Frielingen

Dorf · 278 m über NN  
Gemeinde
Kirchheim
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

12,5 km westlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage

Siedlung mit regellosem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung südöstlich des Knüllgebirges beiderseits der in die Fulda mündenden Aula. Älterer Teil der Siedlung südlich der Aula mit Kirche im Süden. Jüngere Bebauung vornehmlich entlang der durch den Ort Richtung Schwalmstadt als Hauptachse führenden Bundesstraße 454 (Frielinger Straße). Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Schwalmstadt/Treysa (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1906) bis zur Stilllegung der Strecke am 10.9.1984.

Ersterwähnung

(vor 1142)

Siedlungsentwicklung

Im Bereich der Gemarkung Frielingen, im oberen Kisselbachtal, rund 0,4 km südlich unterhalb der Wüstung Heiligenborn und 0,4 km südlich unterhalb einer anderen Fundstelle sowie rund 1,3 km nordnordöstlich der Ortsmitte von Kirchheim im mittleren Kisselbachtal auf einem schmalen Gleithang gegenüber der Einmündung eines von Ostnordost kommenden Seitentals im Wiesengelände, fanden sich Hinweise auf Wüstungen, denen bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten.

Historische Namensformen

Bezeichnung der Siedlung

  • Dorf (1600)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung

Umlegung der Flur

1899

Älteste Gemarkungskarte

1757

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3537423, 5635724
UTM: 32 U 537334 5633909
WGS84: 50.855672° N, 9.530409° O

Statistik

Ortskennziffer

632011020

Flächennutzungsstatistik

  • 1885 (Hektar): 781, davon 215 Acker (= 27.53 %), 65 Wiesen (= 8.32 %), 451 Holzungen (= 57.75 %)
  • 1961 (Hektar): 777, davon 489 Wald (= 62.93 %)

Einwohnerstatistik

  • um 1610: 2 Hausgesesse
  • 1628: 2 Hausgesesse
  • 1673: 26 Hausgesesse
  • 1747: 38 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1766: 43 steuerpflichtige Häuser mit 183 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Maurer, 1 Schmied, 1 Büttner, 1 Ziegel- und Kalkbrenner, 1 Schreiner, 2 Schneider, 1 Müller, 1 Krämer, 1 Schuster, 4 Leinweber, 3 Leinweber, so auch Ackerleute und ihr eigen Tuch machen, 1 Seifensieder, 7 Tagelöhner und 5 Beisitzer, die übrigen nähren sich bloß vom Ackerbau (HStAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 89)
  • 1885: 296, davon 294 evangelisch (= 99.32 %), 2 katholisch (= 0.68 %)
  • 1961: 389, davon 333 evangelisch (= 85.60 %), 47 katholisch (= 12.08 %)
  • 1970: 408

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • 15. Jahrhundert: Reichsabtei Hersfeld, Amt und Gericht Niederaula (Ganerben von Frielingen)
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (Ganerben: von Diede zum Fürstenstein und von Meisenburg)
  • 1766: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (Ganerben: von Diede zum Fürstenstein und von Meisenburg)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (Ganerben: von Diede zum Fürstenstein und von Meisenburg)
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Obergeis
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (zuletzt Landgericht Hersfeld)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis

Hersfeld

Gemeindeentwicklung

Am 1.2.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Kirchheim eingegliedert.

Gericht

  • vor 1822: Amt Niederaula
  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1832: Justizamt Niederaula
  • 1867: Amtsgericht Niederaula
  • 1879: Amtsgericht Niederaula
  • 1932: Amtsgericht Oberaula
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft

  • Im 12. Jahrhundert ist hier ein Adelsgeschlecht ansässig, das sich nach Frielingen benennt. 1365 verpfänden sie einen Teil ihres Besitzes an die von Reckrode. 1366 erhalten die von Borken dort Hersfelder Lehen. Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld und seinem endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Frielendorf zumindest formal in hersfeldischem Besitz und ist dem Amt Niederaula zugeordnet. Frielendorf gehört zu den Dörfern im Frielinger Grund, mit denen die Äbte von Hersfeld ihre Lehnsleute ausstatteten. Zwischen den Frielinger Ganerben kam es im 16. Jahrhundert zu Streitigkeiten, die 1600 durch einen Vergleich geregelt wurden. In Frielingen werden ihnen beschränkte Hoheitsrechte zugestanden. Auf die Buchenauer folgen 1535 die Speck, 1541 Philipp von der Malsburg anteilig. 1599 und 1610 sind die Hanstein, die Meisenbug und Spede im Besitz, 1673 werden die Meisenbug und Spede als Frielinger Ganerben bezeichnet, 1778 die Diede. Die Ortsherrschaft aber ist zu diesem Zeitpunkt unstrittig landgräflich, der Ortsadel hat aber anteiligen Besitz (vgl. Wunder, Adel im Hessen des 18. Jahrhunderts, Register S. 830). 1820 fällt das Dorf an die von Baumbach,

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer

  • Lehensherr: Kloster Hersfeld 1410 erfolgt der Verkauf eines Guts in Frielingen durch Johann und Nese von Ufhausen an Dekan und Konvent von Hersfeld

Kirche und Religion

Ortskirchen

  • Kirchhof (1363)
  • Kirche mit geostetem Saalbau und westlichem quadratischen Turm um 1600 erbaut, 1847 erneuert, 1950 renoviert

Pfarrzugehörigkeit

Seit 1521 Pfarrei, vor 1585 zu Niederaula gehörig, 1766: Mutterkirche, in die die Gemeinden Allendorf, Gersdorf, Willingshagen und 13 Mann von Heddersdorf eingepfarrt sind. 1872 sind Allendorf, Gersdorf und Willingshain sowie 2/3 von Heddersdorf eingepfarrt; 1994 ist Frielingen Mutterkirche mit Willingshain als Filiale, Allendorf in der Wüste, Heddersdorf und Gersdorf sind eingepfarrt.

Patronat

Abt von Hersfeld, seit 1651 landgräflich

Diakonische Einrichtungen

1926 eine vom Kreis angestellte Diakonisse Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 285

Bekenntniswechsel

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Förster bis ca. 1560

Kirchliche Mittelbehörden

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archipresbyterat Fritzlar, Erzpriestersprengel Ottrau

Juden

1835 leben 18 und 1861 22 Juden im Ort.

Kultur

Schulen

1766 ist ein Schulhaus vorhanden, in dem der Schulmeister wohnt

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)

Wirtschaft

Mühlen

Die Dorfmühle befand sich im südwestlichen Teil von Frielingen, nördlich der früheren Eisenbahnlinie. 1766 werden in der Mühle mit dem Wasser der Aula eine Mahl- und Schlaggang über zwei oberschlägige Wasserräder betrieben. 1932 werden die Räder durch eine Turbine ersetzt. 1977 wird der Betrieb eingestellt, 1981 die Anlage beseitigt.

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Frielingen, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3032_frielingen> (aufgerufen am 05.05.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/3032