Wühl-Stein: HINTER WUEHLSTEIN [henner weunstaa]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Stein
Die Namen verweisen - in sehr unterschiedlicher Weise - allgemein auf das Material Stein, ahd. mhd. stein st. M. In historischen Belegen zeigt sich öfter Monophthongierung zu /e:/. (1) Die Namen beziehen sich großenteils auf natürliche Steinvorkommen, sei es die steinige Bodenbeschaffenheit, seien es auffällige Steinvorkommen. Genutzt und abgebaut werden Steine für Bauzwecke in Steinbrüchen, die meist Steingrube oder Steinkaute genannt werden. Größere natürliche Steinansammlungen, besonders an Hängen, heißen Steinrück(en), Steinritz, Steinrutsche. Steinige Hügel heißen Steinbühl, ein FlN, der oft sehr verschliffen als Steimel u. ä. erscheint. Auf die Probleme, die mit der agrarkulturellen Nutzung steinigen Bodens verbunden sind, weisen z. B. Namen wie Steinacker und Steinfeld hin. (2) Die zweite große Gruppe der Stein-FlN bezieht sich auf meist einzelne Steine, die als natürliche Erscheinung markant hervortretend oder durch menschliche Tätigkeit aufgestellt und bearbeitet bestimmte Aspekte der bäuerlichen Kultur repräsentieren. Das sind vor allem solche der kommunikativen Orientierung und der Begrenzungen (z. B. die Marksteine), soweit sie nicht als historische Relikte zu verstehen sind wie das Steinmal, die Steinkammer, der heilige Stein oder die langen Steine. (3) Schließlich gibt es die Gruppe der kulturellen Objekte aus Stein wie die Steinstraßen und Steinbrücken u. ä. An Steinfurten wurde das Durchqueren des Gewässers durch Steine ermöglicht.
Wühl
Zu ahd. wuolen, mhd. wüelen, wûlen sw.V. ‚wühlen‘. Die Namen beziehen sich entweder auf die Wühltätigkeiten von Tieren, z.B. von Wildschweinen, oder auf die Tatsache, dass man auf diesen Grundstücken mühsam und hart ‚wühlen‘ musste, um einen Ertrag zu erzielen.
Wuhl
Gleichbedeutend mit Wühl (s.d.), wobei hier die unumgelautete mitteldeutsche Form mhd. wuolen, wûlen sw.V. die Ausgangsform ist. Das erklärt auch den mehrfach belegten steigenden Diphthong /ou/ < /uo/ in mündlichen Formen.
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Wühl-Stein: HINTER WUEHLSTEIN (Nanzenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/87546_hinter-wuehlstein> (aufgerufen am 04.11.2026)
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