Mardorf

Die Lage von Mardorf im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
6 km südlich Kirchhain
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf leichtem, nach Süden ziehenden Mittelterrassenvorsprung quer durch den Lamborn-Grund. Annähernd viereckiger, nur im Norden abgerundeter Ortsumriß; Reste der ehemaligen Dorfbefestigung (3 Tore) erhalten Gitterförmiges Straßen- und Gassennetz mit blockartiger Bebauung und dichter Gehöftanordnung Kirche mit mächtigem Wehrkirchturm in zentraler, erhöhter Lage an der Süd-Ecke eines breiten Geländevorsprungs Von Westen nach Osten ist ein Bachlauf (Gewerbewasser) durch den Ort geführt Moderne Wohnsiedlung im Süden Straße von Amöneburg gabelt sich nordöstlich Mardorf in zwei durch den westlich und östlich Ortsbereich führende Stränge, die auf die am Süd-Rand vorbeiführende Straße Roßdorf-Erfurtshausen bzw. Schweinsberg treffen (alte Amtsstraße Marburg-Homberg bzw. Schweinsberg)
Ersterwähnung
750/779
Siedlungsentwicklung
Wüstung Siedlungsplatz 2,2 km südlich Mardorf zwischen Goldberg und Hunnenburg mit Keramikfunden des 10./11. Jahrhundert und Hüttenlehm, Eisenschlacken weisen auf eine Waldschmiede 3 Fundplätze karolingerzeitlicher Keramik am Rande der Ohmniederung 1,5 km nordöstlich Mardorf Flurnamen, die auf Siedlungen deuten könnten: Philippsburg 1,2 km südlich Mardorf, Burg 2,2 km östlich Mardorf auf der Grenze der Gemarkung Mardorf und Schweinsberg (karolingerzeitliche Keramik) Petersmühle 1,2 km südlich Mardorf Vogelsburg 1,5 km südwestlich Mardorf
Historische Namensformen
- Marachdorf (750/779) [Kopiar um 1160 Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 112]
- Marcdorf, in (802/817) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, S. 270, fol. 156 ra, Nr. 57]
- Marhdorf, in (1. Hälfte 9. Jahrhundert) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, S. 239-240, fol. 145 vb, Nr. 97 = Dronke, Traditiones, S. 39, Capitulum 6, Nr. 97]
- Mardorf (1215)
- Martdorf (1227 und 1306)
- Marchtorf (um 1248)
- Marchtorph (um 1248)
- Mardorf (1323)
Bezeichnung der Siedlung
- villa 1215 (KlosterarchiveV Nr.13)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Ghuvere
- Hunnenburg
- Hunnenburg (Mardorf) (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Mardorf, Burg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Mardorf, Junkerhof (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Mardorf, Schwesternhaus der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (→ Klöster)
Umlegung der Flur
1923/1928
Älteste Gemarkungskarte
1806
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3494148, 5625308
UTM: 32 U 494076 5623498
WGS84: 50.763218° N, 8.916003° O
Statistik
Ortskennziffer
534001030
Flächennutzungsstatistik
- 1838 (Kasseler Acker): 2080 stellbares Land, 416 Wiesen, 40 Gärten, 1758 Wald
- 1885 (Hektar): 1339, davon 627 Acker (= 46.83 %), 227 Wiesen (= 16.95 %), 435 Holzungen (= 32.49 %)
- 1961 (Hektar): 1348, davon 432 Wald (= 32.05 %)
Einwohnerstatistik
- 1537: 21
- 1585: 24
- 1747: 33 Haushalte
- 1838 (Familien): 60 Ackerbau, 50 Gewerbe, 49 Tagelöhner 71 nutzungsberechtigte, 88 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 33 Beisitzer
- 1861: 991 römisch-katholisch, 4 evangelisch-lutherisch, 36 jüdische Einwohner
- 1885: 1002, davon 9 evangelisch (= 0.90 %), 946 katholisch (= 94.41 %), 47 Juden (= 4.69 %)
- 1961 (Erwerbspersonen): 256 Land- und Forstwirtschaft, 262 Produzierendes Gewerbe, 20 Handel und Verkehr, 47 Dienstleistungen und Sonstiges
- 1961: 1223, davon 47 evangelisch (= 3.84 %), 1172 katholisch (= 95.83 %)
- Um 1510: 8 wehrhafte Männer
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 750/779: marcha Logene
- 1233: Vogtei Seelheim
- 1395 und später: Amt Amöneburg
- 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Amöneburg, Amtsvogtei Amöneburg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg
- 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Amöneburg
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
- 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf
- 1981: Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Altkreis
Marburg
Gemeindeentwicklung
Zum 31.12.1971 wurde Mardorf im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der Stadt Amöneburg eingegliedert.
Gericht
- 1821: Assistenzamt Amöneburg
- 1831: Justizamt Amöneburg
- 1867: Amtsgericht Amöneburg
- 1932: Amtsgericht Kirchhain
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 750/779 und 802/817 erhält Kloster Fulda Güterschenkungen in Mardorf.
- Vermutlich war Mardorf nach 1015 Zubehör der fuldischen, später Deutsche Orden-Villikition Seelheim.
- 1222 vertauscht Kloster Haina Güterbesitz in Mardorf an das Erzstift Mainz.
- Um 1248 besitzt das Erzstift 2 Hufen. Mainzischer Hof in Mardorf seit 1324 bis ins 19. Jahrhundert erwähnt.
- Ein weiterer mainzischer Hof ist 1341 bis ca. 1670 an die von den Nuhn, später an die von Nordeck und von den Hees verlehnt, 1779 verkauft.
- 1233 verkauft Kloster Fulda dem Franziskushospital in Marburg seinen Hof in Mardorf. Seit 1234 Deutsche Orden-Besitz.
- 1234 verschenken die Landgrafen ihren Güterbesitz in Mardorf an den Deutsche Orden Marburg.
- Vor 1248 und 1323 erwirbt der Deutsche Orden 1 Hufe und weiteren Güterbesitz.
- 1358 verfügt der Deutsche Orden über 1 Hufe und 7 Höfe mit 490 Morgen Ackerland und 471/2 Morgen Wiesen, einer der Höfe gehört zur Pietanz des Deutsche Orden.
- Das bereits 1222 in Mardorf begüterte Kloster Haina erwirbt zwischen 1266 und1437 Besitz, der 1526/27 vom Landgraf eingezogen wird, 1557 und später mainzisches Lehen der von Schwalbach.
- 1347 ist ein fuldischer Hof in Mardorf Lehen der von Mardorf.
- Ende des 15. Jahrhunderts hat das Stift Amöneburg 2 Höfe, zu Beginn des 17. Jahrhunderts 3 Höfe und 2 Güter in Mardorf.
Zehntverhältnisse
Mainzischer Zehnte um 1248 und wohl noch 1802
Ortsadel
Ortsadel: 1223-1449
Kirche und Religion
Ortskirchen
- capella 1266 (KlosterarchiveV Nr. 483)
- Kapelle, deren Patronat 1394 der Deutsche Orden Marburg besaß
- 1822: Errichtung der katholischen Pfarrei St. Hubertus
Patrozinien
- Katharina; Hubertus
Pfarrzugehörigkeit
1462 und später: Filiale von Amöneburg Bis zur Reformation zu Schweinsberg, dann durch den Kurfürsten von Mainz aus dem Parochialverband gelöst.
Patronat
Bekenntniswechsel
Der Ort blieb katholisch.
Kirchliche Mittelbehörden
Im 15. Jahrhundert zum Sendbezirk Amöneburg, Dekanat Amöneburg gehörend
Juden
Provinzial Rabbinat Marburg, gehört mit Rossdorf zusammen Statistik: 1861: 36; 1905: 44; 1932/33: 25 Juden Juden leben zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Mardorf, möglicherweise seit 1603. 1797: 2 Schutzjuden 1807: sechs jüdische Familien Berufe: Vieh-, Frucht- und Getreidehandel sowie Textilhandel in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Juden in die USA aus; auch nach 1933 verstärkte Auswanderung in die USA. Synagoge: 1839: Betraum in Privathaus abgehalten (Familie Maas) 1860: jüdische Gemeinde erwirbt Scheune und baut diese zur Synagoge um; wird 1938 nicht zerstört; später wieder zur Scheune zurückgebaut. Friedhof Rauischholzhausen zuständig.
Kultur
Schulen
1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Nachweise
Literatur
- Historisches Ortslexikon Marburg, S. 195-196
- Müller, Rund um Wall und Wehrturm
- Hanappel, Der Katharinenaltar zu Mardorf in: Mitteilungen aus dem Freiherrlich Schenck zu Schweinsberg'schen Samtarchiv 4 (1958)
- Kern, Amöneburger Becken, S. 215 f.
- Uenze, Das vorgeschichtliche Mardorf in: Aus der Vergangenheit unserer Heimat 67 (1951)
- Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die acquirierten Lande und die verlorenen Gebiete, S. 364
- Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen: Anfang, Untergang, Neubeginn, Bd. 2, S. 60-62
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Synagogen in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Mardorf, Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/9224_mardorf> (aufgerufen am 15.05.2026)
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