrer von Königstein Hartmann, der in demselben Jahr auch als Pfarrer in Gronau amtierte.4) Dabei fallen die Namensunterschiede Hartmudus/Hartmannus wohl nicht so sehr ins Gewicht, dass es sich bei dem Verstorbenen nicht um den in den Urkunden erwähnten Pfarrer handeln könnte.5)
Angesichts der Residenzpflicht der Pfarrer von Gronau und Ober-Eschbach in der Burg6) wird man ein ursprüngliches Begräbnis des Hartmut/Hartmann und des Nikolaus von Eschbach (Kat.Nr. 33) in der Vorgängerkirche der heutigen Pfarrkirche, ehemals Kapelle St. Maria im Tal, bezweifeln müssen.7)
Inschrift
Umschrift
A(NNO) D(OMINI) MCCCXXXVII + (OBIIT) IN DIE S(ANC)TI AEGIDII D(OMI)N(V)S HARMVDVS PVERHY IN KONEGINSTEIN
Übersetzung
Im Jahre des Herrn 1337 starb am Tag des Hl. Aegidius Herr Hartmut Pfarrer in Königstein.
Kommentar
Inschrift nach Luthmer und Stöhlker. Stöhlker lehnt die von Lotz, Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden 1888, S. 260, gegebene Lesung PVERHY ab und liest PHERNE (für Pfarrer).
Schrift
Nachweise
Fußnoten
- Im benachbarten Rheingau-Taunus-Kreis datiert der erste volkssprachliche Textteil von 1381, vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 119 und dazu auch oben Einleitung Kap. 4.7. ↑
- Vgl. auch Kleinfeldt/Weirich, Kirchenorganisation 70, Nr. 15 IIa und Anm. 3. ↑
- Stöhlker 145 nach NUB I,3 Nrr. 1973 und 1994. ↑
- So bereits Stöhlker in beiden Veröffentlichungen: 29, 145f. ↑
- Vgl. Stöhlker, Geschichte kirchlichen Lebens 146f. ↑
- Vgl. auch Einleitung Kap. 2.1.4. Gegen Stöhlker, Geschichte kirchlichen Lebens 148f. sah Struck, Rez. Königstein in Vergangenheit und Gegenwart 277 einen Übergang der Pfarrrechte an die heutige Pfarrkirche St. Maria im Tal (= später Maria Himmelfahrt) nicht schon mit dem Pfarrergrabstein (Kat.-Nr. 2) gegeben. ↑
Literatur
- Luthmer, Kunstdenkmäler Östlicher Taunus S. 81 f.
- Stoehlker, Königstein S. 145 f.
- Lotz, Wilhelm: Die Baudenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden. Hrsg. von Friedrich Schneider. Berlin 1880; ND Walluf bei Wiesbaden 1973, S. 261.
- BKdm. II – Die Bau- und Kunstdenkmäler des östlichen Taunus. Landkreis Frankfurt, Kreis Höchst, Obertaunuskreis, Kreis Usingen. Bearb. von Ferdinand Luthmer. Frankfurt a. M. 1905 (Bau- u. Kunstdenkm. Reg.bez. Wiesbaden II)., S. 82 (teilw.).
- Bildarchiv Foto-Marburg, Aufn.-Nr. 28101 (Foto v. 1937).
- Stöhlker, Friedrich: Die Grabsteine der Königsteiner Pfarrkirche. In: Beschreibung und Geschichte, (s. dort), S. 29–38, hier S. 29.
- Stöhlker, Friedrich: Die Geschichte des kirchlichen Lebens in Königstein von den Anfängen bis 1803. In: Königstein in Vergangenheit und Gegenwart, (s. dort), S. 144–164, hier S. 146.
Bearbeitung
Siehe auch
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Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hartmud der Junge von Königstein 1337, Königstein“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/1148_hartmud-der-junge-von-koenigstein-1337-koenigstein> (aufgerufen am 02.11.2026)
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