Kirchheim

Dorf · 248 m über NN  
Gemeinde
Kirchheim
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

10 km südwestlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage

Ursprünglich kleines Straßendorf an den Südausläufern des Knüllgebirges im Tal der in die Fulda mündenden Aula. Kern der Siedlung im Norden um die Dorfmühle und die höher gelegene Kirche, daran wiederum nördlich anknüpfend der Guts- bzw. Schlossbereich. Hauptachse ist die durch den Ort nach Nordwesten Richtung Schwalmstadt führende B 454. Bis um 1900 zunächst nur geringe Ausdehnung nach Süden und Osten entlang der Zufahrtsstraßen. Grundlegender Wandel durch die ab 1936 durch Kirchheims Gemarkungen gebauten Autobahnen, die A 7 von Frankfurt Richtung Kassel und die A 4 Richtung Eisenach. Kirchheim befindet sich westlich des gleichnamigen Autobahndreiecks. Südöstlich des alten Kerns entsteht im Biedbachtal ein großes Familien-Feriendorf im Ibratal an einem aufgestauten See das Feriendorf Seepark Kirchheim. Im Westen ehemaliger Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Schwalmstadt/Treysa (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1906) bis zur Stilllegung der Strecke am 10.9.1984. Die östlich von Kirchheim verlaufende Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg wurde 1991 fertiggestellt.

Ersterwähnung

(775-786)

Siedlungsentwicklung

Als Schenkung im "Breviarium Lulli" für 769-775 bzw. 786 erwähnt.
Rund 2,5 km ostnordöstlich der Ortsmitte nördlich des Großerrück, fanden sich in einem von Westen kommenden Seitental des oberen Asbachtals Hinweise auf eine Wüstung, der bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten.

Historische Namensformen

Bezeichnung der Siedlung

  • Dorf (1595)
  • Dorf, Dorfschaft (1770)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung

Burgen und Befestigungen

Umlegung der Flur

1902

Älteste Gemarkungskarte

1767

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3540742, 5633555
UTM: 32 U 540652 5631741
WGS84: 50.835952° N, 9.577301° O

Statistik

Ortskennziffer

632011080

Flächennutzungsstatistik

  • 1885 (Hektar): 589, davon 387 Acker (= 65.70 %), 103 Wiesen (= 17.49 %), 34 Holzungen (= 5.77 %)
  • 1961 (Hektar): 597, davon 51 Wald (= 8.54 %)

Einwohnerstatistik

  • um 1610: 75 Hausgesesse
  • 1628: 75 Hausgesesse
  • 1673: 44 Hausgesesse
  • 1747: 81 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1885: 547, davon 536 evangelisch (= 97.99 %), 6 katholisch (= 1.10 %), 4 andere Christen (= 0.73 %), 1 Juden (= 0.18 %)
  • 1770: 87 Häuser mit 402 Menschen; Gewerbetreibende: 3 Schmiede, 3 Wagner, 1 Schuhmacher, 3 Schneider, 2 Fenstermacher, 3 Müller, 1 Handelsjude, 15 Leinweber, worunter aber die mehrsten auch tagelohnen, 20 Leinweber so Ackerleute und auch ihr eigen Tuch machen, 12 Tagelöhner, 1 Wirt und ? so bloß Ackerbau treiben (HStAM, 49 d, Hersfeld 232)
  • 1961: 1085, davon 812 evangelisch (= 74.84 %), 255 katholisch (= 23.50 %)
  • 1970: 1520
  • 1981: 3962 (mit Ortsteilen)
  • 2003: 3951 (mit Ortsteilen)

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • 9. Jh.: Hessengau (in pago Hassorum)
  • 1561: Reichsabtei Hersfeld, Amt und Gericht Niederaula
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (von Baumbach)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (von Baumbach)
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Niederaula
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (zuletzt Landgericht Hersfeld)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis

Hersfeld

Gemeindeentwicklung

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform am 1.2.1971 neu gebildeten Gemeinde s. Kirchheim, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Kirchheim.

Gericht

  • vor 1822: Amt Niederaula
  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1832: Justizamt Niederaula
  • 1867: Amtsgericht Niederaula
  • 1879: Amtsgericht Niederaula
  • 1932: Amtsgericht Bad Hersfeld
  • 1933: Amtsgericht Oberaula (Zweigstelle Niederaula)
  • 1943: Amtsgericht Oberaula
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft

  • In Kirchheim entwickeln sich zwei getrennte Herrschaftsbereiche, die beide auf ursprüngliche Hoheitsrechte der Reichsabtei Herrsfeld zurückgehen: Die Burg bzw. das Herrenhaus der Hattenbacher, später der Baumbacher und das Dorf Kirchheim.
  • 1. Die Burg (vgl. Burg Kirchheim)
  • 1236 urkundet der Abt von Hersfeld in Kirchheim. 1253 übergibt Graf Heinrich von Schwarzburg dem Kloster Hersfeld mit seiner Ehefrau Sophie und seiner Tochter Ermengard sieben Hufen aus seinem Eigengut im Ilmtal als Ersatz für sieben Hufen in Kirchheim, die er vom Kloster als Lehen hatte.
  • 1348 verkauft Eberhard von Milnrode das von den Grafen von Ziegenhain rührende Lehen in Kirchheim an Volprecht Kellner und Dietrich Schäfer verpfändet hat.
  • Hattenbach, Adlige Hersfeld, Kloster1426 überträgt Apel von Hattenbach seinem Neffen Johann von Bimbach seinen Besitz, besonders den Burgsitz in Hattenbach und den zur Burg gehörenden Besitz in weiteren zahlreichen genannten Orten, darunter auch Kirchheim, für 400 Gulden. 1440 und 1459 lassen sich die Herren von Schlitz in Kirchheim als Lehnsmannen von Hersfeld nachweisen. 1490 belehnt Heinrich von Hattenbach Johann Schobmack als Vormund des Lorenz Folns und seiner Geschwister mit einem Gut in Kirchheim.
  • Um 1583 ist das Gut Kirchheim als Erbe und in den Händen der Barbara von Hattenbach und ihres Gatten Reinhards von Dalwigk. Das Ehepaar verpfändete und verkaufte es schließlich an Reinhard von Baumbach.
  • Der Lehnsbesitz umfasste die Burg und eine Mühle. Dazu gehörten auch mehrere Hintersiedler. Außer den Diensten dieser Hintersiedler hatten die von Baumbach keine Rechte und Zinsen im Dorf. 1770 haben die von Baumbach eine "freie adliche Wohnung und ein Meierhaus auf den Sieben Morgen genannt"
  • 2. Das Dorf
  • 1651 und auch 1770 gehört das Dorf den Landgrafen von Hessen

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer

  • Vor der Erhebung Hersfelds zum Reichskloster (775) erhält dieses von liberi homines insgesamt 18 Hufen und 18 Mansen in den Orten Kirchheim (Altkreis Hersfeld), Lispenhausen (Altkreis Rotenburg) [fälschlich bei Reuling: Lautenhausen], Ottrau und (Wüstung) Grenf (beide Altkreis Ziegenhain) (Historisches Ortslexikon Ziegenhain, S. 58 u. 145).

Kirche und Religion

Ortskirchen

Pfarrzugehörigkeit

Im 15. Jahrhundert Pfarrei, 1502-1515 und 1560 Filialort von Niederaula, 1518 wieder Pfarrei. 1770 und 1872 Mutterkirche, in die Reckerode, Goßmannsrode, Rotterterode, Gershausen und Heddersdorf (halb) eingepfarrt, 1994 sind es Reckerode, Goßmannsrode, Rotterterode, Gershausen, Kemmerode und Reimboldshausen

Patronat

Ursprünglich Abt von Hersfeld, spätestens nach 1651 Landgrafen von Hessen

Diakonische Einrichtungen

13.11.1910 eine Schwester, Krankenpflege, Vereinsbetreuung, Gemeindearbeit Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu CasselS. 303; Diakoniesation bis 1961 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archipresbyterat Fritzlar, Erzpriestersprengel Ottrau

Kultur

Schulen

sei 1610 Bestand einer Schule; 1648 erste Erwähnung eines Schulhauses, 1770 wohnt der Schulmeister im Schulhaus
1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)

Wirtschaft

Bis 1800 überwiegend Landwirtschaft, im 19. Jahrhundert auch Wollkämmerei. Durch die Ausbildung als Verkehrsknotenpunkt im 20. Jahrhundert wird Kirchheim ein Zentrum des Handels- und Fernverkehrs

Mühlen

vgl. Eichmühle und Weyhe-Mühle Die Dorfmühle befand sich im Nordwesten von Kirchheim (Hauptstraße 55). 1770 hat sie drei Gänge, einen unter- und einen oberschlägigen Mahl- und einen oberschlägigen Schlaggang. Sie wurde mit dem Wasser der Aula bis 1935 über ein oberschlächtiges Wasserrad betrieben, danach über eine Turbine.

Nachweise

Literatur

Weblinks

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Kirchheim, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3228_kirchheim> (aufgerufen am 04.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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