Langenstein

Die Lage von Langenstein im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
3 km östlich von Kirchhain
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf nach Süden abfallendem Felsrücken Kirche mit stark ummauertem Wehrkirchhof (2 Tore) am Südwest-Rand des Ortes "Männerstatt" neben dem Ost-Tor beim Langen Stein (Menhir) Straßenspinne mit linearer Bebauung im südlich Ortsbereich. Verbindungsstraße von der südlich am Ort vorbeiführenden B 454 nach Erksdorf bzw. Emsdorf. Durch den oberen Ortsbereich führte wahrscheinlich die alte Niederrheinische Straße (hier zugleich der nördliche Zweig der Köln-Leipziger Messestraße) von Stausebach nach Allendorf bzw. Erksdorf Über die Wegespinne am südöstlichen Ortsende lief der nördlich Zweig der alten Landstraße durch die Langen Hessen von Kirchhain nach Allendorf bzw. Erksdorf entsprechend dem Verlauf der Niederrheinischen Straße Beide nach der Stadtgründung über Kirchhain geleitet
Ersterwähnung
1223
Siedlungsentwicklung
Flurnamen auf der Burg 0,5 km westlich Langenstein Flurnamen am Steinhausen 1 km nordöstlich Langenstein 1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Neustadt.
Historische Namensformen
- Langenstein, de (1223) [Kop. 13. Jahrhundert Demandt, Quellen Stadt Fritzlar, S. 216-217, Nr. 11 = Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum 1, S. 483-485, Nr. 183]
- Langensten (um 1248) [Erhard, Heberolle S. 47]
- Langenstein (1250/1260) [Abschrift Ende 13. Jh. Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 60, Nr. 60, S. 102, Nr. 270, S. 112, Nr. 347]
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Heimersdorf
- Leiterstede
- Netz, Hof
- Leiterstädt, Burg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Netz, Hof (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Burgen und Befestigungen
- Flurnamen auf der Burg 0,5 km westlich Langenstein
- Flurnamen am Steinhausen 1 km nordöstlich Langenstein
- 1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Staatsforst Neustadt
Umlegung der Flur
1918/1921; 1924/1927
Älteste Gemarkungskarte
1751
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3497198, 5632909
UTM: 32 U 497125 5631096
WGS84: 50.831568° N, 8.959173° O
Statistik
Ortskennziffer
534011090
Flächennutzungsstatistik
- 1838 (Kasseler Acker): 2000 stellbares Land, 360 Wiesen, 80 Gärten, 20 Triesche, 490 Wald
- 1885 (Hektar): 625, davon 384 Acker (= 61.44 %), 101 Wiesen (= 16.16 %), 65 Holzungen (= 10.40 %)
- 1961 (Hektar): 814, davon 200 Wald (= 24.57 %)
Einwohnerstatistik
- 1504: 24 wehrfähige Männer
- 1577: 57
- 1592: 17 vierspänninge Ackerleute, 33 Einläuftige
- 1629: 1 fünfspännige, 6 vierspännige, 2 dreispännige, 6 zweispännige, 3 einspännige Ackerleute, 21 Einläuftige
- 1782: 3 Schmiede, 4 Schneider, 1 Wagner, 2 Leineweber, 1 Weißbinder, 5 Schäfer, 13 Tagelöhner, 14 Tagelöhner
- 1629: 43
- 1697: 41 hausgesessene
- 1747: 74 Haushalte
- 1782: 403
- 1838 (Familien): 50 Ackerbau, 10 Gewerbe, 21 Tagelöhner 61 nutzungsberechtigte, 24 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 21 Beisitzer
- 1861: 613 evangelisch -lutheranische Einwohner, 5 evangelisch-reformierte, 20 römisch-katholisch Einwohner
- 1885: 617, davon 613 evangelisch (= 99.35 %), 4 katholisch (= 0.65 %)
- 1961 (Erwerbspersonen): 253 Land- und Forstwirtschaft, 191 Produzierendes Gewerbe, 33 Handel und Verkehr, 26 Dienstleistungen und Sonstiges
- 1961: 875, davon 827 evangelisch (= 94.51 %), 29 katholisch (= 3.31 %)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- Um 1390 als Ort des Gericht Bilstein bezeichnet
- Das Gericht Langenstein war 1351 zur Hälfte Teil des Erbes Friedrichs von Langenstein
- 1357 vom Deutsche Orden Marburg erworben
- Die andere Hälfte vielleicht schon damals im Besitz des Deutsche Orden
- Zubehör war 1357: (Wüstung) Bechtmannshausen
- 1403 wird das Dorf Langenstein vom Landgraf beansprucht
- 1351 und 1357: Gericht Langenstein
- 1502 und später: Gericht Kirchhain
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
- 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Altkreis
Marburg
Gemeindeentwicklung
1.4.1952: Umgemeindung des ehem. DAG-Geländes (192 Einw.) nach Stadt Allendorf, Stadt.
Am 31.12.1971 wurde Langenstein im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Kirchhain eingegliedert.
Gericht
- 1821: Justizamt Kirchhain
- 1867: Amtsgericht Kirchhain
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1256 erwirbt der Deutsche Orden Marburg von dem Hersfelder Bürger Gerlach Schmied Güterbesitz.
- 1269/1272 verkauft der Ritter Friedrich von Langenstein dem Deutsche Orden seinen Güterbesitz mit Wald.
- 1358 verfügt der Deutsche Orden über 6 Höfe mit 265 1/2 Morgen Ackerland und 271/2 Morgen Wiesen.
- 1273 erwirbt Kloster Haina Güterbesitz.
- Um 1400 und später besitzt der Landgraf ein Gut in Langenstein.
Zehntverhältnisse
Um 1248 hat das Erzstift Mainz Einkünfte und den Zehnten in Langenstein. 1250/60 und 1282/83 ist der Zehnte von den Dynasten von Eppstein an den Amöneburger Schultheißen Rudenger (1282/83: olim scultetus) verpfändet; möglicherweise ist diese Verpfändung auf ca. 1222 anzusetzen, wo ein Schultheiß R. von Amöneburg begegnet (vgl. Franz, Kloster Haina 1, S. , Nr. 27)
Ortsadel
1223-1357
Kirche und Religion
Ortskirchen
- ecclesia 1320 (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1I Nr. 376)
- ecclesia parrochialis, rector ecclesie (ebd. Nr. 436)
Patrozinien
- Jakob
Pfarrzugehörigkeit
Pfarrkirche nach der Reformation zu Kirchhain 1700-1789 von Rauschenberg versehen, seither Vikariat von Kirchhain
Patronat
1320 vergleicht sich der
1329 verzichten die von Langenstein auf ihre Hälfte, 1357 ist der Patronat endgültig im Besitz des Deutsche Ordens.
1476 präsentiert das
Diakonische Einrichtungen
1954 eine Diakonisse zieht als Gemeindeschwester ins ehemalige Schulhaus und bietet eine Krankenambulanz an.
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Gernand 1526
Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.
Kirchliche Mittelbehörden
Im 15. Jahrhundert zum Sendbezirk Amöneburg
Dekanat Amöneburg gehörend
Kultur
Schulen
Schulhaus 1866 errichtet (HStAM Bestand Karten Nr. P II 14168); 1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Historische Ereignisse
Heinrich von Langenstein (von Hessen) (um 1325-1397) lehrte 1363 als Professor an der Philosophischen Fakultät in Paris, seit 1383 an der Wiener Universität.
Aus Langenstein stammt vermutlich auch Heinrich von Hessen.
Der Junge, der 1386 am Aufbau der Heidelberger Universität beteiligt und 1410 und 1417 deren Rektor war.
Nachweise
Literatur
- E. Müller, Der Stadtteil Langenstein. In: Waldemar Küther (Bearb.), Kirchhain in Wort und Bild, S. 183 ff.
- O. Hartwig, Henricus de L. dictus de Hassia. Zwei Untersuchungen über das Leben und die Schriften Heinrichs von L. (1858)
- F.W.E. Rethe, Zur Bibliographie des Henricus Henbuche de Hassia dictus de L. In: Centralblatt für Bibliothekswesen. Beiheft 2 (1888)
- Historisches Ortslexikon Marburg, S. 164-166
- Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die acquirierten Lande und die verlorenen Gebiete, S. 339
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
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Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Langenstein, Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/9207_langenstein> (aufgerufen am 13.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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