Glossar
Almemor ↑
auch Bima(h): Kanzel, Tribüne. Meist leicht erhöht stehendes Vorlesepult zur Lesung aus der Thora. Kanzelähnlicher Platz in der Synagoge mit einem Pult für die Thoralesung. In aschkenasischen Gemeinden orthodoxer Orientierung ist er in der Regel in der Raummitte, in liberalen- und Reformgemeinden vor dem Thoraschrein positioniert.
Amud ↑
Pult für den Kantor (Chasan). Platzierung meist rechts neben dem Thoraschrein.
Apsis ↑
halbrunder Abschluss des Gebäudes für den Bereich des Allerheiligsten mit Thoraschrein (im Christentum der Chorbereich)
Arkade ↑
fortlaufende Reihe
Aron Hakodesch ↑
„Heilige Lade“, schrankartiger Thoraschrein; Aufbewahrungsort der Thora in der Synagoge. In Mitteleuropa meist vor der Ostwand, häufig in einer Nische oder Apsis, um einige Stufen erhöht platziert. In der Regel durch prachtvoll geschmückten Samtvorhang (nach religiösen Anlässen wechselnd) geschützt und optisch hervorgehoben.
Bar Mizwa, hebr. „Gebotspflichtiger“ ↑
Bezeichnung der Feier zur Einführung in die Religionsgemeinde von religiös mündigen Jungen. Mit dem vollendeten 13. Lebensjahr gelten Jungen als religiös mündig und werden feierlich in die Religionsgemeinde eingeführt.
Bat Mizwa ↑
Einführung in die Religionsgemeinde von Mädchen mit Vollendung ihres 12. Lebensjahres.
Bima(h) ↑
Chup(p)astein ↑
An der Außenwand der Synagoge angebrachter Stein, an dem die Hochzeitspaar e rituell für ihre zukünftige gute Ehe ihre Gläser zerschlagen. Ritual dient dazu als Symbol für die Zerstörung Jerusalems.
Davidstern ↑
Hexagramm aus zwei gleichseitigen Dreiecken, „Magen-Davids“: Der Legende nach soll David dieses Zeichen auf seinem Schild getragen haben, mit dessen Hilfe er die Feinde besiegte. Als Symbol für das Judentum zuerst im 17. Jahrhundert in Prag verwendet.
Dienst ↑
Einer Wand oder einem Pfeiler vorgelgter Halb- oder Dreiviertelrundstab zur Aufnahme der Rippen, Gurte, Schildbögen eines Gewölbes
Eklektizismus ↑
„Stilmix“ vorwiegend auf die Baukunst des des 19. Jahrhunderts bezogen. Anwendung von Stilelementen verschiedener historischer Kunstepochen an einem Bauwerk.
Empore (für Frauen in jüdischer Lithurgie ) ↑
tribünen- oder galerieartiger Einbau in den Sakralraum, zur Platzerweiterung im Gottesdienstraum. Im Judentum zur Trennung der Sitzplätze zwischen den Geschlechtern. Schon vor Beginn des 19. Jahrhunderts, zunehmend aber im Zuge der bürgerlichen Gleichstellung der Juden in Deutschland, in zahlreichen Synagogen zur Wahrung der Geschlechtertrennung eingebaut.
Estrade (bei Platzmangel anstatt einer Frauenempore) ↑
Erhöhung des Fußbodens um wenige Stufen.
Fischblase ↑
Ornamentmotiv im gotischen Maßwerk.
Fries ↑
architektonische Zier und Gliederungselement. Schmaler, zwei Flächen teilender Streifen, meist, ornamental gestaltet.
Genisa(h) ↑
hebr.: „Aufbewahrung“, „Versteck“, für unbrauchbar gewordene religiöse Schriften, Dokumente und Kultgerät. Neben oder in einer Synagoge (häufig auf dem Dachboden) gelagert oder auf dem jüdischen Friedhof rituell bestattet.
Gesims ↑
optisch und physisch hervorgehobene horizontale Begrenzung von Geschossen oder Bauabschnitten. Aus der vertikalen Mauer hervortretend.
Historismus ↑
Stilepoche des 19. Jahrhunderts. Rückgriff auf und Neunutzung von zurückliegenden Stilepochen.
Judenschule ↑
in Deutschland bis in das frühe 20. Jahrhundert häufiger Begriff für Synagoge
Kantor, Chasan ↑
„Vorsinger“. Vertreter der versammelten Gemeinde; Spricht die Gebete vor und leitet des Gottesdienst.
Lisene ↑
architektonisches Gliederungselement. Vertikaler, dem Gebäude vorgelegter Mauerstreifen ohne Basis und Kapitell.
Mikwe ↑
rituelles Tauchbad der Juden. Entweder separates Gebäude oder im Gebäudeverband mit anderen, z.B. der Synagoge. Seit 1. Drittel des 19. Jahrhunderts erfolgte in ländlichen Gemeinden sukkzessive eine Modernisierung auf den damals aktuellen hygienischen Standard. Dabei wurden z.T. traditionell genutzte „Kellermikwen“ beheizbar und mit benachbart gelegenen Vorreinigungswannen sowie Umkleideräumen ausgestattet oder zugunsten neu eingerichteter Mikwen aufgegeben.
Minjan ↑
(= hebr. zählen, nummerieren). Voraussetzung zur Abhaltung eines jüdischen Gottesdienstes: Zusammenkunft von mindestens zehn jüdischen, religös mündigen Männern. (Jungen, die das 13. Lebensjahr vollendet haben und in die Religionsgemeinde eingeführt sind.)
Oculus ↑
Rundfenster
Reformierte Religionsgemeinde ↑
Im Zuge der gesellschaftlichen und politischen Emanzipation der Juden in Deutschland seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts Hinwendung der gottesdienstlichen Lithurgie (Sprache, Inhalt u.a.) zur religiösen und gesellschaftlichen Öffnung. In Deutschland wurde bspw. Orgelmusik und Deutsch im Gottesdienst und im Gesang eingeführt.
Saal ↑
ein einziger, nicht in Schiffe oder Querarme geteilter (Gottesdienst-)Raum
Schiffe (bezogen auf Architektur) ↑
im Grundriss parallel angelegte, (Gottesdienst-)Räume.
Synagoge ↑
Gottesdientsgebäude der Juden mit verschiedenen Funktionen: Ort der Gemeindeversammlung, Ort der Lehre und des Lernens, Ort des Gebets. Voraussetzung zur Abhaltung eines jüdischen Gottesdienstes ist die Zusammenkunft von mindestens 10 religiös mündigen jüdischen Männern (s. Minjan).
T(h)ora ↑
Nach jüdischem Glauben ist der Text der Thora eine göttliche Botschaft, wie sie auf dem Berg Sinai den Israeliten von Mose übergeben wurde. Die Worte Gottes sind das einzig Heilige im Judentum, weshalb die Thorarolle(n) als Allerheiligstes verehrt werden. Die Thora wird auf Pergament aus Kalbsleder hergestellt, die Tinte aus Pflanzenextrakten. Geschrieben wird mit einer Gänse- oder Truthahnfeder. Die Thorarolle wird mit einem verzierten Samtmantel geschützt. Ohne die Thorarolle besitzt eine Synagoge keinen sakralen Charakter.
Thoranische ↑
exponierte Ausbuchtung im Gebäude für die Aufstellung des Thoraschrankes, des Allerheiligsten.
Waschbecken ↑
Im Eingangsbereich von Synagogen zur Reinigung der Hände vor dem Gebet.