Bettel-Frau: bei der betel frau
Beleg
Standard-Flurname
Bettel-Frau
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1707/1708
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 135, Akten Nr. VIII b 1.
Weitere Belege
- 1696: an der Bettelfrau
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 135, Akten Nr. VIII b 1., fol. 18' - 1791: auff der Betel frau [Acker]
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 135, Akten Nr. IX, 23.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bettel
Bettel ‚minderwertiges Zeug‘, auch ‚kleines Bauerngütchen‘ ist eine Rückbildung aus ahd. betalôn, mhd. betelen sw.V. ‚bitten, betteln‘. Die Zugehörigkeit der Namen zu diesem Lemma ist unsicher.
Frau
Zu ahd. frouwa ‚(vornehme, hohe) Frau, Herrin‘, mhd. vrouwe, vorowe sw. st. F. ‚Herrin, Gebieterin‘. Die Flurstücke gehörten einst zum Besitz adliger Frauen und Nonnen oder von Frauenklöstern. - Die Frauenkreuze im Krofdorfer und im Rodheimer Wald sollen hingegen Sühne- oder Friedenskreuze für Untaten sein, die dort an Frauen begangen worden sind.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bettel
Bettel ‚minderwertiges Zeug‘, auch ‚kleines Bauerngütchen‘ ist eine Rückbildung aus ahd. betalôn, mhd. betelen sw. V. ‚bitten, betteln‘. Es erinnert wohl meist an minderwertige Flurstücke. In Verbindung mit den GT -herberge und wohl auch -pfad kann es sich dagegen auch um Orte handeln, wo sich Bettler aufhielten (so der Bettelplatz in Roßdorf am östlichen Ortsende an der Hauptstraße), in Schwanheim vielleicht um einen EreignisN oder um geistlichen Besitz.
Frau
Zu ahd. frouwa ‚(vornehme, hohe) Frau, Herrin‘, mhd. vrouwe, vrowe sw. st. F. ‚Herrin, Gebieterin‘. Die Flurstücke gehörten einst zum Besitz adliger Frauen und Nonnen oder von Frauenklöstern. Manchmal waren wohl auch Muttergottesbilder namengebend.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Fron
- 1
Mit Fron- gebildete Namen gehen in der Regel zurück auf ahd. frô sw.m. ‚Herr‘ und das dazugehörige Adjektiv ahd. frôno ‚dem Herrn zugehörig, ...‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 1278, l285ff.)‚ mhd. vrôn (Lexer 3, 529), bezeichnen also Herrenland. In der Sache zu unterscheiden, sprachlich aber meist nicht zu trennen, sind Fron-(d)-FlN, die sich ursprünglich auf zu leistende Frondienste, mhd. vrône, vrôn, vroende st.f. (Lexer 3, 53l; vgl. Weigand/Hirt 1, 590; Kluge/ Mitzka 221; DWB 4 [IV, I, 1], 230-234) bezogen (DRWb 3, 966-971; HRG l, 1306-1312; Dittmaier 79). Im Einzelfall könnte auch mhd. vrôn, vrône st.sw.m. ‚Gerichtsbote, Büttel‘ (Lexer 3, 530) namengebend geworden sein und sich auf diesem überlassenes Nutzungsland beziehen; zumindest im Waldeckischen galt diese Bezeichnung für den Gerichtsboten bis ins l8. Jh. (WaldWb 14l); KehreinWb 145 führt sie als „veraltet“ an. Die Fron ,Frondienst‘ ist in Südhessen als Wort noch bekannt (SHessWb 2, 967f.), dial. diphthongiert > [frou].
Das ebenfalls ,Herrenland‘ bezeichnende Sal, Sel kann in seiner heutigen Distribution in hessischen FlN nicht dargestellt werden, da die rezenten Formen eine einigermaßen sichere Trennung von Sohl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116) und als BT vor allem von Sal-, Sel- ‚Salweide, salix‘ nicht gestatten.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 14
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bettel-Frau: bei der betel frau (Altweilnau)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/603336_bei-der-betel-frau> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/603336