Widdershausen

Die Lage von Widdershausen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
22 km östlich von Bad Hersfeld
Lage und Verkehrslage
Kleines geschlossenes Dorf mit regelhaftem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung am Westufer der Werra, im Norden und Osten unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Evangelische Pfarrkirche in zentraler Lage an der von N nach S durch den Ort abknickend als K 3 (Dankmarshäuser bzw. Felsenstraße) führenden Hauptachse. Am Westrand verlief mit Haltepunkt die ehemalige Eisenbahnlinie Gerstungen – Vacha ("Werratalbahn I") von 1904 bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1986 (Die Teilstrecke Dankmarshausen - Heringen wurde am 30.3.1904 eröffnet, die Teilstrecke Heringen - Vacha am 2.10.1905). Geringe jüngere Siedlungsentwicklung entlang des Gebiets zwischen Werra und Bahnlinie.
Ersterwähnung
1315 (?)
Siedlungsentwicklung
Rund 1,7 km westlich der Ortsmitte von Widdershausen, dicht östlich der mittelalterlichen Burg Hornsberg im Talschluss des Zinkesgrabens. Die Stelle wird in absehbarer Zeit von der sich in den Zinkengraben ausdehnenden Kieserithalde des Kaliwerks Heringen überdeckt werden. Hofstelle wohl der nahen Burg Hornsberg zugeordnet. [Fundberichte aus Hessen 1991, S. 456; Fundberichte aus Hessen 1996 , S. 446 (Klaus Sippel)]. Das Dorf Widdershausen lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze, abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.
Vorbemerkung Historische Namensformen
Mit M. Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 130, 156, 210, sind die frühen Belege aus der fuldischen Überlieferung der Wüstung Willershausen 2 km nordwestlich von Witzenhausen zuzuordnen.
Historische Namensformen
- Wilderoldeshusen (1347) [HStAM Best. Urk. 76 Nr. 2630]
- Wyderoldeshusen (1431) [HStAM Best. Urk. 76 Nr. 2373]
- Wederoldeshusen (1432) [HStAM Urk. 13, Nr. 5425]
- Wittersershausen (1553) [Friedewalder Salbuch HStAM S Nr. 318]
- Weideroldeshausen (1564) [HStAM Best. Urk. 14 Nr. 2911]
- Widdershausen (1585) [Der ökonomische Staat, S. 80]
- Wedershausen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Widdershausen (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
- Wittershausen (1771) [HStAM Best. 49 d, Nachträge Nr. 30]
Bezeichnung der Siedlung
- villa (1347)
- Dorf (1431)
- Dorf, Dorfschaft (1771)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Umlegung der Flur
1873
Älteste Gemarkungskarte
1704
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3571331, 5641998
UTM: 32 U 571228 5640181
WGS84: 50.908878° N, 10.013118° O
Statistik
Ortskennziffer
632009070
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 533, davon 341 Acker (= 63.98 %), 102 Wiesen (= 19.14 %), 0 Holzungen
- 1961 (Hektar): 534, davon 2 Wald (= 0.37 %)
Einwohnerstatistik
- 1553: 44 zinsbare Häuser
- 1585: 49 Haushaltungen (Der ökonomische Staat, S. 80)
- 1747: 71 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1771: 72 steuerpflichtige Häuser mit 314 Menschen; Gewerbetreibende: 2 Schmiede, 2 Wagner, 3 Schneider, 2 Schuster, 1 Zeugmacher, 23 Leinweber, 1 Müller, 1 Brandweinbrenner, 2 Brandweinschenker, 2 Zimmerleute, 1 Krämer, 10 Tagelöhner und Wollspinner, 1 Bäcker
- 1885: 520, davon 519 evangelisch (= 99.81 %), 1 katholisch (= 0.19 %)
- 1961: 1404, davon 1333 evangelisch (= 94.94 %), 68 katholisch (= 4.84 %)
- 1970: 1363
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1431: Landgrafschaft Hessen, Amt Friedewald, Gericht Heringen
- 1553: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Friedewald, Gericht Heringen
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald, Unteramt
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Friedewald
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hersfeld
Gemeindeentwicklung
Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Heringen (Werra) eingegliedert.
Gericht
- 1822: Justizamt Friedewald
- 1867: Amtsgericht Friedewald
- 1879: Amtsgericht Friedewald
- vor 1945: Amtsgericht Friedewald
- 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld
Herrschaft
Fulda, Kloster Hessen, Landgrafen von Die Herrschaftsverhältnisse sind anfangs umstritten. 1315 haben die von Hornsberg Besitzungen als fuldisches Lehen. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert wird das gesamte Amt Friedewald mit dem Untergericht Heringen als landgräflich betrachtet. 1431 ist das Dorf Widdershausen aber fuldisches Lehen der von Kolmatsch. 1432 verkaufen Grete, Witwe des Kurt von Heringen, und ihr Sohn Heinrich von Heringen das Gericht Heringen für 2.100 Gulden an Landgraf Ludwig von Hessen, wobei das Dorf Widdershausen explizit genannt wird. In der Folge, so 1553 und 1771, ist Widdershausen vollumfänglich landgräflich, ein dortiges Gut aber 1564 Lehen der von Boyneburg.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1432 kam Widdershausen beim Kauf des Gerichts Heringen an Hessen.
- Das Dorf war aber 1431fuldisches Lehen der von Kolmatsch.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Kirche mit gotischem Chorturm und um 1700 errichtetem Fachwerkobergeschoss.
- 1875 Gründung der selbstständigen evangelisch-lutherischen Gemeinde Widdershausen, deren eigenes Gotteshaus in der Brunnenstraße 1951 geweiht wird.
Pfarrzugehörigkeit
ca. 1530 zu Obersuhl, ca. 1543 bei Dankmarshausen eingepfarrt, 1558-1589 zu Obersuhl, 1585 Filial von Heringen, 1747 und 1771 wieder von Obersuhl, seit 1808 Vikariat von Heringen, so auch 1872. Später bis 1958 wieder zu Obersuhl, in diesem Jahr dann Errichtung einer eigenen Pfarrstelle Widdershausen mit den Fililagemeinden Kleinensee und Leimbach.
Diakonische Einrichtungen
1933 - 1976 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Stephan Meister ca. 1528
Kultur
Schulen
1771 ist kein Schulhaus vorhanden, der Schulmeister bewohnt seine eigene Wohnung
1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
1553 wird eine Mühle mit zwei Gängen erwähnt.
1771 werden in der Mühle mit dem Wasser der Werra über ein unterschlächtiges Wasserrad zwei Mahlgänge und ein Schlaggang betrieben. 1903/4 hat die Firma Winterhall die von ihr erworbene Mühle zu einer neuzeitlichen Wasserkraftanlage ausgebaut, die seit 1966 nicht mehr genutzt wird.
Zoll
1553 wird der Zoll nach Friedewald gezahlt
Nachweise
Literatur
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 404-408
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 96
- Schellhase, Kreis Rotenburg, S. 246 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 515
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 549
Siehe auch
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Orte
Personen
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Widdershausen, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3294_widdershausen> (aufgerufen am 01.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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