Wehrda

Die Lage von Wehrda im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
3 km nördlich Marburg
Lage und Verkehrslage
Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss in Talmündungslage am rechten Lahnufer. Auf breitem Mittelterrassenvorsprung im Süd-Eck zwischen Lahnaue und ausmündendem Teufelsgraben Wehrkirche mit Wehrkirchhof. Nördlich unterhalb des Kirchhofs kleine Platzbildung auf Wegespinne (,Männerstätte", vgl. Gerichtsplatz in Wehrda im Modul Gerichtsstätten in Hessen). Moderne Wohnsiedlung im Nordwesten, Westen und Süden. Straße Marburg-Goßfelden (alte Landstraße Frankfurt-Bremen) mit Abzweigung nach Cölbe zur B 3.
Ersterwähnung
1232
Siedlungsentwicklung
Auf wüste Siedlungen deuten die Flurnamen Breidenhäuser Holz, Wächterod (östlich Wehrda), Uttershausen (1 km nordwestlich Wehrda). Im Bereich der Flurorte Breidenhäuser Holz und Uttershausen karolingerzeitliche Keramikfunde.
Historische Namensformen
- Werthe, apud (1232) [nach Abschrift des 13. Jahrhunderts Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, S. 25-29, Nr. 28, hier S. 27]
- Wird (1238)
- Werdere (1238)
- Wirde (1355)
- Werde (1374)
- Werda (1577, 1708/10)
Bezeichnung der Siedlung
- villa 1232
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Weißer Stein
- Weißenstein (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Marburg, Diakonissenhaus Hebron (→ Klöster)
Umlegung der Flur
1933/36
Älteste Gemarkungskarte
1840; Dorfkarte von 1815
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3483171, 5633500
UTM: 32 U 483103 5631687
WGS84: 50.836642° N, 8.760045° O
Statistik
Ortskennziffer
534014160
Frühere Ortskennziffer
534014311
Flächennutzungsstatistik
- 1838 (Kasseler Acker): 1010 stellbares Land, 235 Wiesen, 73 Gärten, 40 Triesche. 800 Wald. 1885 (Hektar): 885, davon 357 Ackerland, 99 Wiesen, 325 Holz. 1961 (Hektar): 814, davon 318 Wald.
- 1885 (Hektar): 885, davon 357 Acker (= 40.34 %), 99 Wiesen (= 11.19 %), 325 Holzungen (= 36.72 %)
- 1961 (Hektar): 814, davon 318 Wald (= 39.07 %)
Einwohnerstatistik
- 1400: 27 Einwohner
- 1577: 56 Einwohner
- 1604: 59 Hausgesessene
- 1630: 2 vierspännige, 1 dreispännige, 8 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 23 Eind.
- 1630: 45 Gemeindsmänner, dazu 10 Haushalte, die von Witwen geführt werden.
- 1681: 35 hausgesessene Mannschaften
- 1746: 32 Ackerleute, 2 Schmiede, 2 Wagner, 3 Schneider, 8 Leineweber, 2 Gastwirte, 2 Maurer, 5 Zimmerleute, 2 Fischer, 2 Müller, 18 Tagelöhner. 1838 (Familien): 39 Ackerbau, 43 Gewerbe, 10 Tagelöhner, 56 nutzungsberechtigte, 22 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 14 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 120 Land- und Forstwirtschaft, 316 Produzierendes Gewerbe, 191 Handel und Verkehr, 396 Dienstleistungen und Sonstiges 3 a.
- 1747: 84 Hausgesessene
- 1793: 393 Einwohner
- 1861: 433 evangelisch-lutherisch, 2 römisch-katholisch, 18 jüd. Einwohner
- 1885: 529, davon 513 evangelisch (= 96.98 %), 2 katholisch (= 0.38 %), 14 Juden (= 2.65 %)
- 1961: 2414, davon 2124 evangelisch (= 87.99 %), 242 katholisch (= 10.02 %)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1386: Gericht
- 1570: Untergericht Wehrda
- 1577: Gericht Wehrda und Marbach im Amt Marburg
- 1662: dem Marburger Stadtgericht eingegliedert
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Caldern
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Altkreis
Marburg
Gemeindeentwicklung
Am 1.7.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinde in die Stadtgemeinde Marburg.
Gericht
- Ursprünglich wohl selbständiges Dorfgericht, das vermutlich nach 1280 mit dem Gericht Marbach verbunden wurde. Wehrda als Gerichtsitz anzusehen. Gerichtherrschaft stets landgräflich geblieben; nachweisbar nur niedere Gerichtbarkeit.
- Gerichthaus 1581
- Schöffe, Heimbürge 1389
- Landschöffe 1396
- Schultheiß 1411
- Grebe 1498
- Wehrda war eines der 4 sogenannten Hausdörfer, die seit ca. 1458 ungemessene Hausdienste auf dem Marburger Schloß zu leisten hatten; 1700; ungemessene Handdienste auf dem landgräflichen Schloß, in der herrschaftlichen Mahlmühle und dem Renthof in Marburg sowie im landgräflichen Vorwerk Schwanhof.
- 1821: Landgericht Marburg
- 1850: Justizamt Marburg
- 1867: Amtsgericht Marburg
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1374 hat der Landgraf ein Haus in Wehrda verpachtet. 1481 befreit der Landgraf sein der Marburger Schloßkapelle zinsendes Gut von allen Abgaben; 1540 als landgräflicher Erbhof, 1570 als landgräflicher gefreiter Hof bezeichnet, der stets verpachtet war und zu dessen Zubehör 1600 ca. 10 Hektar Land gehörten; der Hof lag auf einem spornähnlichen Vorsprung südlich der Kirchhofsmauer. Bis ins 17. Jahrhundert scheint mit diesem Hof das Schultheißenamt des Gerichts verbunden gewesen zu sein. Seit 1643 ist der Hof gedrittelt, später in einer Hälfte und 2 Vierteln verpachtet. - 1266 verzichtet der Landgraf gegenüber dem Deutsche Orden Marburg auf seine lehnsherrlichen Rechte auf einige bei Wehrda gelegene Äcker, Wächterode genannt, die der Deutsche Orden vom Marschall Gottfried von Reichenbach und von den Nodung von Wehrda erworben hatte. 1285 überläßt der Landgraf im Tausch den Platz, der zwischen dem Deutschhaus und Wehrda liegenden Mühle liegt und den der Marschall Heinrich von Romrod von ihm zu Lehen hatte. 1358 besitzt der Deutsche Orden 10 Äcker in Wehrda. Der westlich der Kirche liegende Hof des Deutschen Ordens, 1608 ca. 15 Hektar umfassend, war bis zur Auflösung des Ordens (1809) verpachtet; weiterer umfangreicher Streubesitz des Deutschen Ordens in der Wehrdaer Gemarkung - 1450 bekennen der Marburger Bürger Konrad Synnig und seine Angehörigen, daß sie dem Kloster Haina ein Viertel eines kleinen Gutes, an dem das Kloster Mitbesitzer ist, sowie Einkünfte von einem weiteren Gut verkauft haben. 1499 vertauscht das Kloster dem Landgrafen ein Gut zu Wehrda; ein benachbartes, weiteres Klostergut bleibt von dem Tausch ausgeschlossen. 1494 sind dem Landgrafen 7 Pflüge in Wehrda dienstbar. 1527 erhält Haina ein Gut von der Marburger Bürgerin Bertha von Battenfeld. - Um 1475 hat Heinrich Imhof genannt Rode Güterbesitz in Wehrda - 1559 sind die Schutzbar genannt Milchig in Wehrda begütert. - 1574 verleiht der Marburger Schultheiß Hartmann Riedesel das sog. Nodungsgut in Wehrda an Caspar Rohne.
Ortsadel
Nodung von Wehrda um 1120-1805
Kirche und Religion
Ortskirchen
- sacerdos, plebanus 1232. Pfarrkirche
- cluse 1389 genannt
- 1909-1923: Niederlassung der Taborbrüder; seit 1908 bzw. 1914 Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhaus "Hebron".
- 1968 Bau der katholischen Kirche St. Martin und 1980 Bau der Trinitatiskirche im Neubaugebiet unter Aufsicht des Pfarrers Dr. Jens Friedrich Mommsen.
Patrozinien
- Martinus
Pfarrzugehörigkeit
Patronat
1250 schenkt Lgfin. Sophie den Patronat der Kirche dem Deutsche Orden Marburg; 1363-1809 dem Deutsche Orden inkorporiert.
Beginen
Am 29. Juni 1389 lebt eine „cluse“ in Wehrda.
Diakonische Einrichtungen
06.10.1907 Gemeindepflegestation, eine Schwester, Krankenpflege, Vereinsbetreuung, Gemeindearbeit, Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu CasselS. 343; Diakoniestation bis 1960 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Johann Schmidt 1527-1533
Kirchliche Mittelbehörden
15. Jahrhundert: Sendbezirk Michelbach
Juden
Ort der Gemeinde Marburg angeschlossen Jude 1817 genannt; 1835: 6; 1861: 18; 1905: 7 Juden
Kultur
Schulen
1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
Mühle (am Wehr) 1299 erwähnt.
1357 hat der Landgraf Einkünfte aus der Mühle zu Wehrda.
1570: 2 Mahlgänge und 1 Schlaggang; später noch eine Schleifmühle auf dem gegenüberliegenden Lahnufer.
Eine Schneidemühle 1716 erwähnt; besitzrechtlich wie die Schleifmühle mit der Mahl- bzw. Ölmühle verbunden. Seit 1892 ist die Wehrdaer Mühle Pumpstation.
1682 wird am linken Lahnufer auf dem Gelände des landgräflichen Freihofes neben der Schleifmühle eine Pulvermühle mit 4 unterschlächtigen Rädern errichtet. Um 1764 zum Gasthaus umgebaut.
Bis zum Dreißigjährigen Krieg befand sich unter dem Weißen Stein an der Einmündung des Kaltenbachs in die Lahn eine weitere Schleifmühle, auch Pletschmühle genannt.
Eine Wehrer Steinmühle 1665 erwähnt.
Nachweise
Literatur
Weblinks
Siehe auch
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Orte
Personen
Quellen und Materialien
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Wehrda, Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/9377_wehrda> (aufgerufen am 30.05.2026)
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