Werleshausen

Die Lage von Werleshausen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
5 km südöstlich von Witzenhausen gelegen
Lage und Verkehrslage
Kleines geschlossenes Dorf mit unregelmäßigem Grundriß am Ostufer der Werra, am Westrand des Eichsfelds, unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Über der Mündung des Siesterbaches die Kirche, darunter hufeisenförmig ummauerter Lindenplatz und und kleinem Gut; nach Süden straßendorfähnlicher Dorfteil, am Ende großes Gut. Durch den Ort führt heute die L 3469 (Bornhagener Straße) Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Friedland ("Bebra-Friedländer-Bahn"; "Werratalbahn III") (Inbetriebnahme der Strecke 15.5.1876).
Ersterwähnung
876
Siedlungsentwicklung
Das Dorf lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze, abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.
Vorbemerkung Historische Namensformen
Unter den Namensformen sind auch Belege (1455, 1485, 1512 und 1634) einzuordnen, die W. Küther im Historischen Ortslexikon Witzenhausen, S. 152, fälschlich zu einer angeblichen Wüstung Widdershausen gestellt hat. Hierzu Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 156
Historische Namensformen
- Uuilderolteshusun (876) [Kop. 10. Jahrhundert MGH DD LdD, S. 238-241, Nr. 170; Fälschung 11. Jahrhundert MGH DD LdD, S. 267-271, Nr. 185; HStAM Bestand Urk. 75 Nr. 40; Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, Bl. 37v, S. 61]
- Wederoldeshusen, zcu (1336) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, Nr. (1451)]
- Wederwaldeshusen, zu (1355) [Urkundliche Geschichte Hanstein 1, S. 20, Nr. 116]
- Wediroldishusen (1357) [Urkundliche Geschichte Hanstein 1, S. 21, Nr. 121]
- Wederoldeshusen (1364) [Urkundliche Geschichte Hanstein 1, S. 24-25, Nr. 143]
- Wederoldishußen, zu; Wideroldeshusen (1455) [HStAM Best. Urk. 76 Nr. 1707]
- Wellerßhusen, zcu (1458)
- Widerolßhusenn (1485) [HStAM Best. Urk. 76 Nr. 1708]
- Wideruldeßhusenn (1495)
- Wederaldeshusen, von (1496) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 647, Nr. 1606]
- Wyderoldeßhusen (1512) [HStAM Best. Urk. 76 Nr. 1710]
- Wedderoldeshußenn, zu (1525)
- Wederolshaußen (1588) [Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Witzenhausen, S. 194]
- Werleshausen (1592) [Karte von Arnold und Johannes Mercator HStAM Bestand Karten Nr. R II 28]
- Widerhaussen (1. Hälfte des 16. Jahrhundert)
- Wiedervoltshausen (1605)
- Wiederolshaußen, daß Dorff (1634) [HStAM Best. Urk. 76 Urk. 1711]
- Werleshausen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 5]
Bezeichnung der Siedlung
- 876: villa (Fälschung)
- 1336: Dorf
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Wengerod
- Werleshausen, Gutsbezirk
- Werleshausen, Herrenhaus (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Umlegung der Flur
eingeleitet 1963
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3563962, 5688271
UTM: 32 U 563863 5686435
WGS84: 51.325622° N, 9.916559° O
Statistik
Ortskennziffer
636016150
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 520, davon 301 Ackerland (= 57,88 %), 24 Wiesen (= 4,61 %), 73 Holzungen (= 14,03 %)
- 1961 (Hektar): 628, davon 186 Wald (= 29.62 %)
Einwohnerstatistik
- 1885: 392, davon 380 evangelisch (= 97 %), 12 katholisch (= 3 %)
- 1961: 509, davon 435 evangelisch (= 85.46 %), 70 katholisch (= 13.75 %)
- 1970: 551 Einwohner
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1357: Gerichtsherrschaft Hanstein (Fuldisches Lehen)
- 1803-1807: Königreich Preußen, Fürstentum Eichsfeld, Oberkreis (Bezirk Heiligenstadt)
- 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement des Harzes, Distrikt Heiligenstadt, Kanton Gerbershausen
- 1816: Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Heiligenstadt
- 1872: Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Heiligenstadt, Amtsbezirk Werleshausen
- 1945: Groß-Hessen (sowjetische Besatzungszone), Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Eichsfeld (8. August)
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen (17. September, Wanfrieder Abkommen)
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
Altkreis
Witzenhausen
Gemeindeentwicklung
Wegen der Eisenbahnlinie werden im Wanfrieder Abkommen 1945 Werleshausen und Neuseesen dem Kreis Witzenhausen in der amerikanische Besatzungszone angegliedert. Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung in die Stadtgemeinde Witzenhausen, deren Stadtteil Werleshausen wurde.
Gericht
- 1357-1849: Gesamtgericht Hanstein
- 1945: Amtsgericht Witzenhausen
Herrschaft
- Ein Teil der Besitzausstattung der fuldischen Propstei Frauenberg lag in Werleshausen (Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 156)
- 1336: Die von Hanstein tauschen dem Berthold von Boykendorf ihren Hof zu Werleshausen.
- 1355: Die von Hanstein erwerben den halben Zehnten und 4 Hufen zu Werleshausen als Pfand von Thilo von Wikenand und Lotze von Witzenhausen; den Rest des Dorfes erwerben sie von den Gebrüdern von Worbis.
Fulda, Kloster 1357: Abt Heinrich von Fulda belehnt die Gebrüder von Hanstein mit Dorf Werleshausen und den Gütern, die sie von den von Worbis kauften.Witzenhausen, Wilhelmitenkloster 1364: Elsbeth von Ebeleben, Witwe des Heinrich von Hanstein, verkauft dem Wilhelmitenkloster Witzenhausen ein Vorwerk und Zinsen aus der Mühle des Dorfes Werleshausen.- 1388: Revers der Söhne und Töchter des Thilo von Wikenand zur Erwerbung von 1355
Hessen, Landgrafen 1458: Landgraf Ludwig belehnt die von Bodenhausen mit dem halben Zehnten zu Werleshausen.Fulda, Kloster 1455: Die von Hanstein durch Kloster Fulda unter anderem mit Gütern zu Werleshausen belehnt, wie diese von ihren Eltern auf sie gekommen waren; folgend Belehnungen bis 1512Hessen, Landgrafen 1634: Landgraf Wilhelm belehnt dieselben mit den gleichen Stücken.Fulda, Kloster 1727: Belehnungen derselben durch Abt Adolf von Fulda
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1447: Das Wilhelmitenkloster Witzenhausen erwirbt einen Zins zu Werleshausen.
- 1495: Die Gebrüder von Hanstein verkaufen 2 Teile ihres Dorfes Werleshausen an Dietr. von Schachten.
- 1525 und 1527: Das Wilhelmitenkloster Witzenhausen besitzt Zinsen zu Werleshausen.
Zehntverhältnisse
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Fachwerkkirche 1803 - 1806 erbaut, Kanzelaltar von 1806
Pfarrzugehörigkeit
1567: Pfarrei
Werleshausen und Neuseesen gehörten früher zur Kirchenprovinz Sachsen und wurden ab 1945 vorläufig von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck verwaltet. 1974 wurden sie vertraglich im Tausch gegen die Kirchengemeinden Asbach, Weidenbach und Vatterode als Filialgemeinden dem Kirchspiel Werleshausen eingegliedert.
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.
Kirchliche Mittelbehörden
Vor 1945: Kirchenkreis Heiligenstadt
1945: Kirchenkreis Witzenhausen
Wirtschaft
Mühlen
1364 wird eine Mühle zu Werleshausen erwähnt.
Die Mühle befand sich am Nordrand und wurde mit dem Wasser des Siesterbaches über eine Turbine angetrieben
Nachweise
Literatur
- Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 130, 156, 176, 180, 210
- Christ, Erzstift Mainz, S. 350-355, 390
- Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis, Bd. III: Altkreis Witzenhausen, S. 688-696
- Scholz, Wasser- und Windmühlen Werra-Meißner-Kreis, S. 162
- Lücke, Burgen der unteren Werra 1, S. 53 - 56
- Historisches Ortslexikon Witzenhausen, S. 147
- J. Wolf, K. Löffler, Politische Geschichte des Eichsfeldes, S. 94-101
- Landau, Beschreibung der wüsten Ortschaften. Ausg. 1999, S. 294 f.
- Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein in dem Eichsfeld in Preußen (Provinz Sachsen), 2 Bände, Kassel 1856, besonders Bd. 1, S. 146-148
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Topografische Karten
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Werleshausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/7251_werleshausen> (aufgerufen am 04.05.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/7251