Strang: Im Strang
Weitere Belege
- 1315: dicta an me strange
Urkundenbuch des Kl. Arnsburg i. d. Wetterau. Bearb. und hrsg. v. Ludwig Baur. Darmstadt 1851., 296
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Strang
Zu ahd. strang, mhd. stranc st. M. und strange st. sw. F., sw. M. ‚Strick, Strang, Seil‘. Der Name bezieht sich als FormN auf langgezogene Grundstücke und schmale Streifen Landes. In Lützellinden liegt mit streng die mitteldt. Form mit Umlaut vor.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Strang
In den Belegen kommen zwei Sprachvarianten von Strang vor: Neben ahd. strang M. ‚Strick‘ bestehen mhd. stranc st. M. und strange st. sw. F., sw. M. ‚Strick, Strang, Seil‘, im Mitteldt. auch mit Umlaut strenge. In den Belegfolgen wechseln häufig beide Varianten, bedingt auch dadurch, dass im Plural beide Formen zusammenfallen, sowie dadurch, dass in FlN kein Unterschied im Sachbezug erkennbar ist: Strang/Strenge bezieht sich als FormN auf lang gezogene Grundstücke und schmale Streifen Landes. Im Wortgebrauch ist heute nur Strang vorhanden. - Der historische Beleg aus Bensheim ist wohl als Diminutiv zu Strang zu verstehen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Strang m. / Striemel m. / Haarschnur f.
- 1A
Neben ahd. Strang, stranc m. besteht strangi, strengi f.? ‚Strang, Seil, Tau‘ (Graff 6, 755f.), dessen Nebeneinander in mhd. stranc st.m., strange st.sw.m. und strenge st.f., auch ‚Langfurche, schmaler und langer Acker‘ (Lexer 2, 1224, 1231) weiterbesteht. Die umgelauteten Formen sind im älteren Nhd. noch bezeugt, heute aber auch in den Dialekten verschwunden (DWB 19 [XIII], 854). Auch in hessischen Wörterbüchern ist nur die Form Strang belegt (KehreinWb 395 und Nachtr. 53; Crecelius 816; WaldWb 100; HNassWb 3, 825). Aus der Vorstellung des Langgestreckten entwickelte sich die Wortbedeutung ‚schmales Stück Acker, Beet, meist als Landmaß‘ (DWB 19 [XIII], 863f.) und hat sich in dieser Nebenbedeutung in FlN niedergeschlagen. Gleiches gilt auch für die umgelautete Nebenform die Streng(e) (mit der Dittmaier 305 als Namen nichts Rechtes anzufangen weiß). Es gibt allerdings keine Hinweise, daß Strang, Streng in Hessen auch als Landmaß verwendet wurde, so daß die Namen vermutlich hier ausschließlich als Formnamen, bezogen auf die langgestreckte Form, zu verstehen sind.
- 1B
Striemel ist -l-Abteilung zu nhd. Striem(en)‚ ahd. strimo, strîmo sw.m. ,Streifen‘ (Schützeichel 186), mhd. strieme, strîm, strîme, sowie striemel und strîmel st.n. (Lexer 2, 1238f.). Bei Striemel und den Varianten von Striem(en)‚ Streim (vgl. DWB 19 [XIII], 1302ff., 1601ff.) findet sich in hessischen FlN fast nur monophthongisches /i(:)/‚ das teils zu /e(:)/ gesenkt und öfter zu /i,e/ gekürzt ist. Als Wort ist der Striemel (mit Genuswechsel) auch in der Bedeutung ‚schmaler Streifen Land‘ belegt, Striemel als ,feldwegartiger Trennungsstreifen zwischen zwei Ackerbreiten‘, ‚schmaler grasbewachsener Grenzstreifen zwischen zwei Äckern‘ (HNassWb 3, 836, 846). In FlN bezieht sich der Name auf schmale Landstreifen (vgl. Dittmaier 306). Von den älteren hessischen Wörterbüchern erwähnt nur Vilmar 404 der Striemel als Diminutiv von Strieme ,abgetheiltes Längsstück einer Fläche‘ als „sehr üblich“ (vgl. Crecelius 827, der auf diphthongisches streim, streimen bei Alberus verweist; v. Pfister 289; KehreinWb 395; FrankfWb 3081).
- 1C
Die Haarschnur, mhd. hâr-snuor st.f. ‚Schnur oder Band zum Aufbinden und Auseinanderhalten des Haupthaares der Frauen‘ (Lexer 1, 1189), hing von den Haaren auf den Nacken hinab (DWB 10 [IV‚ II], 37). Schnur war in Hessen „der übliche Ausdruck für Band das erst seit den zwanziger Jahren des 19. Jhs. auch für Gewebe gebraucht wurde (Vilmar 364). Als Wort scheint Haarschnur heute nicht mehr bekannt zu sein (SHessWb 3, 9; vgl. HNassWb 3, 382). Als FlN bezeichnet Haarschnur metaphorisch ,sehr lange und schmale Flurstücke‘ (Dittmaier 96).
- 2A
Unsicher ist die Zugehörigkeit der vereinzelten Strengel-Namen, die als -l-Abteilung wohl zu Streng gehören.
- 2C
Haarschnur ist im Gegensatz zu anderen Schnur-Namen leicht und eindeutig zu identifizieren. Bei den anderen kann Vermengung mit dial. Schnur ,Schwiegertochter‘ und Schnurre, Schnorre (vgl. Dittmaier 277) vorliegen. Sicher auf Schnur ‚Band‘ beziehen sich nur noch die Namen „Dopfschnur“ (6217cl Bickenbach DAD), „Wickelschnur“ (5518c2 Trais-Münzenberg WET), „Güldene Schnur“ (54l9b5 Wetterfeld GIE) und „Kranzschnur“ (5216c7 Bottenhorn MBK).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 57
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Strang: Im Strang (Annerod)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/750116_im-strang> (aufgerufen am 03.11.2026)
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