Werleshausen

Dorf · 141 m über NN  
Gemeinde
Witzenhausen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

5 km südöstlich von Witzenhausen gelegen

Lage und Verkehrslage

Kleines geschlossenes Dorf mit unregelmäßigem Grundriß am Ostufer der Werra, am Westrand des Eichsfelds, unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Über der Mündung des Siesterbaches die Kirche, darunter hufeisenförmig ummauerter Lindenplatz und und kleinem Gut; nach Süden straßendorfähnlicher Dorfteil, am Ende großes Gut. Durch den Ort führt heute die L 3469 (Bornhagener Straße) Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Friedland ("Bebra-Friedländer-Bahn"; "Werratalbahn III") (Inbetriebnahme der Strecke 15.5.1876).

Ersterwähnung

876

Siedlungsentwicklung

Das Dorf lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze, abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.

Vorbemerkung Historische Namensformen

Unter den Namensformen sind auch Belege (1455, 1485, 1512 und 1634) einzuordnen, die W. Küther im Historischen Ortslexikon Witzenhausen, S. 152, fälschlich zu einer angeblichen Wüstung Widdershausen gestellt hat. Hierzu Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 156

Historische Namensformen

Bezeichnung der Siedlung

  • 876: villa (Fälschung)
  • 1336: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung

Umlegung der Flur

eingeleitet 1963

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3563962, 5688271
UTM: 32 U 563863 5686435
WGS84: 51.325622° N, 9.916559° O

Statistik

Ortskennziffer

636016150

Flächennutzungsstatistik

  • 1885 (Hektar): 520, davon 301 Ackerland (= 57,88 %), 24 Wiesen (= 4,61 %), 73 Holzungen (= 14,03 %)
  • 1961 (Hektar): 628, davon 186 Wald (= 29.62 %)

Einwohnerstatistik

  • 1885: 392, davon 380 evangelisch (= 97 %), 12 katholisch (= 3 %)
  • 1961: 509, davon 435 evangelisch (= 85.46 %), 70 katholisch (= 13.75 %)
  • 1970: 551 Einwohner

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • 1357: Gerichtsherrschaft Hanstein (Fuldisches Lehen)
  • 1803-1807: Königreich Preußen, Fürstentum Eichsfeld, Oberkreis (Bezirk Heiligenstadt)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement des Harzes, Distrikt Heiligenstadt, Kanton Gerbershausen
  • 1816: Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Heiligenstadt
  • 1872: Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Heiligenstadt, Amtsbezirk Werleshausen
  • 1945: Groß-Hessen (sowjetische Besatzungszone), Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Eichsfeld (8. August)
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen (17. September, Wanfrieder Abkommen)
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis

Witzenhausen

Gemeindeentwicklung

Wegen der Eisenbahnlinie werden im Wanfrieder Abkommen 1945 Werleshausen und Neuseesen dem Kreis Witzenhausen in der amerikanische Besatzungszone angegliedert. Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung in die Stadtgemeinde Witzenhausen, deren Stadtteil Werleshausen wurde.

Gericht

  • 1357-1849: Gesamtgericht Hanstein
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft

  • Ein Teil der Besitzausstattung der fuldischen Propstei Frauenberg lag in Werleshausen (Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 156)
  • 1336: Die von Hanstein tauschen dem Berthold von Boykendorf ihren Hof zu Werleshausen.
  • 1355: Die von Hanstein erwerben den halben Zehnten und 4 Hufen zu Werleshausen als Pfand von Thilo von Wikenand und Lotze von Witzenhausen; den Rest des Dorfes erwerben sie von den Gebrüdern von Worbis.
  • Fulda, Kloster1357: Abt Heinrich von Fulda belehnt die Gebrüder von Hanstein mit Dorf Werleshausen und den Gütern, die sie von den von Worbis kauften.
  • Witzenhausen, Wilhelmitenkloster 1364: Elsbeth von Ebeleben, Witwe des Heinrich von Hanstein, verkauft dem Wilhelmitenkloster Witzenhausen ein Vorwerk und Zinsen aus der Mühle des Dorfes Werleshausen.
  • 1388: Revers der Söhne und Töchter des Thilo von Wikenand zur Erwerbung von 1355
  • Hessen, Landgrafen 1458: Landgraf Ludwig belehnt die von Bodenhausen mit dem halben Zehnten zu Werleshausen.
  • Fulda, Kloster1455: Die von Hanstein durch Kloster Fulda unter anderem mit Gütern zu Werleshausen belehnt, wie diese von ihren Eltern auf sie gekommen waren; folgend Belehnungen bis 1512
  • Hessen, Landgrafen 1634: Landgraf Wilhelm belehnt dieselben mit den gleichen Stücken.
  • Fulda, Kloster 1727: Belehnungen derselben durch Abt Adolf von Fulda

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer

  • 1447: Das Wilhelmitenkloster Witzenhausen erwirbt einen Zins zu Werleshausen.
  • 1495: Die Gebrüder von Hanstein verkaufen 2 Teile ihres Dorfes Werleshausen an Dietr. von Schachten.
  • 1525 und 1527: Das Wilhelmitenkloster Witzenhausen besitzt Zinsen zu Werleshausen.

Zehntverhältnisse

Fulda, Kloster 874: König Ludwig der Deutsche bestätigt dem Kloster Fulda Zehntrecht zu Werleshausen.
Hilwartshausen, Kloster Fälschung 1299: Heinrich von Ziegenberg entsagt seinen Äckern zu Rieden als Entschädigung für den Zehnten zu Werleshausen, den der Erzbischof von Mainz dem Kloster Hilwartshausen übertragen hat.
Mainz, Erzbistum 1324: Die Richter des Stuhls zu Mainz erkennen die Entsagung des Heinrich von Ziegenberg auf den Zehnten zu Werleshausen an.

Kirche und Religion

Ortskirchen

  • Fachwerkkirche 1803 - 1806 erbaut, Kanzelaltar von 1806

Pfarrzugehörigkeit

1567: Pfarrei
Werleshausen und Neuseesen gehörten früher zur Kirchenprovinz Sachsen und wurden ab 1945 vorläufig von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck verwaltet. 1974 wurden sie vertraglich im Tausch gegen die Kirchengemeinden Asbach, Weidenbach und Vatterode als Filialgemeinden dem Kirchspiel Werleshausen eingegliedert.

Bekenntniswechsel

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kirchliche Mittelbehörden

Vor 1945: Kirchenkreis Heiligenstadt
1945: Kirchenkreis Witzenhausen

Wirtschaft

Mühlen

1364 wird eine Mühle zu Werleshausen erwähnt.
Die Mühle befand sich am Nordrand und wurde mit dem Wasser des Siesterbaches über eine Turbine angetrieben

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Werleshausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/7251_werleshausen> (aufgerufen am 04.05.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/7251