Hünfeld, Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria

Die Lage von Hünfeld, Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria im Orthofoto
Basisdaten
In Hünfeld wird 1895 das erste Ordenshaus der Oblaten, einem Männerorden, in Deutschland errichtet. Die Gemeinschaft sieht ihre Aufgaben in der Volksmission im eigenen Land und in der Missionierung in deutschen Kolonien. Die Padres versuchen durch Wallfahrten, Predigtaktionen, Seminarveranstaltungen, Exerzitien und Seelsorge vor Ort eine Vertiefung des religiösen Lebens zu erreichen.
Orden
Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria
Heutige Diözesanzugehörigkeit
Bistum Fulda
Typ
Männerkloster
Territorium
- vgl. Entwicklung Hünfeld
Benennung der Institution in den Quellen
Bonifatiuskloster
Lagebezug
15 km nordöstlich von Fulda
Lage
Klosterstraße 5, 36088 Hünfeld
Geschichte
Die Gemeinschaft der Oblaten, einem ursprünglich französischen Orden, sieht ihre Aufgaben in der Volksmission im eigenen Land und in der Missionierung in Kolonien. Sie organisieren Wallfahrten und predigen in Pfarrkirchen in Deutschland, sie bauen katholische Bildungseinrichtungen auf und engagieren sich in der Seelsorge.
Seit dem 19. Jahrhundert errichtet der Orden zahlreiche Niederlassungen in den Niederlanden und der Schweiz auf. Mit Beendigung des Kulturkampfes und der Gründung deutscher Kolonien wächst ein Interesse des Deutschen Reiches an den Missionsorden. 1892 einigen sich die beiden großen Orden der Weißen Väter und der Oblaten über die Aufteilung Cimbebasiens (Deutsch-Südwestafrika) als Missionsgebiet. 1893 verhandelt die Führung der Oblaten über ein Zulassungsgesuch an den preußischen Kultusminister zur „Errichtung eines Missionshauses für Deutsch-Südwestafrika im Königreich Preußen“. Die Zustimmung wird abhängig gemacht von der Verselbständigung der neuen Niederlassung, d.h. einer Loslösung vom Mutterhaus in Paris und von der französischen Generalverwaltung. Der Orden akzeptiert die Vorgabe und erhält die Genehmigung mit Schreiben des Regierungspräsidenten in Kassel vom 03.11.1894.
Mit Unterstützung des Bischofs in Fulda und der politischen Gemeinde wird 1895 in Hünfeld ein neues Kloster der Oblaten gegründet. Ziel ist der Auf- und Ausbau eines Missionshauses, wo deutsche Missionare für die deutschen Kolonien ausgebildet werden. Bereits 1896 gründen die Oblaten eine Niederlassung in Windhuk im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia); zu dem Klostergebäude gehören ein Wirtschaftshof und ein Weinberg mit Rebstöcken vom Rhein. Die Patres begleiten als Militärseelsorger die deutschen Truppen in Namibia. Nach dem Hereroaufstand übernehmen sie verstärkt karitative Aufgaben, errichten Missionsschulen, Krankenhäuser, Krankenambulanzen und Sozialstationen, in denen weiterhin eine Rassentrennung gilt. Sie bauen Musterfarmen auf dem Land der Herero und bleiben Träger der Apartheid bis 1976. Ende der 1920er Jahre liegt die größte Wachstumsphase der deutschen Provinz der Oblatengemeinschaft, 69 Scholastiker studieren im Bonifatiuskloster, das als eine Philosophisch-Theologische Hochschule in Hünfeld besteht. Weitere Niederlassungen des Ordens liegen in Niederlahnstein, Dresden, Breslau, Oberschlesien, im Saargebiet und in Polen. In der Zeit des Nationalsozialismus wird der Orden verfolgt, 1939 seine Zeitschrift „Der Weinberg“ durch den NS-Staat verboten, 1941 das Kloster geschlossen.
Am 2.August 1946 wird das Kloster wieder eröffnet, die Hälfte der Bibliothek kann dank amerikanischer Hilfe zurück gebracht werden. Seit 1945 sehen die Oblaten eine zentrale Aufgabe in der Betreuung der Vertriebenen und Spätaussiedler und engagieren sich weiterhin in der Volksmission.
1993 feiern die Hünfelder Oblaten das hundertjährige Jubiläum ihrer Zeitschrift "Der Weinberg"; sie besteht bis heute.
Gründungsjahr
1895
Organisation
Zur Klostergemeinschaft, Kommunität genannt, gehören über 40 Brüder und geweihte Patres. Sie arbeiten in der Seelsorge, in der Jugendausbildung und betreiben eine eigene Schreinerei. Das Kloster dient weiter als Seniorensitz alter Missionare. Geleitet wird das Kloster durch einen fünfköpfigen Hausrat, an dessen Spitze ein Superior steht.
Besitz
Niederlassungen
Seit 1899 in Kanada (Winnipeg, Ottawa, Toronto, Montreal); Südafrikanische Union (Versorgung der deutschen Gemeinden in Johannesburg und Pretoria); Paraguay (Independencia, Assuncion); deutsche Gemeinden in Argentinien; in Windhuk, in Paraguqay, in Kimberley sind Oblaten tätig; heute Tätigkeit in über 70 Ländern; in Deutschland Aufbau des Kloster Engelport als Missionshaus an der Mosel;
1926 wird eine Niederlassung in Offenbach, Eisenbahnstraße 66, gegründet;
Ausstattung
Gebäude
Die neo-romanische Klosterkirche St. Bonifatius ist als kreuzförmige, dreischiffige Basilika errichtet und wird 1900 durch Bischof Adalbert von Fulda geweiht.
Nachweise
Quellen
- Provinzarchiv der deutschen Oblaten, Mainz, Mappe, Hünfeld Nr. 1b
Literatur
- Jäger, Hünfeld 782 - 2007, S. 61-99
- „Und sie gingen in seinen Weinberg“. 100 Jahre deutsche Ordensprovinz der Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (Hünfelder Oblaten)
- Personalschematismus für die Diözese Fulda. Fulda 1964, S.95
- Wirken der Orden und Klöster in Deutschland, Bd. 1, S. 136
- Der Stand von 1940 bei Dersch, Klosterbuch, S. 87
Indizes
Siehe auch
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Orte
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Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hünfeld, Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria“, in: Klöster und Orden <https://lagis.hessen.de/de/orte/kloester-und-orden/alle-eintraege/14326_huenfeld-oblaten-der-unbefleckten-jungfrau-maria> (aufgerufen am 15.06.2026)
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