Rose-Tal-Forellen-Weiher: vom Rosenthalser Forrellen weyer

Historischer Beleg aus Kronberg im Taunus  
Landkreis
Hochtaunuskreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Rose-Tal-Forellen-Weiher

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1750

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 3002, Nr. XIII, 2, 1.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rose

Zu ahd. rôsa, mhd. rôse sw. F. M. ‚Rose‘. Die meisten der FlN verweisen auf das Vorkommen von wild wachsenden Feld- oder Heckenrosen (Rosa arvensis, R. cania). Ein Rosengarten ist nicht immer ein mit Rosen bepflanzter Garten: manchmal deutet der Name auch auf Friedhöfe und vorgeschichtliche Gräberfelder; im Mittelalter wurden auch Turnier- und Festplätze so genannt. - Historische Belege mit <ss> können vereinzelt zum Lemma Ross (s.d.) gehören, andere zu Röße (s.d.). Auch der FamN Rose kann gelegentlich namengebend gewesen sein.

Tal

Zu ahd. mhd. tal st.N. st. M. ‚Tal, Niederung, zwischen Anhöhen liegendes Tiefland‘. Wie nhd. als Bezeichnung der relativen Lage für tiefer gelegenes Gelände.

Weiher

Zu ahd. wîwâri, mhd. wîwære, wîver, wîher, wîære, wîer st. M. ‚Weiher‘, einer Entlehnung aus lat. vivarium ‚Käfig, Tiergarten, Fischbehälter, Fischteich‘. Im dt. Sprachraum verengt sich die Bedeutung zu ‚Fischteich, Teich‘. Die zahlreichen FlN-Belege zeugen für die starke Verbreitung des Worts im Untersuchungsraum. Wie das Appellativ beziehen sich die Namen meist auf natürliche oder auf künstlich angelegte Fischteiche, deren Zu- und Abfluss durch Wehranlagen zu regulieren ist. Schwieriger zu deuten sind Belege mit inlautendem /m/ wie Weimar, Weimer(t) oder Weimel. Der Nasal kann aus Nebenformen wie ahd. wînwer entstanden sein, so dass von einer Teilassimilation /n/ > /m/ auszugehen wäre.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rose

Zu ahd. rôsa, mhd. rôse sw. F. M. ‚Rose‘. Die meisten der FlN verweisen auf das Vorkommen von wild wachsenden Feld- oder Heckenrosen (Rosa arvensis, R. canina). Ein Rosengarten ist nicht immer ein mit Rosen bepflanzter Garten: manchmal deutet der Name auch auf Friedhöfe und vorgeschichtliche Gräberfelder; im Mittelalter wurden auch Turnier- und Festplätze so genannt. Historische Belege mit ssss können vereinzelt zum Lemma Ross gehören, andere vielleicht auch zu Röße (s. d.). In Neckarsteinach liegt vermutlich ein PN Rosenstengel vor. Die beiden Rosen-Fluren in Ernsthofen sind räumlich verbunden in der Nähe des Schlosses, ohne dass ein Benennungsmotiv für Rosenkranz erkennbar wäre.

Tal

Zu ahd. mhd. tal st. N. st. M. ‚Tal, Niederung, zwischen Anhöhen liegendes Tiefland‘. Wie nhd. als Bezeichnung der relativen Lage für tiefer gelegenes Gelände. Die Thaler-Belege in Dornheim und Mosbach zeigen vermutlich eine sekundäre Pluralbildung. Die Abgrenzung zu Dohl ‚Abzugsgraben‘ ist wegen der mundartlichen Hebung von /ɑ/ > /o/ in Tal nicht immer sicher.

Weiher

Zu ahd. wîwâri, mhd. wîwære, wîver, wîher, wîære, wîer st. M. ‚Weiher‘, einer Entlehnung aus lat. v²v±rium ‚Käfig, Tiergarten, Fischbehälter, Fischteich‘. Im dt. Sprachraum verengt sich die Bedeutung zu ‚Fischteich, Teich‘. Die zahlreichen FlN-Belege zeugen für die starke Verbreitung des Worts im Untersuchungsraum. Wie das Appellativ beziehen sich die Namen meist auf natürliche oder auf künstlich angelegte Fischteiche, deren Zu- und Abfluss durch Wehranlagen zu regulieren ist. Auf diese Anlagen verweisen auch die Namen Weiherhaus bzw. Weiberhaus. Sie gehen zurück auf mhd. wîwerhûs ‚ein dem Fischfang dienendes Haus‘. Die häufige nbb-Schreibung SWeiberW ist zunächst durch Hyperkorrektur des ursprünglichen und dialektalen [v] entstanden. Das Bedürfnis, den Hiatus wî-er mit einem Konsonanten zu füllen, zeigen die älteren Belege mit rhh- und mit -gg-Schreibung. Schwieriger zu deuten sind Belege mit inlautendem /m/ wie Weimar, Weimer(t) oder Weimel. Der Nasal kann aus Nebenformen wie ahd. wînwer entstanden sein, sodass von einer Teilassimilation /n/ > /m/ auszugehen wäre. Manche dieser Varianten können auch, wie wohl im Falle von Weibert, auf einen FamN Weimer(t) u. ä. bezogen werden.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Roße f.‚ Röste f. / Brech- / Dörre f.

1

Die auf der Karte zusammengenommenen Namen haben gemeinsam, daß sie sich auf die Bearbeitung von Werkstoffen in flürlichen Anlagen beziehen, wobei die Hauptmasse der Namen an die Weiterverarbeitung des Flachses (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 27) erinnert. Der Flachs wurde nach der Ernte und nach dem Entfernen der Samenkapseln unter Wasser getaucht oder auf feuchten Wiesen ausgebreitet, bis die weichen Bestandteile weggefault waren. Dann wurde er ,gedörrt‘, d.h. meist in Erdgruben unter Hitzeeinwirkung getrocknet, bis er reif zum ,Brechen‘ war, d. h. weiter zu Faserbündeln verarbeitet werden konnte. Die Anlage, in der der Flachs zum Faulen gebracht wurde, in der er ,geroßt‘ wurde, war die (Flachs)- Roße, mhd. rœʒe st.f. ,Hanf-, Flachsröste‘ (Lexer 2, 517), einer Substantivierung zum Verb ahd. rozzên ,verwesen‘ (Schützeichel 155), mhd. rœʒen, rôʒen, roʒʒen ,welk, bleich, faul werden; faulen machen‘ (Lexer 2, 518). Dieses Wort war mit einer Reihe dialektaler Varianten, von denen in FlN /ro(:)se, ru(:)se/ und umgelautetes /rö(:)se, re(:)se/, niederdt. unverschoben /rote/, die häufigsten sind, bis ins 19. Jh. in Hessen allgemein gebräuchlich (Vilmar 330f.; SHessWb 4, 1465, SHessWb 4, 1467; HNassWb 2, 900; vgl. Stroh 33f.)‚ ist heute aber durchweg durch Röste bzw. das Verb rösten ersetzt (HNassWb ebd.; WaldWb 86), wobei offensichlich die Vorstellung des ,Röstens‘ zu einer volksetymologischen Umdeutung führte (vgl. Kluge/Mitzka 609; DWB 14 [VIII], 1283; wenngleich Vilmar 33l und V. Pfister 238 die „Halbgebildeten und vollends die ,Gebildeten‘“ für diese Sprachveränderung verantwortlich machen). Erleichtert wurde das durch die Abfolge von Faulen und Dörren, aber auch durch das Roßen bzw. Rösten, d. h. das Brennen des Kalks in Kalkroßen, -rösten (DWB 11 [V], 67), die besonders in Nordhessen häufiger in FlN belegt sind. Auch in bezug auf das ,Dörren‘ vermischen sich in den FlN zwei Vorstellungen. Die Dörre, Substantivierung zu ahd. t(h)erren‚ derren ,verdorren lassen‘ (Schützeichel 29), mhd. derren ,dörren, austrocknen‘ (Lexer l, 420), bezeichnet allgemein Anlagen, in denen etwas getrocknet wird (DWB 2 [II], 1301; vgl. Kluge/Mitzka 149), besonders (Dörr-)Obst, aber auch der Flachs. In hessischen FlN bezieht sich Dörre, Dürre als Simplex oder GT wohl meist auf solche Obst- Trockenanlagen (Crecelius 315; SHessWb 1, 1903; kaum auf ‚dürres, trockenes Land‘: Dittmaier 52). Der mehrfach belegte Kombinationstyp Brechdürre (vgl. SHessWb 1, 1087) verweist aber auf den Bezug zur Flachstrocknung. Während bei Kombinationstypen wie Dörrwiese eine Sachentscheidung unmöglich ist, weisen Namen wie Dörr-grube, -kaute‚ -loch‚ -graben? mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Flachsdörrung hin (vgl. Stroh 5).

Gleiches gilt für die mit Brech- gebildeten Namen wie Brechgrube, -kaute‚ -loch‚ -hohl sowie Brechhütte, -haus u. ä. Hier wurde der Flachs ‚gebrecht‘, wobei das auch im Hessischen schwach gebildete Partizip Perfekt (Crecelius 200; SHessWb 1, 1089) darauf hinweist, daß den Namen ahd. brâhhen sw.v. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1308) mhd. brӕchen, md. brêchen ,prägen‘ (Lexer l, 338) als Faktitiv zu brechen zugrundeliegt (vgl. Dittmaier 38, 40), so daß die eigentliche Bedeutung ‚brechen machen, gebrochene Arbeit hervorbringen‘ (Kluge/Mitzka 562) ist. Auch das Werkzeug zum Brechen des Flachses heißt die Breche (Crecelius 200; vgl. WaldWb 33).

2

Die Namen, die sich auf Roßen und Dörren beziehen, sind nur teilweise sicher zu identifizieren. Unproblematisch ist hier nur Röste u.ä.

l. Bei Roße, Röße u.ä. liegt sehr starke Vermengung mit Roß (Rosse), Rasen, Russe ,Backstein‘ u. ä. vor (während hess. Roße ,Bienenwabe‘ (vgl. Vilmar 330) HNassWb 2, 898 wohl kaum namengebend war). Vor allem als BT ist Roße nicht hinreichend identifizierbar. Deshalb wurde nur Roße als GT oder Simplex aufgenommen, da hier das fem. Genus und meistens auch der Kombinationstyp die Zugehörigkeit sichern.

2. Bei den Nebenformen Rost(e) u.ä. zu Röste wurden nur die mit fem. Genus aufgenommen, um Vermengung mit Rost ‚Gitter, Rost‘ auszuschließen.

3. Bei Brech- und Dörre-Namen wurden nur Kombinationstypen gewählt, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf Trocknungsanlagen hinweisen; bei Brech- wurde deshalb das Simplex ausgeklammert (s.o. 1).

4. Harres-Belege (Hessischer Flurnamenatlas, Karte 27 übernommen und in der Variante /res(e)/ enthalten.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 28

Weiher; Weiwer, Weimer m. (n.)

1

Weiher, ahd. wîwâri st.m. (Schützeichel 239), auch wihari, wîari (Graff 1, 1087), mhd. wîwӕre, wîwer, wîher, wîger, wîӕere, wîer st.m. (Lexer 3, 957), ist aus lat. vivarium ,Tierbehältnis, -garten, Fischbehälter‘ entlehnt und gehört zur ältesten Schicht unserer Lehnwörter (Müller/Frings 506f.; DWB 28 [XIV, I, 1], 687; Kluge/Mitzka 847). Im Dt. schränkt sich die Bedeutung auf ,Teich‘, insbesondere ,Fischteich‘ ein; als Wort gilt Weiher im Oberdt. und Fränkischen gegenüber nördlichem Teich. In Hessen galt es bis zu einer Linie Siegen-Holzhausen-Marburg-Fulda-Hof (Kretschmer 523), nach Vilmar 444 ist „dieses Wort nur im Fuldaischen üblich“, nach Ausweis von FlN sei es früher auch im „östlichen Hessen“ üblich gewesen. Sowohl als Wort wie als FlN bezieht sich Weiher in Hessen vorwiegend auf natürliche oder künstlich angelegte Fischteiche (vgl. Dittmaier 335f.), deren Zu- und Abfluß durch Wehranlagen zu regulieren ist; zur Teichwirtschaft in Hessen s. Demandt l, 656f.

Die zeitliche Schichtung dieser Weiher-Namen ist schwer zu beurteilen, doch sind - nach dem Kombinationstyp zu urteilen - nur wenige wirklich junge Namen darunter (wie Forellen-, Badeweiher).

Hier sind auch Varianten Weiwer, auch hyperkorrekt mit umdeutendem Verschlußlaut Weiber (Dittmaier 335), sowie Weimer berücksichtigt. Während die Variante mit binnenvokalischem /v/, /b/ als Fortsetzung der seit dem Ahd. belegten Form wîwâri zu betrachten ist, die im übrigen weit verbreitet auftritt, scheint die Variante mit binnenkonsonantischem /m/ durch Dissimilation des spirantischen Labials /v/ zum nasalen Labial /m/ entstanden zu sein. Allerdings belegt das Summarium Heinrici d ein winwer ‚vivarium‘, das von Müller/Frings 507 für eine Verschreibung gehalten wird, möglicherweise aber die Ausgangsform für Weimer (mit Assimilation /nw/ > /m/) war (vgl. u. 2.4). Diese Form scheint nur in Hessen vorzukommen, ist heute im Wortgebrauch nicht mehr nachzuweisen (HNassWb mündl.), wird aber von Crecelius 901 als der Waëmer kurz erwähnt.

Weiwer und Weimer, amtl. öfter auch Weimar, weisen Varianten auf in bezug auf den Stammvokal (Diphthong /ai/ vs. Monophthong /i(:)/) und auf die Endung, die manchmal anscheinend Dissimilation /r/ > /l/ erfahren bzw. den Schlußkonsonanten verloren hat. Sachentsprechendes Teich ist als Wort und Name in Hessen allgemein verbreitet.

2

Die Identifizierung einiger Varianten enthält einen hohen Unsicherheitsfaktor.

1. Bei Weimer waren nicht nur die FlN auszusondern, die sich auf den SN Weimar (4622d1 Weimar KSK, 5218d1 Oberweimar MBK, 5218d2 Niederweimar MBK, 52l8d6 Cyriaxweimar MBK) beziehen. Bei Weimer-‚ Wi(:)mer- als BT muß darüber hinaus mit einer Herleitung von einem PN oder FamN gerechnet werden. Das ist bei Weimert(s)-Namen so wahrscheinlich, daß sie ausgeschieden wurden. Ganz sichere Belege sind nur die mit Weimer als GT oder als Simplex.

2. Bei Weiber, Weiwer wurde nach dem Kombinationstyp entschieden, um auf Weiber ,Frauen‘ bezogene Namen auszuscheiden (wie z. B. Weiberhemd als Formname). Auch hier blieben Formen wie Weibert(s) unberücksichtigt.

3. Unsicher bleiben auch die Typen Weimel, Weiwel u.ä., weil die Dissimilation zu /l/ zwar nach den Strukturtypen plausibel ist, letztlich bislang aber nicht sicher nachweisbar ist. Bei Weibel kann auch Vermengung mit Weibel ,Gerichtsbote‘ vorkommen, obwohl diese Bezeichnung in Hessen nicht üblich gewesen zu sein scheint (vgl. DWB 28 [XIV, I, 1], 377ff.).

4. Hinzuweisen ist auf den Typ /waive:r/, der amtl. durchweg mit wiedergegeben wird (in 4917b2 Battenberg (Eder) WFK, 5019b4 Langendorf MBK, 5117a4 Mornshausen a. D. MBK, 5117a5 Hommertshausen MBK, 5117c4 Buchenau (Lahn) MBK, 5118c1 Cölbe MBK, 5119b1 Kirchhain MBK, 5218a8 Niederwalgern MBK). Hier scheint umdeutende Anlehnung an Wehr vorzuliegen (s.o. 1).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 112

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Rose-Tal-Forellen-Weiher: vom Rosenthalser Forrellen weyer (Kronberg im Taunus)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/613304_vom-rosenthalser-forrellen-weyer> (aufgerufen am 04.11.2026)

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