Odensachsen

Die Lage von Odensachsen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
8 km südlich von Bad Hersfeld
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung am rechten Ufer einer Hauneschleife. Kirche mit ummauertem Kirchhof in zentraler erhöhter Lage. Durch den Ort führt als Hauptachse die Talstraße (K 26), die am Nordostrand scharf abknickend auf die im Südosten an der Dorfgemarkung vorbeiführende B 27 stößt. Im Nordwesten verläuft die Eisenbahnlinie Bebra – Hanau – Frankfurt am Main ("Bebraer Bahn";"Bebra-Hanauer-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.10.1866).
Ersterwähnung
1003
Historische Namensformen
- Hodensasson, per (1003) [Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, S. 144-145 Nr. 76; MGH Diplomata Könige 3, Heinrich II. : Bresslau, S. 60-61, Nr. 51 Digitalisat]
- Hodensasson, per (1070) [Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, S. 190-191 Nr. 108; MGH Diplomata Könige 6, Heinrich IV. : Gladiss, S. 292-293 Nr. 232 Digitalisat]
- Utensachsen (1250) [HStAM Best. Urk. 77 Nr. 109]
- Ůtensahsin, in (1293) [HStAM Best. Urk. 77 Nr. 299]
- Ůtinsasin (1336) [Hochschul- und Landesbibliothek Fulda, Kopialbuch der Abtei Fulda, Handschrift 100 B 6, Nr. 1085]
- Otinsachsin (1341) [HStAM Best. Urk. 77 Nr. 117]
- Ottensachssin (1400) [HStAM Best. Urk. 76 Nr. 3320]
- Ottensassen (1486) [HStAM Best. Urk. 75 Nr. 1211; Abschrift 17. Jahrhundert HStAM Best. Urk. 100 Nr. 5785; Druck: Grimm, Weistümer 3, S. 378-381, vgl. Neuber, Haunetaler Geschichte, S. 95-98]
- Odenn Sachsenn, zu (1494) [HStAM Best. Urk. 13 Nr. 4178; HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1244]
- Odesaxen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Odensaßen (1789) [Neuber, Haunetaler Geschichte, S. 175]
Bezeichnung der Siedlung
- villa (1003, 1293)
- villa et terminis ville (1336)
- Dorf (1486)
Umlegung der Flur
1925/26
Älteste Gemarkungskarte
1857
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3550586, 5629447
UTM: 32 U 550492 5627635
WGS84: 50.798251° N, 9.716466° O
Statistik
Ortskennziffer
632008090
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 366, davon 170 Acker (= 46.45 %), 54 Wiesen (= 14.75 %), 118 Holzungen (= 32.24 %)
- 1961 (Hektar): 367, davon 116 Wald (= 31.61 %)
Einwohnerstatistik
- 1557: 24 steuerpflichtige Güter und 7 Personen Dienstpersonal
- 1566: 28 steuerpflichtige Güter und 2 Personen Dienstpersonal
- 1569: 27 steuerpflichtige Güter und 3 Personen Dienstpersonal
- 1630: 24 Haushaltungen
- 1683: 23 Höfe
- 1789: 12 Bauern, 14 Hüttner, 5 Beisassen
- 1812: 27 Feuerstellen, 350 Seelen
- 1835: 221 evangelische Einwohner, 31 Häuser
- 1885: 185, davon 185 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1961: 162, davon 150 evangelisch (= 92.59 %), 12 katholisch (= 7.41 %)
- 1970: 163
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1486: Fürstabtei Fulda, Gericht Neukirchen
- 1569: Fürstabtei Fulda, Gericht Neukirchen
- 1683: Fürstabtei Fulda, Gericht Neukirchen
- 1787: Fürstabtei Fulda, Oberamt Fürsteneck, Gericht Neukirchen
- 1803-1806: Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Fürstentum Fulda, Amt Eiterfeld, Gericht Neukirchen
- 1806-1810: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Fulda (Militärverwaltung)
- 1810-1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Eiterfeld
- 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Eiterfeld
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hünfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hünfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hünfeld
Gemeindeentwicklung
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Haunetal eingegliedert.
Gericht
- 1822: Justizamt Eiterfeld
- 1867: Amtsgericht Eiterfeld
- 1945: Amtsgericht Hünfeld
Herrschaft
Fulda, Kloster Buchenau, Adlige Frauenberg/Fulda, Kloster - In der Wildbannschenkungsurkunde König Heinrichs II. für die Abtei Hersfeld von 1003, durch die der Forst Eherinevirst seiner Ausdehnung nach bestimmt wird, sind als Fixpunkte der Terminatio u.a. die Orte Odensachsen, Rhina und Mengshausen angegeben. König Heinrich IV. bestätigt dies 1070.
- Der Ort befindet sich in Grenzlage zwischen den Abteien Fulda und Hersfeld, in dem sich lokaler Adel, zunächst die von Buchenau, zu behaupten wussten. 1250 bestätigt Abt Heinrich von Fulda den Dechanten und den Konvent der Abtei Fulda, dass Propst Gerlach von Frauenberg seiner Kirche im Einzelnen aufgeführte Güter übertragen hat, darunter auch ein Allod in Odensachsen. 1293 überträgt der Abt von Fulda dem Kapitel des Stifts die Güter des verstorbenen Ritters Eberhard Holzsadel in Odensachsen, die ihm dessen Witwe Mechtild aufgetragen hat. 1336 verkauft das Kloster Dorf und Gemarkung Odensachsen an den Knappen Albrecht von Buchenau.
- In der Folge wird Odensachsen ein Dorf des fuldischen Gericht Neukirchen, in dem die von Buchenau faktisch die Ortsherrschaft ausüben. 1341 verkauft der Konvent des Klosters Frauenberg bei Fulda das Dorf. 1400 erhält der Wigand von Romrod Güter seines verstorbenen Bruders, darunter solche in Odensachsen, vom Abt von Fulda zu Lehen. 1494 veräußert Engelhard von Buchenau Teile von Odensachsen, darunter die Mühle, an Landgraf Wilhelm III. von Hessen. Der Abt von Fulda erkennt dies jedoch nicht an.
- Die Landgrafen von Hessen versuchen seit dem 15. Jahrhundert letztlich vergeblich einzudringen. Wichtigste Herrschaftsträger vor Ort aber bleiben die fuldischen Lehnsleute von Buchenau, später die von Trümbach und von der Tann.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- vgl. Herrschaft
Ortsadel
1330 benennt sich eine niederadlige Familie nach dem Ort
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Balken im Glockenstuhl mit Jahreszahl 1511, Kirche 1557 erstmals erwähnt
- Spätgotischer Chorturm mit Schiff von 1706/7, 1848/49 restauriert
Patrozinien
- Maria [1727]
Pfarrzugehörigkeit
1727, 1812, 1872 und 1994 mit dem eingepfarrten Hermannspiegel Filial von Neukirchen
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation vermutlich um 1530.
Kultur
Schulen
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
Am südwestlichen Rand der Dorfgemarkung an einem von der Haune abgeleiteten Betriebsgraben befindet sich die 1423 erstmals erwähnte Mühle (Haunemühle). 1861/63 werden zwei unterschiedliche Mahlgänge und einen Schneid- oder Schlaggang betrieben. 1920 wird das oberschlächtige Wasserrad durch eine Turbine ersetzt, 1965 kommt eine zweite hinzu. Die Mühle ist noch 2012 in Betrieb.
Nachweise
Literatur
- Neuber, Haunetaler Geschichte, S. 42-43, 66-69, 90-91, 151ff., 225-226 (Statistik)
- H. Neuber, Mühlen im unteren Haunetal, S. 65-78
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 333-340
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 87
- Leinweber, Hochstift Fulda, S. 72
- Hofemann, Reichsabtei Fulda, S. 235 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 358 f.
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Odensachsen, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3333_odensachsen> (aufgerufen am 29.10.2026)
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