Boden-Seite: an der Bodenseit
Beleg
Standard-Flurname
Boden-Seite
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1799
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 248/2, Nr. 6.
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Boden
Zu ahd. bodam, mhd. bodem st. M. ‚Boden, Grund‘. Die FlN beziehen sich in der Regel auf tiefer gelegenes Land, aber auch speziell auf die unterste Terrasse eines Weinberges.
Seite
Der Name geht auf ahd. sîta, mhd. sîte, sît sw. st. F. ‚Seite, Fläche‘ zurück und bezeichnet in FlN Bergseiten oder auch Begrenzendes im Sinne von ‚an der Seite liegend‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Boden
Zu ahd. bodam, mhd. bodem st. M. ‚Boden, Grund‘. Die FlN beziehen sich auf tiefer gelegenes Land, aber auch speziell auf die unterste Terrasse eines Weinberges. In Unter-Flockenbach findet sich in der amtlichen Schreibung der dialektale Wandel von /d/ zu /r/.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Boden m.
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Die Boden-FlN haben ihre sprachhistorische Grundlage in ahd. bodam st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1243ff.), mhd. bodem, boden st.m. ‚Boden, Grund‘ (Lexer 1, 321; vgl. auch DWB 2 [III], 210; Weigand/Hirt 1, 262; Kluge/Mitzka 88).
Als Wort ist Boden in Oberhessen Bezeichnung für ‚den oberen Teil des Hauses, Speicher‘ und in der Zusammensetzung Bodenzins für ‚Grundzins‘ bekannt (Crecelius 185).
In Südhessen ist mit Boden allgemein ,Erdboden‘, als Fläche ‚gleicher Boden‘ und speziell die ,Ackerkrume‘, oft mit Qualitätsbeschreibung (sandiger, schwerer, schlechter Boden, Mutterboden, Lehmboden usw.) gemeint (SHessWb 1, 984ff.).
Die Bedeutung von Boden ist auch außerhalb Hessens ähnlich, wird aber noch um einige Varianten erweitert.
„Boden meint vorzugsweise den Ackerboden“, daneben ist „in den Böden“ gleichbedeutend mit ‚in den Tälern auf dem ebenen Land‘ (DWB 2 [II], 211).
Im Oberdeutschen bedeutet Boden eine ‚Ebene unter, am oder auf einem Berg, Terassenstücke an Halden‘ (Buck 32; Oeller 20); im Rheinischen die ‚unterste Terasse des Weinbergs‘ (RheinWb 1, 832; KehreinWb 86). Auch auf Boden als Benennung eines Teils der Landschaft wird verwiesen (PfälzWb l, 1067; SchwäbWb 1, 1256).
In FlN ist Boden als ‚flaches und bebaubares, freies und weites Gelände, oft im Talgrund gelegen‘, aber auch als ‚ebene Hochfläche‘ belegt (Keinath 60, 90; Knöpp 20; Danz 36f.). Nach Kehrein ist Boden ein in Hessen-Nassau häufig belegter FlN (KehreinNb 349f.).
Bei der Betrachtung des vorliegenden Namenmaterials kann man im wesentlichen drei verschiedene Sachbezüge feststellen, auf die sich die hessischen Boden-FIN beziehen.
l. Namengebend ist sehr oft die niedrige Lage oder die Tallage des benannten Flurstücks (vgl. Dittmaier 36; Bach 1925, 30; KehreinNb ebd.). Darauf weisen die folgenden, mehrfach belegten Namentypen hin: Kesselboden, Talboden, Bodental, Dellenboden, Niederbaden, im tiefen Boden, im untersten Boden.
2. Zahlreiche Belege der hessischen Boden-Flurnamen beziehen sich auf die Bodenqualität oder -farbe des jeweiligen Flurstückes (vgl. SHessWb 1, 986, 988): Kiesboden, Speckboden, Steinboden, Weißboden, Salzboden, Kalkboden, Sandboden, Simmetenboden, Fruchtboden, Faulebodenacker, -wiese, Moorboden, im faulen Boden, im sauren Boden, im bösen Boden, im roten Boden, im guten Boden; auch solche Namen, die auf ‚nasse Stellen‘ hinweisen: im nassen Boden, Lachboden, Bodenbrunkel, Bodenbruch, Klingenboden, Bodengalle.
3. Auf ebene Flächen, terrassenartige Lage und Größe der Flurstücke beziehen sich folgende Namen: Bodenplacken, Bodenflecken, Fleckenboden, Gleichenboden, am langen Boden, im großen Boden.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95
Seite f.
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Die Seite, ahd. sîta, sîtta st.sw.f. ‚Seite, Hüfte‘ (Schützeichel 166), mhd. sîte, sît st.sw.f. (Lexer 2, 942), „ursprünglich von der menschlichen Flanke“ (Kluge/Mitzka 700), bezeichnet „in freierem Gebrauche“, doch in Übereinstimmung mit der Etymologie des Wortes, eine ‚abfallende, sich abdachende Fläche‘ (DWB 16 [X, I], 379, 383) und herrscht in dieser Bedeutungskomponente ,Bergseite, Hangseite‘ in der FlN-Gebung vor (vgl. Leite K. 86), wozu teilweise wohl noch die Bedeutung ‚Grenze, an der Seite der Grenze liegend‘ hinzukommt (Dittmaier 287).
Das auch in Hessen allgemein und in verschiedener Bedeutung gebrauchte Wort (HNassWb 3, 571) tritt regional in hessischen FlN außerordentlich häufig auf: ca. 1700 rezente FlN enthalten diesen Namen, wobei allerdings ein erheblicher Teil offensichtlich auf ziemlich junge Katasterbildungen zurückgeht.
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Keine Identifizierungsschwierigkeiten. Unsicher sind einige /sid/-Belege am westlichen Taunusrand. Die wenigen hessischen Seiters/Sitters-Namen sind nicht aufgenommen, da die Zugehörigkeit zu Seite umstritten ist (E. Christmann 1938, 12-14; Dittmaier 287-289).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 87
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Boden-Seite: an der Bodenseit (Schwalbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/98341_an-der-bodenseit> (aufgerufen am 05.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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