Noll-Acker: auff dem nollacker
Beleg
Standard-Flurname
Noll-Acker
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1559/1565
Quelle
Fürstliches Archiv Büdingen, Stadt und Land, Fasz. 165, Nr. 1141c.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.
Noll
Zu ahd. nol st. M., nollo sw. M. ‚Scheitel, Hügel‘, mhd. nol st. M. ‚Hügel‘, nel, nelle st. sw. M. ‚Spitze, Scheitel, Kopf‘. Im Nhd. ist die Bedeutung ‚eine starke Böschung am äußersten Ende eines Hochgebirges oder desselben oberster Gipfel‘ bezeugt. In hessischen FlN handelt es sich um einen FormN für Hügel. Durch den mittelhessischen /l/-/n/-Wechsel kommt es leicht zu Vermengungen mit Nonne-FlN; so in Reiskirchen, wo der Noll, mündlich /non/, nach der ortsüblichen Deutung seinen Namen von einem Nonnenkloster haben soll. - Nach der Lage und der mündlichen Form in Queckborn ist die historische Form umgedeutet: Der FlN gehört ebenfalls zu Noll.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.
Noll
Zu ahd. nol st. M., nollo sw. M. ‚Scheitel, Hügel‘, mhd. nol st. M. ‚Hügel‘, nel, nelle st. sw. M. ‚Spitze, Scheitel, Kopf‘. Im Nhd. ist die Bedeutung ‚eine starke Böschung am äußersten Ende eines Hochgebirges oder desselben oberster Gipfel‘ bezeugt. Es handelt sich daher um einen FormN für Hügel. Das Wort hat sich im Südhess. nur in FlN erhalten, der Vokalismus der Belege schwankt, teils weil sich in älterer Zeit (mhd. nel, nulle st. sw. M.) Ablautvarianten erhalten haben, teils weil in der Mundart z. B. entrundete Formen (etwa Niehl- aus Nüll ) auftreten. Die Zugehörigkeit des Belegs aus Glattbach ist unsicher, 〈ei〉 in Neidel ist wohl ein hyperkorrekt diphthongiertes /iː/. In Neu-Isenburg geht der Name vermutlich auf einen FamN zurück.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Knüll m. / Noll m.
- 1A
Knüll geht zurück auf mnd. knolle, knul m. (Lasch/Borchling 2, 601), dem die gleiche Wurzel zugrunde liegt wie ahd. nol (s. u. 1B). Mhd. ist nur die verwandte Form Knolle sw.m. ,Erdschollen, Klumpen‘ (Lexer 1, 1652) belegt (DWB 11 [V], 1467). Knoll ist als Wort in der Bedeutung ‚Hügel, Bergspitze‘ in Waldeck bekannt (WaldWb 154). Vilmar 212f., der auf die etymologische Verwandtschaft zwischen Noll und Knüll hinweist, belegt Knüll nur als Namen. Knüll gilt als Wort nordwestlich Kassels, sonst nur noch in Holstein (DWA IV, K. ‚Hügel‘; Valtavuo 15-17).
- 1B
Noll geht zurück auf ahd. nol st.m., nollo sw.m. ‚Scheitel, Hügel‘ (Schützeichel 139), mhd. nël, nëlle st.sw.m., nol st.m. ‚Spitze, Scheitel, Kopf‘ (Lexer 2, 52, 99). DWB 13 [VII], 879 erwähnt Nollen m. „eine starke Böschung am äußersten Ende eines Hochgebirges oder desselben oberster Gipfel“. Das Wort ist in Hessen unbekannt.
In FlN ist Noll die Bezeichnung für eine ‚rundliche, nicht zu hohe Erhebung‘ (Dittmaier 214; ähnlich Keinath 49).
- 2B
Unsicher ist der „Noll“ in 5518d2 Holzheim GIE, handelt es sich doch um einen ‚freien Platz inmitten des Dorfes‘ (K. H. Jung, 301).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 77
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Noll-Acker: auff dem nollacker (Lichenroth)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/729887_auff-dem-nollacker> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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