Conrad Ulmann Böcklin von Böcklinsau 1704, Rodheim-Bieber

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Ortsname
Rodheim-Bieber
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Heutiger Aufbewahrungsort

Angaben zum Aufbewahrungsort

In die innere Nordwand des Chores eingelassen.

Merkmale

Datierung

9. November 1704

Typ

Material

Erhaltung

erhalten

Größe

90 x 160 cm (B x H)

Beschreibung

Der Stein zeigt im Feld des halbrunden Giebels mittig einen stehenden Engel in langem, faltenreich herabfallendem Gewand, der mit beiden Händen je ein Vollwappen hält. Beide Wappen sind auf dem Rand des Giebels mit Namen bezeichnet (A). Unterhalb dieser Darstellungen eine lange, durch eine Ritzlinie gerahmte Inschrift (B) in Fraktur.
Am unteren Ende des Steines ein Totenschädel auf zwei gekreuzten Knochen und rechts davon vier Buchstaben (C), bei denen es sich um die Initialen des unbekannten Bildhauers handeln könnte.

Geschlecht, Alter, Familienstand

Stand

Enthaltene Wappen

Zwei Vollwappen im halbrunden Giebelfeld. Das linke mit nach rechts aufgerichtetem Steinbock sowohl im Schild als auch auf dem Helm ist das der Familie Böcklin von Böcklinsau. Das rechte Wappen der Familie Lesch von Mühlheim zeigt im Schild drei miteinander verbundene Kleeblätter in der Anordnung 1:2 (statt üblicherweise 2:1) und als Helmzier zwei Flügel, die jeweils mit dem Schildbild belegt sind.

Dargestellte Personen

Nach der Inschrift wurde Conrad Ulmann Böcklin (Böckel) von Böcklinsau am 23. Februar 1627 zu Meerburg im Elsaß (= Mörburg, eine abgegangene Wasserburg in Schutterwald-Höfen bei Offenburg) geboren. Seine Eltern waren Wolfgang (Wolf) Friedrich Böcklin von Böcklinsau und Anna Margaretha geb. Lesch von Mühlheim (Tochter Hans Hermanns und der Margaretha geb. von Nordeck zur Rabenau). Am 11. Januar 1660 heiratete er als Hauptmann zu Gießen Sabina Maria (auch Maria Sabina) von Buseck, verwitwete Rau von Holzhausen, die am 8. April 1634 zu Gießen getaufte Tochter des Ulrich Eberhard von Buseck und Witwe des etwa 1657 verstorbenen Johann Henrich Rau von Holzhausen. Aus der Ehe ging nur ein früh verstorbener Sohn hervor.
Conrad Ulmann hielt sich jedoch auch schon vor seiner Eheschließung in hiesiger Gegend, vornehmlich in Gießen, wo er Hauptmann und später hessen-darmstädtischer Obristwachtmeister zu Fuß war, auf und erwarb z. B. 1658 von seiner Base, der Witwe Maria Elisabetha Lesch von Mühlheim geborene Wolfskehl zu Vetzberg, mit Zustimmung von deren Schwägerin Felicitas Agnes Wolfskehl zu Vetzberg geborene Lesch von Mühlheim, ebenfalls Witwe, für 1000 Reichstaler deren Gut zu Vetzberg mit allem Zubehör. Damit verbunden war auch ein Erbbegräbnis in der Rodheimer Kirche.
In seinem am 12. April 1686 zu Gießen verfassten Testament bestimmte Conrad Ulmann unter anderem, dass er ohne sonderbahres gepränge in die Kirche zu Rodheim neben sein am 18. August 1666 verstorbenes einziges Söhnlein bestattet werden möchte. Laut Inschrift des Epitaphs starb er schließlich am 9. November 1704. Am 14. November wurde sein Leichnam von Gießen, wo er demnach verstorben war, nach Rodheim überführt und in sein Erbbegräbnis ins Chor der Kirche begraben. Seine Witwe starb am 7. März 1711 in Gießen und wurde am 11. März ebenfalls im Erbbegräbnis zu Rodheim bestattet.

Inschrift

Umschrift

A: (Namensbeischriften zu den Wappen)
Böckel von Böcklinsaw
Lösch von Müllenheim
B:
Der Reichs Frey Hochwohlgebohrne Herr, H:(err) /
Conradt Ulmann Böckel von Böcklinsaw, Hochfürst= /
licher Hessen Darmstättischer wolbestelter Obristwacht /
meister zu Fus ist in A(nno) 1627 · den 23 februarij zu Meer /
burg im Elsaß gebohren, in A(nno) 1704 · den 9 · Novemb:(ris) /
in seinem Erlöser Christo Jesu seelig entschlaffen. /
Hier ligt ein Tapfferer heldt, der sich so auf geführet · /
Das ihm mit warheitsgrundt, ein Gutes lob gebühret · /
Die Treue, Redlichkeit, Lieb undt Leutseeligkeit · /
Die wohnten Ihme bey, sambt der Gottseeligkeit · /
Er hielt sich schlecht undt Recht, uom staat macht er kein wesen · /
Weil er was bessers im Himel ausserlessen · /
Die Freudigkeit in Gott, die war sein bestes Theil · /
In Jesu Suchte er der Seelen Schmuck und Heil · /
Darinnen könte er Vor Seinem Gott bestehen · /
Undt frölich durch den Todt ins Himelreich eingehen · /
Der Leibe Ruhet Hier in dieser Külen grufft · /
Bis das ihn Jesus Stim zur Herrlichkeit hinrufft ·
C:
HF N I
(H und F ligiert)

Schrift

Nachweise

Literatur

  • Schmidt, Andreas: Die Grabdenkmäler der Renaissance und des Barock in der Kirche und auf dem Friedhof in Rodheim an der Bieber, Biebertal 2008, S. 16-18 (mit den entsprechenden Quellen- und Literaturangaben)

Bearbeitung

Andreas Schmidt, ehemals HLGL

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Conrad Ulmann Böcklin von Böcklinsau 1704, Rodheim-Bieber“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/1008_conrad-ulmann-boecklin-von-boecklinsau-1704-rodheim-bieber> (aufgerufen am 02.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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Conrad Ulmann Böcklin von Böcklinsau 1704, Rodheim-BieberConrad Ulmann Böcklin von Böcklinsau 1704, Rodheim-BieberConrad Ulmann Böcklin von Böcklinsau 1704, Rodheim-BieberConrad Ulmann Böcklin von Böcklinsau 1704, Rodheim-Bieber / Vermutlich die Signatur des Bildhauers am unteren Rand des Epitaphs rechts des Totenschädels