Obergeis

Die Lage von Obergeis im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
9 km nordwestlich von Bad Hersfeld
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss am Ostrand des Knüllgebirges südwestlich der Geis. Der Ort wird von West nach Ost von einer einem schmalen Bachlauf folgenden Hauptachse (Kreuzeichenstraße) durchzogen, von der einige Gassen abzweigen und zu einem ummauerten Kirchhof mit Gerichtsplatz in nördlich versetzter Lage führen. Jüngere Expansion in nördliche Richtung, im Südosten sowie jenseits der Geis. Eine Brücke über die Geis wurde um 1840 errichtet. Im Westen verläuft die BAB 7 (Anschlussstelle Bad Hersfeld-West) an Obergeis vorbei, im Osten die B 324 Richtung Hersfeld
Ersterwähnung
1142
Siedlungsentwicklung
Im Bereich der Gemarkung Obergeis fanden sich Hinweise auf Wüstungen, denen bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten.
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Neuenstein.
Vorbemerkung Historische Namensformen
Zu den frühen Belegen vgl. Untergeis
Historische Namensformen
- Geisaha, de (1142) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2333]
- Geisaha, de (1146) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2336; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3 Urkundenbuch S. 68, Nr. 68]
- Geisaha, in (1194) [Fälschung 13. Jahrhundert HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 2324; Druck: UB Mainz 2,2, S. 1004-1006, Nr. 609]
- Geisaha, in (1195) [UB Mainz 2,2, Nr. 627, S. 1024-1026]
- Geisa (1252) [Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 159]
- Geisa superior, in (1259) [Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 159]
- Geisa, in (1292) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 139]
- Obern-Geysa (1298) [Schreibweise nach Archivregest HStAM Best. Urk. 57 Nr. 281]
- Geysa, in der (1394) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 650]
- Geysa, in (1425-1428) [Demandt, Quellen Fritzlar, S. 554-562, Nr. 411 I, hier S. 558 In sede Ottra]
- Obern Geysa (1432) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 916]
- Oberngeisa (1560) [HStAM Best. 104 Nr. 411]
- Obern Geysa (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Oberngeis [Niveaukarte Kurfürstentum Hessen 1840-1861]
- Oberngeis (1872) [Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 505]
- Ober Geis (1885)
Bezeichnung der Siedlung
- villula (1252, 1292)
- villa (1298)
- Dorf (1432)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Umlegung der Flur
1874; 1937
Älteste Gemarkungskarte
1783
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3541890, 5641088
UTM: 32 U 541799 5639271
WGS84: 50.903581° N, 9.594458° O
Statistik
Ortskennziffer
632014040
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 792, davon 384 Acker (= 48.48 %), 119 Wiesen (= 15.03 %), 200 Holzungen (= 25.25 %)
- 1961 (Hektar): 1525, davon 906 Wald (= 59.41 %)
Einwohnerstatistik
- um 1610: 160 Hausgesesse
- 1628: 160 Hausgesesse
- 1639: 25 Hausgesesse
- 1747: 84 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1749-50: Gewerbetreibende: 60 Leinweber, 2 Schmiede, 1 Fenstermacher, 1 Maurer, 1 Büttner, 1 Zimmermann, 1 Schreiner, 2 Schneider, 1 Strumpfstricker, 1 Wirt, 2 Brandweinschenker, 4 Tagelöhner, 18 Tagelöhnerinnen, 2 Schäfer, 3 Müller, 2 Papiermacher (HStAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 341)
- 1806: 103 steuerpflichtige Häuser mit 422 Menschen; Gewerbetreibende:
- 1885: 658, davon 657 evangelisch (= 99.85 %), 1 katholisch (= 0.15 %)
- 1961: 807, davon 740 evangelisch (= 91.70 %), 64 katholisch (= 7.93 %)
- 1970: 753
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1394: Fürstabtei Hersfeld, Amt Geis
- 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Obergeis
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis (zuletzt Landgericht Hersfeld)
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hersfeld
Gemeindeentwicklung
Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden als Ortsteil zur Gemeinde Neuenstein zusammengeschlossen.
Gericht
- 1822: Landgericht Hersfeld
- 1850: Justizamt Hersfeld II
- 1867: Amtsgericht Hersfeld
- 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld
Herrschaft
- 1292 verzichtet Werner von Reichenbach im Streit mit dem Abt von Hersfeld auf seine Rechte u.a. in Obergeisa und erhält dafür von Abt und Kloster andere Güter. 1367 steht dem Abt die Bede in Geisa zu. 1432 veräußert der Abt von Hersfeld eine jährliche Gülte u.a. in Ober- und Untergeis an die von Wallenstein.
- Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld und seinem endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Obergeis formal in hersfeldischem Besitz und wird als Lehen oder Pfand ausgegeben.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1298 verkaufen Helmerich von Bombach und seine Frau Alheid ihre Güter im Dorf Ober- und Niedergeis mit allem Zubehör der Kirche in Blankenheim für 65 Mark.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- capella (1194/95)
- ecclesia (1425)
- Spätgotischer Ostturm mit romanisiertem Saalbau als Schiff (1858)
Pfarrzugehörigkeit
1425 Pfarrei, zu der 1560 Aua, Untergeis und Gittersdorf gehören. 1747 Mutterkirche, zu der Untergeis als Filial gehört, Aue ist eingepfarrt. 1872 ist Aua eingepfarrt, Untergeis ist Filialort mit den eingepfarrten Dörfern Gittersdorf und Biedebach. 1994 sind Aua, Gittersdorf und Untergeis Filialen
Patronat
1194 fällt das Patronatsrecht an das Kloster Aua, später Blankenheim. Nach dessen Auflösung fällt es an Hersfeld, dann an Hessen
Diakonische Einrichtungen
1927 - 1955 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Curt Rabe ca. 1535 bis vor 1560
Kirchliche Mittelbehörden
15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Ottrau
Kultur
Schulen
1806 Schulhaus mit Schulmeister
1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mittelpunktfunktion
Zum Amt Obergeis gehörten 1610 beide Geis (= Ober- und Untergeis), Gittersdorf, Biedebach, Aua und Etzebach (= Erzebach). Landau fügte noch halb Allmershausen hinzu (Hessengau 149). Nach dem hessischen Stadt- und Dorfbuch von 1747 zählte auch Ellingshausen damals zum Amt (Reimer).
Mühlen
1806 vier Mühlen
Nachweise
Literatur
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 2, S. 625-637
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 126-128
- Fundberichte aus Hessen, 31. Jahrgang, 1991 (2), S. 498-500 (Klaus Sippel), 36. Jahrgang, 1996, S. 491-492
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 313 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 159
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 527
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Obergeis, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3267_obergeis> (aufgerufen am 25.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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