Külte

Die Lage von Külte im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
5 km nordöstlich von Bad Arolsen
Lage und Verkehrslage
Dorf mit regellosem Grundriss und geringer Siedlungsdichte am linken Ufer der Twiste. Kirche in zentraler Lage. Moderne Siedlungsausdehnung nach Südwesten, Nordosten und Osten. Verbindungsstraßen nach Süden zur L 3080 (Volkmarsen-Bad Arolsen) und nordöstlich nach Herbsen. Bahnhof der Eisenbahnlinie Warburg – Korbach ("Twistetalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1890).
Ersterwähnung
1036
Historische Namensformen
- Culti, in finibus (8./9. Jahrhundert) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, S. 193, fol. 106va, Nr. 95 = Dronke, Traditiones, S. 101, Kap. 41, Nr. 95]
- Culite; Culete (1036) [12. Jahrhundert; Transsumpt 1416 Urkundenbuch des Stifts Busdorf in Paderborn 1, S. 1-7, Nr. 1 M; A]
- Culete, de (1158) [Regesta historiae Westfaliae 2: 1126-1200, Urkundenbuch, S. 88-89, Nr. 313]
- Kulete (1231) [Westfälisches Urkundenbuch 4.1, S. 130-131, Nr. 198]
- Kulette (1231) [Abschrift 17. Jahrhundert Westfälisches Urkundenbuch 4.1, S. 133-135, Nr. 204]
- Culte, in (1236) [Spilcker, Geschichte der Grafen von Everstein und ihrer Besitzungen, Urkundenbuch, S. 68, Nr. 55]
- Culte, in (1312) [Abschrift 15. Jahrhundert, Westfälisches Urkundenbuch 9: Urkunden des Bistums Paderborn 1301-1325, S. 462, Nr. 994 = HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 10478]
- Culte, in (1318) [Spilcker, Geschichte der Grafen von Everstein und ihrer Besitzungen, Urkundenbuch, S. 270-274, Nr. 325]
- Culte, in (1332-1344) [Urkunden zur Geschichte der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont, bearb. von Louis Curtze, o.J., Exemplar in der Dienstbibliothek des Hessischen Staatsarchivs Marburg, S. 39-50, Nr. 31, hier S. 40]
- Cülte (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]
Bezeichnung der Siedlung
- villa (1036)
- villa (1312)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Älteste Gemarkungskarte
1856
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3505340, 5696405
UTM: 32 U 505264 5694566
WGS84: 51.4023° N, 9.075675° O
Statistik
Ortskennziffer
635020040
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 1002, davon 438 Acker (= 43.71 %), 81 Wiesen (= 8.08 %), 310 Holzungen (= 30.94 %)
- 1961 (Hektar): 1003, davon 382 Wald (= 38.09 %)
Einwohnerstatistik
- 1541: 29 Häuser
- 1738: 59 Häuser
- 1770: 79 Häuser, 474 Einwohner
- 1885: 575, davon 573 evangelisch (= 99.65 %), 2 katholisch (= 0.35 %)
- 1961: 864, davon 780 evangelisch (= 90.28 %), 59 katholisch (= 6.83 %)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 8./9. Jahrhundert: Herzogtum Sachsen (in provincia Saxonie)
- 1495: Grafschaft Waldeck, Amt Wetterburg und Kurköln, Herzogtum Westfalen, Amt Koglenberg (strittige Ansprüche)
- 1510: Grafschaft Waldeck, Amt Wetterburg
- 1537: Grafschaft Waldeck, Amt Wetterburg
- 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Landau
- 1755: Fürstentum Waldeck, Amt Landau
- bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Wetterburg
- 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Diemel (Sitz in Arolsen)
- 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
- 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste
- 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Twiste
- 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Altkreis
Wolfhagen
Gemeindeentwicklung
Am 1. August 1972 als Stadtteil in die Stadt Volkmarsen eingemeindet.
Gericht
- 1236: Freigericht Külte (seit 1294 nach Reigerlütersen benannt)
- 1318: Niedergericht der Herren von Mederich als waldeckisches Lehen
- 1537: Freigericht Mengeringhausen
- 1816: Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
- 1850: Kreisgericht Arolsen
- 1868/69: Amtsgericht Arolsen
Herrschaft
- Das Freigericht in Külte ist bereits im 13. Jahrhundert in den Händen der Grafen von Waldeck. 1332-44 hat Herboldd von Mederich die Vogtei über die Kirche und die Kirchengüter als waldeckisches Lehen. 1495 ist die herrschaftliche Zugehörigkeit zwischen der Grafschaft Waldeck und dem Kurfürstentum Köln umstritten, doch können sich die Grafen durchsetzen.
- 1537 hat der Graf von Waldeck in Külte die Obrigkeit, Gebot, Folge, Straße und Halsgericht inne.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- Im 8./9. Jahrhundert erhält Kloster Fulda eine Schenkung von Ratwar in Külte, deren weitere Entwicklung sich jedoch nicht verfolgen lässt.
- 1036 beurkundet Bischof Meinwerk von Paderborn die Gründung des Stifts Busdorf und bestätigt ihm den Besitz des Zehnten von Külte mit den zugehörigen 3 Vorwerken, einem im Ort selbst, einen in Forsti und einem in Rhoden.
- 1312 übertragen Dietrich von Mederike und sein Sohn Herbold dem Pleban in Külte genannte Ländereien in Lütersen, im Buchforst und Cülte deshalb, weil die bisherige Filialkapelle in Cülte, Schmillinghausen, selbständig wurde.
- Im 15. Jahrhundert sind auch die Gudenburger sowie die von Brobeck begütert. 1510 verkaufen die Grafen Philipp (d. Ä.) und Philipp (d. J.) von Waldeck, Vater und Sohn, an Friedrich von Twiste, dessen Frau Else und deren Erben oder Halter des Briefs die Wetterburg mit allem Zubehör, mit dem Dorf Cülte, den Höfen Bullinghausen und Odelbecke etc., für 800 rheinische Goldgulden, wiederkäuflich um die gleiche Summe (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 10357).
Zehntverhältnisse
1036 kommt der Zehnte an das Stift Busdorf. 1537 gehörte er den Grafen von Waldeck nur teilweise, sie mussten noch jährlich 5 Goldgulden an Paderborn zahlen.
Ortsadel
1158: Berthold von Külte
Kirche und Religion
Ortskirchen
- 1224: Pfarrer
- 1231: ecclesia
- Ursprünglich zweischiffige romanische Pfeilerbasilika mit Rechteckchor und eingezogenem Westturm. Bei Umbaumaßnahmen im 17./18. Jahrhundert Seitenschiff entfernt.
Patrozinien
- Dionysius; Georg (Georgius)
Pfarrzugehörigkeit
Zur mittelalterlichen Pfarrei gehören zunächst Wetterburg und bis 1312 auch Schmillinghausen mit Herbsen und Hörle. Wetterburg wird 1658 eigene Pfarrstelle ohne Filialort, 1805 wird es Filial von Külte. 1912 kommt Neu-Berich als Filial an Külte, 1980 mit der Aufhebung der Pfarrstelle wird Wetterburg Vikariatsgemeinde.
Patronat
Patronat bei den Herren von Mederich, dann die von Gudensberg und nach deren Aussterben die Grafen von Waldeck
Diakonische Einrichtungen
1887 Diakonissen des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim, Arolsen, arbeiten im Kindergarten und in der Gemeindepflege
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Detmarus 1542-1576, eingesetzt nach dem Tod des letzten katholischen Pfarrers 1542.
Kirchliche Mittelbehörden
Bis 1530: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Warburg
Juden
1802: 1 Familie; 1826: 1 Familie (7 Personen); 1847: 1 Familie (4 Personen)
Kultur
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
1678 wird der Blechhammer angelegt, 1770 wird dieser in eine Tuchfabrik umgewandelt. 1812/17 Gründung einer Lederfabrik
Nachweise
Literatur
- Külte. Waldeckische Ortssippenbücher 46
- Karl Schäfer, Geschichte der Eisenindustrie in der ehemaligen Grafschaft Waldeck, S. 165-167
- Bau- und Kunstdenkmäler Kassel N.F. 2 (Kreis der Twiste), S. 141-147,
- Bockshammer, Grafschaft Waldeck, S. 98-99, 207-210,
- Baum, Die evangelischen Geistlichen, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont 39 (1939), S. 58
- Berbüsse, Geschichte der Juden in Waldeck. Emanzipation und Antisemitismus vor 1900, S. 41
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Külte, Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/1625_kuelte> (aufgerufen am 19.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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