Okriftel

Die Lage von Okriftel im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
5,5 km nordöstlich von Hofheim am Taunus
Lage und Verkehrslage
2 km südöstlich von Hattersheim, auf einer Niederterrasse des Mains Am Main und der L 3006 gelegen
Ortsform
Wegedorf
Ersterwähnung
1103
Siedlungsentwicklung
Erste Hinweise auf eine Besiedelung der Gegend geben Gräber aus der Merowingerzeit in der heutigen Wehrstraße.
1634 wird der Ort durch kaiserliche Truppen geplündert.
Historische Namensformen
- Acruftele (1103) [Abschrift 13. Jahrhundert Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 87, Nr. 150]
- Acrufdero (1132) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 129-130, Nr. 189]
- Acrufdelo (1134) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 130-131, Nr. 190]
- Acrufthero (1140) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 135-137, Nr. 199]
- Acruftero (1184) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 205, Nr. 279]
- Akruftele (1252) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 359, Nr. 576]
- Acroftele (1324) (Urkunde Büdingen Nr. 441)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3463979, 5546521
UTM: 32 U 463918 5544742
WGS84: 50.053873° N, 8.495975° O
Statistik
Ortskennziffer
436005030
Flächennutzungsstatistik
- 1843: 1458 Morgen
- 1885 (Hektar): 407, davon 296 Acker (= 72.73 %), 61 Wiesen (= 14.99 %), 5 Holzungen (= 1.23 %)
- 1895: 406,5 ha
- 1961 (Hektar): 407, davon 0 Wald
Einwohnerstatistik
- 1543: 26 Hausgesessene
- 1587: 22 Hausgesessene
- 1648: 6 Häuser
- 1712: 42 Häuser
- 1805: 35 Gemeindemitglieder und 5 Witwen
- 1817: 319 Einwohner
- 1885: 693, davon 602 evangelisch (= 86.87 %), 49 katholisch (= 7.07 %), 42 Juden (= 6.06 %)
- 1961: 3717, davon 2389 evangelisch (= 64.27 %), 1212 katholisch (= 32.61 %)
- 1970: 4571 Einwohner
- 1970: 4571 Einwohner
- 1987: 6987 Einwohner
- vor 1618: 28 Hausgesessene
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- In der Oberliederbacher Mark berechtigt
- 1556: Grafschaft Isenburg-Birstein, Amt Offenbach
- 1729: Grafschaft Isenburg-Birstein, Oberamt Offenbach
- 1787: Fürstentum Isenburg-Birstein, Anteil an der oberen Grafschaft Isenburg, Oberamt Offenbach
- 1803: Herzogtum Nassau, Amt Wallau
- 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
- 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis Höchst
- 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
- 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis
Altkreis
Main-Taunus-Kreis
Gemeindeentwicklung
Am 01.07.1972 schließen sich Okriftel, Eddersheim und Hattersheim zur Stadt Hattersheim zusammen.
Gericht
- Im Mittelalter zum Landgericht Dieffenwegen gehörig
- 1252 ist die Gerichtsbarkeit als Reichslehen an die von Preungesheim vergeben.
- 1306: Weistum der von Preugesheim
- 1317: Ernennung des Schultheißen durch das Kloster Arnsburg
- 1395: Gerichtsbarkeit bei Brechtel Barfuß von Wintersheim
- 16. Jahrhundert: Streit um die Blutgerichstbarkeit
- 1816: Amt Höchst
- 1849: Justizamt Höchst
- 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
- 1867: Amtsgericht Höchst am Main
- 1879: Amtsgericht Höchst
- 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
- 1945: Amtsgericht Frankfurt am Main
Herrschaft
- 1252: Herrschaft der Ritter von Preungesheim
- 1317: Besitz des Klosters Arnsburg
- 1324: Reichslehen im Besitz der Herren von Isenburg und als Unterlehen bei Winther von Rödelheim
- 1395: Besitz des Brechtel Barfuß von Wintersheim
- 1421: Herrschaft Isenburg-Büdingen
- 1421: Lehen des Philipp von Rüdigheim
- 1433: Lehen des Henne von Rödelheim
- 1440: wieder Lehnen des Philipp von Rüdigheim
- 1477: Verzicht Philipps von Rüdigheim auf alle Herrschaftsrechte am Ort
- 1556: Herrschaft Isenburg-Birstein
- 1628: nach einer weiteren Erbteilung der Herrschaft der neuen Linie Isenburg-Birstein
- 1635: unter kaiserlicher Herrschaft und Verwaltung durch Hessen-Darmstadt
- 1642: Herrschaft Isenburg-Birstein
- 1802: Nassau-Usingen
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1103 erhält das Kloster St. Jakob ein Schiff und zwei Mühlen in Okriftel.
- 1132 wird die Schenkung von 1 Hufe Land an das Kloster Johannisberg durch den Mainzer Erzbischof bestätigt.
- 1134 gibt die Abtei St. Alban 2 Hufe Land zu Lehen aus.
- 1140 wird die Schenkung von 3 Hufen Land an das Kloster Johannisberg durch den Mainzer Erzbischof bestätigt.
- 1306 haben die Klöster Thron und Arnsburg hier Landbesitz.
- 1312 kauft das Kloster Arnsburg die Besitzungen und Rechte des Klosters St. Jakob.
- 1316-1319 haben die von Hattstein hier Besitz.
- 1317 kauft das Kloster Arnsburg 9 Hufe Land vom Kloster Thron.
- 1426 erhält Georg von Sulzbach Land von Wolf von Bommersheim.
- 1440 haben Philipp von Rüdigheim und seine Frau Anna von Rödelheim hier Besitz.
- 1480 besitzt der Mainzer Kartäuserorden hier Güter.
- 1490 kauft der Deutsche Orden in Sachsenhausen Land von Philipp von Rüdigheim.
- 1506 verkaufen die Herren von Kronberg 4 Hufe Land an Ludwig II. von Isenburg
- 1546 kaufen Anton d.Ä. von Isenburg-Ronneburg und Reinhatrd von Isenburg-Birstein den 18 Hufe umfassenden Landbesitz des Klosters Arnsburg in Okriftel.
- 1618 verkauft Johann Heinrich von Reifenberg eine Korngülte und setzt sein Pachtgut und das Eihgengut seiner Frau Anna von Kronberg als Pfand ein.
- 1725 sind die Grafen von Isenburg der größte Grundherr des Ortes, daneben umfasst das Pfasrrgut 128 Morgen, die Güter des Deutschen Ordens 77 3/4 Morgen, des Mainzer Domstifts 33,5 Morgen,
- der Mainzer Kartäuser 31,5 Morgen, der Kartäuser in Flörsheim 30 Morgen, des Altmünsterklosters 27 1/4 Morgen, des Mainzer Dompropst 21 Morgen, der Eddersheimer Dompropstei 7 Morgen und des Stifts Heiligengrab 19 Morgen, des Stephansstifts 14 Morgen. Daneben bestand das Lehensgut der Bommersheimer aus 22 1/4 Morgen, das der Dalberger aus 15 Morgen und das der von Winter aus 102 Morgen Land.
Zehntverhältnisse
1184 gehört der Zehnte der Abtei St. Alban.
1281 gehört Winter von Preugesheim der Kleine Zehnte.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- 1184: Kirche
- 1313: Glöckner
- 1681: Wiederaufbau der zerstörten Kirche
- 1809: Neubau der ev. Pfarrkirche
- 1952: Bau der kath. Christkönigskapelle
Patrozinien
- Jesus Christus
Pfarrzugehörigkeit
Bis 1313 gehört die Kapelle in Hattersheim zu Okriftel. Bis 1595 ist Okriftel Filial von Eddersheim. Ab 1953 ist Okriftel eine selbstständige kath. Pfarrvikarie.
Patronat
1184 gehörte das Patronat der Abtei von St. Alban.
Diakonische Einrichtungen
Nach Wegweiser für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Ausgabe von 1954 eine Schwesternstation mit 1 Kraft, auch in Hattersheim eine Schwesternstation (1)
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation: um 1545
Reformierter Bekenntniswechsel: 1595
Kirchliche Mittelbehörden
Seit 1107 zum Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz gehörig
Juden
Ab 1765 dürfen die Juden in Okriftel ihre Gottesdienste in einem Privathaus feiern.
1843: 29, 1905:49, 1910: 45 Juden
angeschlossen an Hattersheim
Kultur
Schulen
1581: Schule bzw. Kirchschule für Okriftel, Hattersheim und Eddersheim 1854: Bau der heutigen Albert-Schweizer-Grundschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
1103: 2 Mühlen im Besitz des Klosters St. Jakob
1697: Bau einer Mühle durch den Eddersheimer Oberschultheiß Bonnen
Zoll
1498 besitzen die Herren von Isenburg Atzung und Bede.
Nachweise
Literatur
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Synagogen in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Okriftel, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/11291_okriftel> (aufgerufen am 15.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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