Spieß-Lache: Spislache
Beleg
Standard-Flurname
Spieß-Lache
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1550
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, A 1 (Die Urkunden werden nach Ortsnamen bzw. Provenienz und Jahr zitiert).
Weitere Belege
- 1535: biß in die spis lachenn
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 16/2., fol. 105' - 1550: in der spieslachenn
Staatsarchiv Darmstadt, A 1 (Die Urkunden werden nach Ortsnamen bzw. Provenienz und Jahr zitiert). - 1565: In die Speis lach:en
Staatsarchiv Darmstadt, C 3, Nr. 13., fol. 9'
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lache
Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.
Spieß
Im FlN Spieß haben sich zwei verschiedene Wörter vermengt: ahd. spioz, mhd. spiez st. M. ‚Jagdspieß‘ und ahd. spiz N., mhd. spiz st. M. ‚Bratspieß‘. Im Untersuchungsraum liegt offenbar die Form spiz zu Grunde, da es keine Zeichen für Belege mit steigendem Diphthong /ie/ > /i:/ > /ei/ gibt, wie es bei der Ausgangsform spiez zu erwarten wäre. Die Grundstücke sind nach ihrer spießartigen Form benannt. Insbesondere in der Zusammensetzung mit -garten ist auch ein Bezug zum in der Region historisch belegten FamN Spieß möglich.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Spieß
Im FlN Spieß haben sich zwei verschiedene Wörter vermengt: ahd. spioʒ, mhd. spieʒ st. M. ‚Jagdspieß‘ und ahd. spiz N., mhd. spiʒ st. M. ‚Bratspieß‘. In manchen Fällen hat sich lautlich ein Unterschied erhalten: Kurzvokalische und gesenkte Formen gehen auf die mhd. Form spiʒ zurück, die wenigen diphthongierten Belege (vgl. Speiser) mit Sicherheit auf mhd. spieʒ. Die Grundstücke sind nach ihrer spießartigen Form benannt. Der Erstbeleg in Hofheim lässt allerdings auch die Annahme zu, dass mhd. spîse st. F. ‚Speise, Kost‘ in der Bedeutung ‚Vorrat‘ oder bezogen auf den Unterhalt eines Klosters zu Grunde liegt.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lache f.
- 1
Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).
Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.
In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.
Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).
- 2
Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.
l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.
2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.
3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108
Spieß m.
Im FlN Spieß haben sich zwei ursprünglich verschiedene Wörter vermengt: ahd. speoz, spioz (Graff 6, 367f.), mhd. spieʒ st.m. ‚Spieß, … Sowohl Kampf- als Jagdspieß‘ (Lexer 2, 1090) und ahd. spiz st.n. (Schützeichel 179), mhd. spiʒ st.m. ,Bratspieß‘ (Lexer 2, 1104), wobei letzteres mit spitz verwandt ist (Kluge/Mitzka 726; Weigand/Hirt 2, 917f.). Die beiden verschiedenen Ausdrücke haben sich wohl zuerst im Mitteldt. vermischt, wo der Diphthong /ie/ früh zu /i:/ monophthongiert wurde (DWB 16 [X‚ I], 2437ff.).
Als Wort ist Spieß in Hessen in der standardsprachlichen Bedeutung und zahlreichen Sonderbedeutungen verbreitet (HNassWb 3, 673f.)‚ wobei die älteren hessischen Wörterbücher mehr auf spezielle Wortverwendungen verweisen (KehreinWb 382f.; Vilmar 39lf.; v. Pfister 281). Aber nur Crecelius 797 nennt auch die Bedeutung ‚ein Stück Land in Spießform‘, die dem hessischen FlN allgemein zugrunde liegt (vgl. Dittmaier 296). Die unverschobene Form /ʃpi:t/ (WaldWb 97) kommt in FlN nicht vor.
Als FlN geht der Formname Spieß wohl in den meisten Fällen auf mhd. spiʒ ,Bratspieß‘ zurück. Das gilt besonders für die Belege mit Kurzvokal in der ungesenkten Form /ʃbis/ und der gesenkten Form /ʃbes/. Belege mit Langvokal können keinem der beiden Ausgangswörter mit Sicherheit zugeordnet werden. Hingegen liegt bei den Belegen mit steigendem Diphthong /ʃbais/ mhd. spieʒ ,Kampf-, Jagdspieß‘ zugrunde (vgl. Stroh 38f.).
Die Form des Spießes mit zulaufender Spitze als namengebende Eigenschaft rückt Spieß in die Nähe der FlN, die sich auf die dreieckige Form von Grundstücken beziehen: Dreispitz, Keil, Ger (K. 62-64), ohne wegen des dazugehörigen „Schaftes“ völlig sachentsprechend zu sein (vgl. Abb. bei Zink 67).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 65
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Spieß-Lache: Spislache (Bobstadt)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/670004_spislache> (aufgerufen am 04.11.2026)
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