Johann Conrad Wormser 1704, Gießen

19378F4F-88AF-441E-BC79-64A0466C0DEA
Ortsname
Gießen
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Gebäude / Areal

Gießen, Alter Friedhof (Licher Straße).

Heutiger Aufbewahrungsort

Angaben zum Aufbewahrungsort

Außen an der Nordwand der Friedhofskapelle.

Merkmale

Datierung

1704

Typ

Material

Erhaltung

erhalten

Größe

69 x 93 cm (B x H)

Größe der Buchstaben

2,5-4 cm

Beschreibung

Weiteres Maß: Tiefe 13 cm.
Der ungerahmte Inschriftteil nimmt zwei Drittel des Grabsteines ein, Abblätterungen im unteren Bereich betreffen auch die Inschrift.
Der obere Abschluß hat eine halbkreisförmig erhöhte Mitte mit bekrönender Halbkugel und weitere Halbkugeln auf beiden Seiten im Verlauf zu den Rändern. In Berücksichtigung dieser Umgrenzung ist der figürliche und heraldische Schmuck in symmetrischer Entsprechung komponiert. Wie mehrfach bei Steinen des frühen 18. Jahrhunderts zu beobachten, umgeben auch hier zwei ganzfigurige Engel den mittleren Schild mit Handwerkszeichen. Da ihre Flügel jedoch nicht wie sonst gefiedert, sondern den Flügeln von Schmetterlingen ähnlich gebildet sind, - auch die Figur der Psyche kann derartige Flügel haben - können sie auch Genien genannt werden. Sie sind bis auf ein schmales Tuch unbekleidet. In den nach unten geführten Händen halten sie stabförmige Gegenstände, bei denen es sich um gedrehte Kerzen mit nach unten gekehrten Flammen handeln kann, ein möglicher Hinweis auf den Tod. Im Rahmen der Gießener Steine der angegebenen Zeitspanne sind diese Figuren relativ frühe Beispiele für die Art, sie gleichsam von den Seiten zur Mitte fliegend wiederzugeben, wobei sie aus dem Bildfeld heraus blicken. Die besondere Form der Flügel scheint nur hier zu begegnen. Mit den jeweils nach oben geführten Händen halten sie eine Krone – die Krone des Lebens – unterhalb des mittleren Abschlusses. Diese ist zu verstehen im Sinn der biblischen Texte von Jakobus 1, 12 und Offenbarung Johannis 2, 10.
Eine Abbildung aus den 1930er Jahren im Stadtarchiv Gießen zeigt den unteren Abschluß des Steines, der heute fehlt.

Enthaltene Wappen

Der Wappenschild zeigt historische Handwerkszeichen der Tuchmacher oder Wollweber: zwei überkreuzte Weberschiffchen in der Mitte und vier rechteckige Kardätschen, deren Drahtstifte dazu dienen, die Fasern der Wolle zu verfeinern (so Azzola, s. Literatur).

Inschrift

Umschrift

Hier Ruhet in Gott, /
Der wohl Ehrenveste, vorachtbahre und /
Wohl weiße weyl:(and), Herr Johann Conrad wormser, /
burger und wohlwewer So dann Rath und Gericht= /
Schöpff, wie auch Kirchen SENIOR in Gießen, welcher AN(NO) 1644 /
[de]n 21 SEPTEMB:(RIS) in diese welt gebohren · ANNO 1670 /
[de]n 18 JULIJ Hat Er sich mit damahlicher Jungfrauen /
Marien Eliesabethen, Herren Balthasar Stöhrs /
Ehe Leiblichen Tochter Ehelich eingelassen mit Selbi /
ger eine Höchst erwünschte Ehe 26 Jahr lang besessen /
und darin 6 Söhne, v(nd) 5 Töchter, wovon noch ein Sohn v(nd) /
3 Töchter im leben erzielet · und als Ihme dieselbe a(nn)o 1696 /
durch den Zeitlichen Todt entzogen, Hat Er sich a(nn)o 1697 /
in die Zweyte Ehe eingelassen, mit Maria Dorathea Her(rn) /
Ernst Friederich Breiswercks seel:(ig) W(itwe) · mit selbiger /
sieben Jahr eine Friedliche Ehe geführet, darin 1 Sohn /
v:(nd) 1 Tochter gezeuget, so noch im leben · Endlich ist er a(nn)o /
[1]704 den 8 AUGUST:(I) dem Herrn sell:(ig) entschlaffen /
nachdm (!) Er in dieser welt gelebet 59 Jahr 6 MONATH /
[…..] tage ·

Kommentar

Inschrift zum Teil nach Foto aus den 1930er Jahren im Stadtarchiv Gießen.

Schrift

Nachweise

Literatur

  • Azzola, Friedrich Karl: Der Grabstein des Gießener Tuchmachers Johann Conrad Wormser, 1704, an der Kapelle des Alten Friedhofs, insbesondere sein historisches Handwerkszeichen. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Giessen NF 75 (1990), S. 147 ff.

Bearbeitung

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, ehemals HLGL

Siehe auch

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Orte

Personen

Quellen und Materialien

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Johann Conrad Wormser 1704, Gießen“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/1031_johann-conrad-wormser-1704-giessen> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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