Schenklengsfeld

Dorf · 315 m über NN  
Gemeinde
Schenklengsfeld
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

11,5 km südöstlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen an der Solz an den Nordwestausläufern der Kuppenrhön. Ausgangspunkte der Siedlung sind der Lindenplatz mit historischer Linde am rechten und die evangelische Pfarrkirche auf einer Anhöhe am rechten Solzufer. Hauptachse ist die im Zuge der L 3171 durch den Ort parallel zur Solz von Süden nach Norden führende Hersfelder Straße. Von ihr zweigt vor der Kirche die über Konrode nach Westen führende L 3341 ab. Nach Osten führt die Landecker Str. über Oberlengsfeld zur L 3172. Siedlungsausdehnung nach Westen Richtung Konrode, nach Norden sowie nach Osten (hier auch die Katholische Kirche, Landecker Str. 37). Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Philippsthal/Heimboldshausen (Inbetriebnahme der Strecke 27.9.1912) bis zur Stilllegung der Strecke am 31.12.1993.

Ersterwähnung

1114-1127

Historische Namensformen

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung

Umlegung der Flur

1903

Älteste Gemarkungskarte

1707, kop. 1819

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3559548, 5631909
UTM: 32 U 559450 5630096
WGS84: 50.81953° N, 9.84397° O

Statistik

Ortskennziffer

632019090

Flächennutzungsstatistik

  • 1885 (Hektar): 458, davon 361 Acker (= 78.82 %), 47 Wiesen (= 10.26 %), 3 Holzungen (= 0.66 %)
  • 1961 (Hektar): 510, davon 4 Wald (= 0.78 %)

Einwohnerstatistik

  • 1571: 82 Hausgesesse
  • 1585: 82 Hausgesesse
  • um 1610: 82 Hausgesesse
  • 1628: 82 Hausgesesse
  • 1673: 47 Hausgesesse
  • 1747: 115 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1826: 140 steuerpflichtige Häuser mit 754 Einwohnern, zuzüglich 65 Israeliten, Gewerbetreibende: 6 Mahlmüller und Ölmüller, 1 Wirt, 2 Schmiede, 7 Schreiner, 3 Wagner, 3 Zimmerleuten, 6 Schneider, 1 Bäcker, 3 Färber, 6 Maurer und Steinmetze, 3 Dachdecker und Weisbinder 10 Schuhmacher und Schuhflicker 10 Leineweber, 1 Ziegelbrenner, 3 Drechsler, 14 Handelsleute und Makler, 4 Küfer 1 Musikant, 6 Schäfer, 1 Tagelöhner und 17 Wollspinnerinnen (Peter Roßkopf, Das Landecker Amt im Kreise Hersfeld, S. 355-356)
  • 1885: 1108, davon 915 evangelisch (= 82.58 %), 5 katholisch (= 0.45 %), 188 Juden (= 16.97 %)
  • 1961: 1657, davon 1475 evangelisch (= 89.02 %), 163 katholisch (= 9.84 %)
  • 1970: 1609

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • 1550: Reichsabtei Hersfeld/Landgrafschaft Hessen, Amt Landeck
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Landeck (halb hersfeldisch)
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Landeck
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck (zuletzt Amt Friedewald)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis

Hersfeld

Gemeindeentwicklung

Am 1.4.1962 wurde die Gemeinde Lampertsfeld in die Gemeinde Schenklengsfeld eingegliedert. Am 1.2.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform durch Eingliederung der Gemeinden Konrode, Oberlengsfeld, Unterweisenborn und Wehrshausen in die Gemeinde Schenklengsfeld eine Neubildung. Zu deren weiterer Entwicklung s. Schenklengsfeld, Gemeinde.

Gericht

  • vor 1822: Amt Landeck
  • 1822: Justizamt Friedewald
  • 1832: Justizamt Friedewald
  • 1833: Justizamt Schenklengsfeld
  • 1867: Amtsgericht Schenklengsfeld
  • 1879: Amtsgericht Schenklengsfeld
  • vor 1945: Amtsgericht Schenklengsfeld
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft

  • Seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts tauchen Adlige von Schenklengsfeld im Umfeld der Abtei Hersfeld auf. 1314 überträgt der Abt von Hersfeld Einkünfte u.a. in Schenklengsfeld als Burglehen an Hermann von Borsch und dessen Ehefrau Elisabeth. Unter den vom Abt von Hersfeld 1327 bestätigten Burglehngütern der von Hattenbach gehören auch solche zu Schenklengsfeld. 1402 erhält die Witwe Elisabeth von Romrod vom Abt von Hersfeld eine Hofstätte im Kirchhof von Lengsfeld als Lehen. 1482 kommt es zur Schlichtung einer Fehde über einen Hof bei Schenklengsfeld zwischen Johann von Buttlar dem Jüngeren und Abt Ludwig [III.] von Hersfeld. Verwaltungstechnisch gehört es zum Amt Landeck, dessen Sitz die Burg ist. Die Landgrafen von Hessen versuchen seit dem 15. Jahrhundert, ihre Herrschaft in diesem Raum auszudehnen und die Abtei zurückzudrängen. Die Herrschaft im Amt Landeck ist daher zwischen der Reichsabtei Hersfeld und der Landgrafschaft Hessen vor allem im 16. Jahrhundert strittig. Nach dem Bauernkrieg besetzte Landgraf Philipp von Hessen die Burg, die zerstört war. 1550 schloss er mit dem Hersfelder Abt einen Vertrag, der Hersfeld die Hälfte des Besitzes in Schloss und Amt Landeck überließ. 1557 wurde dieser Teil durch den Hersfelder Abt den Söhnen des Landgrafen zu Lehen überlassen. Nach dem Dreißgjährigen Krieg fiel mit dem Westfälischen Frieden das gesamte Amt endgültig 1651 an die Landgrafschaft Hessen. 1736 bis 1742 fiel es vorübergehend an Kursachsen.

Besitz

Ortsadel

(1114-1127), 1160

Kirche und Religion

Ortskirchen

  • parrochia, parrochianus (1141)
  • Kirchhof (1402)
  • Gotischer Chorturm Ende des 15. Jahrhunderts, Schiff als barocker Saalbau 1733-38 von Adam Johannes Erdinger errichtet
  • Katholische Pfarrkirche St. Maria von den Engeln

Pfarrzugehörigkeit

1141 Pfarrbezirk, von dem die neu errichtete Kirche Hamundeseiche durch den Bischof von Würzburg getrennt wird
1826 sind eingepfarrt: Oberlengsfeld, Wehrshausen und Hof Kahlhausen, Hof Thalhaußen, Hof Rimrode, Unterweißenborn, Landershausen, Conrode, Wüstfeld, Dünckelrode, Malckomes, Schenksolz, Lampersfeld und als Filial Ransbach. 1872 ist Ransbach als eigene Pfarrei bereits ausgeschieden. 1994 sind Oberlengsfeld, Wehrshausen, Unterweißenborn, Landershausen, Conrode, Wüstfeld, Dünckelrode, Malckomes und Schenksolz eingepfarrt, Hilmes ist seit 1976 Vikariatsgemeinde

Patronat

Ursprünglich Abt von Hersfeld, spätestens seit 1651 landgräflich

Diakonische Einrichtungen

Gemeindekrankenpflegestation vom Pfarramt gegründet und bis 1922 durch Kirchengemeinde bezahlt; seitdem von Kreisfürsorge übernommen und mit 1 "Freien" Schwester besetzt Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 296; 1944 - 1959 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel

Einführung der Reformation vermutlich um 1527.
Erster evangelischer Pfarrer: Cyriakus Ortleib (Wener?) ca. 1553-1573

Kirchliche Mittelbehörden

1141: Bistum Würzburg
1464/65: Bistum Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa

Juden

Provinzial Rabbinat Fulda 1835: 99; 1861: 144; 1905: 161; 1932/33: 170 Juden 1494 Schutzbrief für jüdische Familie vom Abt der Reichsabtei Hersfeld gewährt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren Juden nachweislich im Ort wohnhaft. Im 19. Jahrhundert nahm die jüdische Bevölkerung zu. Eine Elementarschule bestand mindestens seit 1845, 1933 sollte sie aufgehoben werden. 1936 wurde überlegt sie als Privatschule weiterzuführen. 1938 löste sie allerdings die jüdische Gemeinde auf. Die Gemeinde hatte seit 1870 einen eigenen Friedhof. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen

1826 ist ein Schulhaus vorhanden, welches der Cantor bewohnt
1910 Volksschule mit vier Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)

Sonstiges

Spätmittelalterlicher Gesundbrunnen sowie zwei weitere frühneuzeitliche Quellen führen ab 1688 zu mehrjährigem Badebetrieb mit Brunnenhaus

Wirtschaft

Mühlen

1826: 6 Mühlen, 3 überm, 2 unterm sowie 1 im Dorf. Vgl. Feldmühle, Mauermühle, Obermühle, Weißmühle Die Dorfmühle am südlichen Rand des Dorfes wurde mit dem Wasser der Solz bis 1931 über ein oberschlägiges Wasserrad angetrieben, das 1958 nicht mehr vorhanden war. Die Grabenmühle in der Raifeisenstraße hatte 1895 7 Bewohner und wurde gleichfalls mit dem Wasser der Solz mit eine oberschlägigen Wasserrad angetrieben. Die Walkemühle wurde 1898 abgerissen, die Mahlmühle stellte 1969 ihren Betrieb ein.

Markt

1826: 4 Jahrmärkte, Petritag (22. Februar), Mittwoch nach Jubilate (dritter Sonntag nach Ostern), Kreuzerhöhung (14. September) und Mittwoch vor dem ersten Advent

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schenklengsfeld, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3281_schenklengsfeld> (aufgerufen am 05.05.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/3281