Rod-Suhle-Weg: ROTSUHLWEG [ɒm roːdʃuːlvɛːg]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st.N.F.‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Die zahlreichen Belege weisen eine Fülle von sprachlichen Varianten auf. Neben den häufigen /ro:t, rot/-Formen sind es vor allem /rö:de/-Formen. Soweit sie als Sg. fem. identifizierbar sind, gehen sie auf eine Nebenform von mhd. riute zurück, in der der Stammvokal gekürzt uns zu /ö/ gesenkt ist, um dann durch die Dehnung in offener Silbe zu /rö:de/ zu werden. /rö:de/ kann aber auch Plural zu Rod sein und konkurrieiert dann mit der Pluralform auf /-er/: Röder, mundartlich oft zu /re:rer/ entrundet und weiter zu /ri:rer/ gehoben. Rod-Formen erscheinen häufiger mit Senkung zu /a/ (Rad). Bei mündlichen /u:/-Formen wurde in der Regel angenommen, dass sie zu rot gehören, womit Vermengung ohnehin leicht möglich ist. Für den /d/-Laut kommt neben regelmäßigem Rhotazismus zu /r/ gelegentlich Lamdbazismus zu /l/ vor (Röder Loch in Odenhausen (Rabenau)). - In diesem wie in einigen andern Fällen ist nicht auszuschließen, dass die Namen an SiedlungsN Rod erinnern, über die aber nichts weiter bekannt ist.
Suhle
Der nur rezent belegte FlN bezeichnet sehr wahrscheinlich eine Suhle, einen ‚Sumpf, in dem sich Wild zur Kühlung wälzt‘ oder eine feuchte Stelle auf der Weide. Das Wort ist erst seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Weg
Zu ahd. weg, mhd. wec st. M. in der Bedeutung ‚Weg, Straße‘, das als Simplex, BT und GT sehr häufig in FlN vorkommt. Die Belege, meist Simplizia, sind auf die Lage der Flurstücke bezogen.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st. N. ‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Der FlN Rod ist in vielen Varianten im ganzen Untersuchungsgebiet dicht und früh (13./ 14. Jh.) belegt. Formen mit Langvokal (in historischen Belegen oft durch Dehnungs-tii gekennzeichnet: roidtr) stehen neben solchen mit Vokalkürze; das /o/ erscheint vereinzelt zu /u/ gehoben, daneben häufig zu /ɑ/ gesenkt (Rad ), besonders im Nordosten des Untersuchungsgebiets. Neben der vorherrschenden Diminutivform Rödchen gibt es im südlichen Untersuchungsgebiet die mit dem Suffix -el gebildete Form Rödel, bei den Pluralformen überwiegt die Form Röder. Auch hier zeigt sich starke Varianz im Bereich des Vokalismus, die in einzelnen Fällen zu Umdeutungen und Verballhornungen geführt hat: Rädchen, Rädel, Rodel, Riedel, Rüdel, Rudel; Räder, Roder, Rieder, Rüder. Die Abgrenzung von Rod gegen rot (und den FamN Rot, Roth) ist - vor allem in den historischen Belegen - nicht immer zweifelsfrei möglich.
Weg
Zu ahd. weg, mhd. wec st. M. in der Bedeutung ‚Weg, Straße‘, das als Simplex, BT und GT sehr häufig in FlN vorkommt, hier aber kaum dokumentiert wird. Die Belege, meist Simplizia, sind auf die Lage der Flurstücke bezogen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Sohl n. m. (f.) / Suhle f.
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Hierunter sind zwei Namen mit gleichem Sachbezug, aber unterschiedlicher Etymologie abgebildet, die wegen ihrer lautlichen Ähnlichkeit im Gesamtbestand nicht sauber voneinander getrennt werden können.
Sohl, in allen Genera vertreten, doch vorwiegend mask. und neutr., ist bereits ahd. belegt: sol st.n. ,sumpfige Stelle, Suhle, Lache‘ (Schützeichel 177), mhd. sol, söl st.n.m. ,Kotlache, worin sich das Wild zu wälzen pflegt‘ (Lexer 2, 1051); in Namen faktisch nicht zu trennen von Sole, mhd. sul, sol st.f. (Lexer 2, 1292; vgl. Weigand/Hirt 2, 884; Kluge/Mitzka 714) ‚Salzwasser, -brühe‘, das aber in hessischen FlN kaum vorzukommen scheint.
Die Suhle, auch „Sühle f., auch suhl m.f.n. ,Kotlache, sumpfige Stelle im Walde, in der sich das Wild, besonders das Wildschwein, zur Kühlung wälzt‘ zum Verb suhlen, sühlen ist erst im Nhd. bezeugt“ (DWB 20 [X, VI], 1007; vgl. Weigand/Hirt 2, 1007; Kluge/Mitzka 763). In FlN bezieht sich der Name auf solche Bodenstellen, aber auch auf stehende Gewässer ohne Abfluß (Dittmaier 308; Leithaeuser 151).
Für Hessen weist Vilmar 387 eigens darauf hin, daß Sol „jetzt nur noch als Eigenname bruchiger, sumpfiger Waldorte vorhanden, aber sehr häufig“ sei und daß im Wortgebrauch die Suhle üblich sei, nur selten das Suhl (vgl. Crecelius 789). KehreinWb 400 erwähnt nur Sulch m. ,Morast‘ (vgl. KehreinNb 555; v. Pfister 293). Heute scheint Sohl im Sprachgebrauch nicht mehr vorzukommen. In den dialektalen Formen der Namen ist die Vokaldehnung oft unterblieben, so daß /so:l/, /sol/, /su:l/, /sul/ als Hauptvarianten nebeneinander bestehen, im Diminutiv und Plural umgelautet.
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Die Eingrenzung der Namenmenge weist Unsicherheitsfaktoren auf:
1. Problematisch ist insbesondere die Ausgrenzung der Sale(n)-Namen und deren umgelauteter Varianten, die vorwiegend zu mhd. salhe ‚Salweide, salix‘ (Lexer 2, 583), vereinzelt wohl auch zu Sal ,Herr-‘ zu stellen sind (anders Arnold 521), manchmal aber auf Sohl zurückgehen könnten. Namen mit /a/ und /e, ä/ blieben deshalb unberücksichtigt.
2. Schwierig ist die Abgrenzung gegen Alen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 58), wenn der Name als GT auftritt, der BT ein genitivisches /s/ enthält und die Dialektform nicht vereindeutigt. In diesen Fällen mußte aufgrund des Kombinationstyps nach Wahrscheinlichkeit entschieden werden.
3. Im Einzelfall sind Vermengungen mit kontrahierten Formen anderer Namen (z. B. Sadel (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 54)) nicht auszuschließen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Rod-Suhle-Weg: ROTSUHLWEG (Glashütten)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/649790_rotsuhlweg> (aufgerufen am 04.11.2026)
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