Unterliederbach

Die Lage von Unterliederbach im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
10,5 km westlich von Frankfurt am Main
Lage und Verkehrslage
Siedlung rechts des unteren Liederbachs in Tallage im östlichen Main-Taunus-Vorland. Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Höchst – Königstein (Inbetriebnahme der Strecke 24.2.1902).
Ersterwähnung
780-802
Vorbemerkung Historische Namensformen
Da die Schriftquellen bis ins 13. Jahrhundert keine Differenzierung vornehmen vgl. auch Oberliederbach
Historische Namensformen
- Liderbach (780-802) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, fol. 108ra, S. 198, [2] = Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, S. 498-499, Nr. 509]
- Leoderbach (838) [Kop. 2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3367]
- Liderbach, in (1191) (UB Mainz 2, 2, Nr. 557, S. 922-924)
- inferiori Liderbach, in (1222) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 268-269, Nr. 380]
- inferiori Liderbach (1282/83) [Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 84 Nr. 161]
- inferius Lyderbach (1306) [Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt 1, Nr. 872, S. 449-450]
- Lyderbach inferiori (1362)
- Nidernliderbach (1406)
- Niddemliederbach (1492
- Niddern Liederbach (1592)
- Niederliederbach (1812)
- Unterliederbach (1818)
Bezeichnung der Siedlung
- villa (838)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3466768, 5552773
UTM: 32 U 466706 5550992
WGS84: 50.110242° N, 8.534374° O
Statistik
Ortskennziffer
412000400
Frühere Ortskennziffer
412000840
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 578, davon 529 Acker (= 91.52 %), 22 Wiesen (= 3.81 %), 0,2 Holzungen (= 0.00 %)
Einwohnerstatistik
- 1492: 9 Häuser
- 1530: 11 Männer
- 1543: 25 Hausgesessene
- 1592: 23 Familien
- 1610: 22 Haushalte
- 1620: 29 Familien
- 1630: 19 Männer, 4 Witwen, 3 Vormundschaften
- 1637: 7 Haushaltungen
- 1716: 25 Haushalte
- 1782: 40 Haushalte mit 216 Einwohnern
- 1794: 246 Einwohner
- 1805: 53 Gemeindeglieder und 7 Witwen
- 1817: 338 Einwohner
- 1834: 469
- 1840: 527
- 1846: 572
- 1852: 540
- 1858: 541
- 1864: 512
- 1871: 497
- 1875: 620
- 1885: 912, davon 688 evangelisch (= 75.44 %), 221 katholisch (= 24.23 %), 3 Juden (= 0.33 %)
- 1895: 1961
- 1905: 3672
- 1910: 4573
- 1939: 7713
- 1946: 7572
- 1963: 17328
- 1970: 15466
- 1993: 13600
- um 1570: 22 Hausgesessene
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- (780-802): Wettereiba bzw. Maingau
- 838: Niddagau (in pago Nitachgouue)
- 1282/83: ist die comitia in Liderbach et Liderbach als pfalzgräfliches Lehen in den Händen Gottfrieds von Eppstein
- 1492: Landgrafschaft Hessen, Amt Eppstein
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Regierungsbezirk Darmstadt, Anteil an der Herrschaft Eppstein, Amt Wallau
- 1803: Nassau-Usingen, Herrschaft Eppstein
- 1816: Herzogtum Nassau, Amt Höchst
- 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
- 1854: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Amt Höchst
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
- 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Höchst
- 1917: Stadt Höchst a.M
- 1928: Stadtkreis Frankfurt am Main
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
- 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
- 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main
Altkreis
Frankfurt am Main, Stadt
Gemeindeentwicklung
Am 1.7.1917 Eingliederung in die Stadt Höchst a.M., mit dieser am 1.4.1928 in den Stadtkreis Frankfurt am Main eingegliedert.
Gericht
- 1306: in iurisdictione et territorio Siegfrieds von Eppstein
- 1592: Landgericht Häusel
- 1816: Amt Höchst
- 1849: Justizamt Höchst
- 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
- 1867: Amtsgericht Höchst am Main
- 1879: Amtsgericht Höchst
- 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
- 1945: Amtsgericht Frankfurt am Main
Herrschaft
- Die Herren von Eppstein besaßen 1282/83 neben der comitia in Liderbach et Liderbach auch noch Vogtei und Patronat zu Unterliederbach als Lehen der Grafen von Sponheim
- 1492 veräußerte Gottfried IX.von Eppstein den Ort an Hessen
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- Bereits im 12. Jahrhundert sind eppsteinische Rechte in Unterliederbach zu vermuten, mit denen sie die Pfalzgrafen belehnten. 1492 wurden die Besitzansprüchen an die Landgrafschaft Hessen veräußert.
- 1191 nimmt Erzbischof Konrad von Mainz das Kloster Retters nach dem Vorbild Erzbischof Heinrichs in seinen Schutz und bestätigt seinen Besitz u.a. in Liderbach. 1222 nahm der Mainzer Erzbischof Siegfried II. das Kloster Retters und dessen Besitzungen in seinen Schutz, wozu u.a. eine Halbe Hufe und ein Weinberg in Unterliederbach gehörten.
- 1285 erwarb das Mainzer Domkapitel von Siegfried von Münster 15 Morgen Land in Unterliederbach. Um 1450 sind 98 Morgen Land im Besitz des Domkapitels verzeichnet. 1487 erwirbt das Mainzer Mariengradenstift einen Hof und 5 Hufen Land in Ober- und Unterliederbach.
Zehntverhältnisse
Der große Zehnt und ein Hofgut mit 5 Huben Land gehörten seit seit Mitte des 14. Jahrhunderts der Mainzer Dompropstei
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Im 13. Jahrhundert muss bereits eine Kirche existiert haben.
- 1362: rector parrochialis ecclesiae
- 1716: Neubau der evangelischen Kirche
- 1898: Bau einer katholischen Kirche
Patrozinien
- Johannes (1896)
Pfarrzugehörigkeit
1465 ist Unterliederbach Filial von Oberliederbach. 1557 Zusammenlegung der Pfarrei mit Oberliederbach. Ab 1903 selbstständige evangelische Pfarrei.
Patronat
1282/83 besaßen die Herren von Eppstein das Patronatsrecht in Unterliederbach als Lehen der Grafen von Sponheim.
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation vermutlich um 1527.
Kultur
Schulen
1581: Lehrer genannt
1665 Schulhaus
1907 Neubau des Schulhauses, 1913/14 Erweiterung
1973 Neubau
Wirtschaft
Mühlen
1675: Errichtung der Untermühle am Südrand des Ortes durch Hans Sondermann. 1709: Obermühle am Nordrand des Ortes, die auch Kneiselsmühle genannt wird.
Nachweise
Literatur
- Vogel, Beschreibung Nassau, S. 869,
- Bach, Siedlungsnamen, S. 54,
- Kleinfeldt, Kirchenorganisation, S. 73,
- Dörr, St. Mariengredenstift, S. 235,
- Liebeherr, Besitz des Mainzer Domkapitels, S. 222,
- Denkmaltopographie Stadt Frankfurt am Main, S. 762-773,
- Kammer, Unterliederbach
- Bethke, Main-Taunus-Land, S. 185-187,
- Schäfer, Herren von Eppstein, S. 558 (Register),
- Cremer, Regierungsbezirk Darmstadt, S. 316,
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Unterliederbach, Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/11717_unterliederbach> (aufgerufen am 14.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/11717